Für höhere Chancen bei der Arbeit
2003-04-29T20:56:30+0200Auftaktveranstaltung mit Kultusminister Bernd Busemann für das Projekt Aktiv zur Berufsorientierung
SCHÖNINGEN. "Aktiv" heißt das Projekt zur Berufsorientierung an Haupt- und Sonderschulen, für das gestern die Auftaktveranstaltung in der Schöninger Eichendorffschule unter ziemlichem Medienandrang stattfand. Prominentester Redner war Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann.
Schulleiter Dieter Hoff war schon ein bisschen stolz, nach der Praxisklasse und einer Sozialarbeiterin nun auch dieses Projekt an die Schule zu bekommen. Neben der Eichendorffschule in Schöningen sind eine Haupt- und eine Sonderschule in Braunschweig sowie eine Hauptschule in Salzgitter beteiligt.
In Einklang bringen
Aktiv ist ein Projekt, Laufzeit drei Jahre, von reson (Regionale Entwicklungsagentur für Südost-Niedersachsen) im Auftrag des Bündnisses für Arbeit. Der Leitgedanke sei, so verdeutlichte es Dr. Gerhard Prätorius, Geschäftsführer der reson, "je besser die Qualität der Bildung, desto höher die Chance bei der Ausbildung und Arbeit". Prätorius meinte, dass alle gewönnen, wenn es gelänge, "die Anforderungen der Betriebe mit den Interessen der Auszubildenden in Einklang zu bringen".
Die Erlangung des Schulabschlusses sei ein Ziel des Projektes, ebenso die Fähigkeit zur Ausbildungs- und Berufsorientierung, etwa durch Kompetenzförderung und Begleitung. Dies verlange eine Zusammenarbeit an den Übergängen, etwa von der Schule zur Berufsausbildung. Landrat Rolf-Dieter Backhauß sprach Motivationscoaches und Qualifizierungslotsen an und meinte, allen müsse es um die "Sicherung der Zukunft junger Menschen" gehen.
Busemann erneuerte zunächst seine Ankündigung, 4000 neue Lehrer bis zum Ende des Jahres einstellen zu lassen. Bildung sei "der Schlüssel für Lebenschancen", meinte er. Rund 10,7 Prozent der Schulabgänger, also 100000 junge Leute, seien in Niedersachsen ohne Abschluss. Der Schwerpunkt liege hier im Hauptschul-Bereich, sagte Busemann. "Hier ist hochgradig Handlungsbedarf angesagt", kündigte er an.
Leichte Beute für Drogen
Und 27 Prozent der Schüler – ebenfalls Schwerpunkt Hauptschule – könnten "kaum noch lesen." Busemann: "Da muss ganz aggressiv dagegen gearbeitet werden". Solche Menschen seien dazu leichte Beute für Kriminalität und Drogen, meinte Busemann. Zudem könne die Wirtschaft nicht auf diese Arbeitskräfte verzichten. Dem "Sorgenkind Hauptschule" sei nicht geholfen, wenn man die Schulformen etwa einfach zusammenlege, legte Busemann dar. Es bedürfe etwa veränderter Lerninhalte, die sich an lebens- und berufsnahen Bereichen orientierten, neuer didaktischer Ansätze, der Betonung eingenverantwortlicher Schüleraktivität.


