Kreismusikschule fürchtet um ihre Existenz
Helmstedt Streicht der Landkreis Helmstedt seinen Zuschuss an die Kreismusikschule e.V. wie geplant um 10 Prozent, könnten dort 2013 die Lichter ausgehen.
Kreismusikschuldirektor Gheorghe Herdeanu und Vereinsvorsitzender Jochen Schnoor schlugen am Mittwoch Alarm, zwei Tage vor der Kreistagssitzung, in der über den Haushalt 2012 entschieden werden soll. „Es ist für uns unverständlich, dass vor dem Hintergrund der von allen Politikern landauf und landab geforderten Förderung der Bildung von Kindern und Jugendlichen gerade bei der Kreismusikschule gekürzt werden soll und dass die Politik in den bereits gelaufenen beiden Finanzausschusssitzungen diesen Haushaltsvoranschlag der Verwaltung ohne Änderungsanträge durchgewinkt hat“, meinte Schnoor. „Hier stellt sich die Frage, ob die Kreispolitiker keinen Wert mehr auf die über Jahrzehnte erfolgreiche Jugendarbeit der Kreismusikschule legen?“
Seit vielen Jahren sei der jährliche Zuschuss an die Kreismusikschule in Höhe von 164 000 Euro nicht erhöht worden, berichtete der Leiter, Gheorghe Herdeanu. „Wir haben es trotzdem in all den Jahren geschafft, Kostensteigerungen durch interne Umstrukturierungen und Preisanpassungen aufzufangen.“ Wenn nun aber der Zuschuss des Landkreises um 16 400 Euro gekürzt werden solle, dann gehe das an die Substanz und sehr bald auch an die Existenz der Musikschule. „Wir können die Qualität nicht beliebig herunterschrauben und andererseits noch die Preise erhöhen“, verdeutlichte Herdeanu.
Im laufenden Haushaltsjahr würde sich für die Kreismusikschule (Gesamtetat: 750 000 Euro) eine Unterdeckung von 20 000 Euro ergeben, sollte es zu der geplanten Zuschusskürzung kommen. „Wir müssen in diesem Jahr eine Mehrbelastung durch den jüngsten Tarifabschluss für unsere Mitarbeiter in Höhe von 19 000 Euro verkraften, für 2013 kommen weitere 17 000 Euro hinzu“, erläuterte der Musikschul-Leiter. Die 20 000 Euro Unterdeckung ließen sich nur durch Rückgriff auf das Spendenguthaben ausgleichen. „Aber dann ist dieses Konto leer und spätestens 2013 würden wir auf eine Insolvenz zusteuern.“
Nur durch eine angemessene finanzielle Unterstützung des Landkreises könne die Kreismusikschule vielen Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Musik ermöglichen, appellierten Schnoor und Herdeanu an die Kreistagspolitiker. Nur so lasse sich die Qualität des Unterrichts wahren und der Bildungsauftrag erfüllen. „Die Schule leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität im Landkreis Helmstedt und macht ihn attraktiv für Familien“, sagen beide.
Zum Vergleich: Die städtische Musikschule in Braunschweig hat 2010 für 1793 Schüler einen Zuschuss der Kommune von 1,15 Millionen Euro erhalten. In Helmstedt gab es für 1064 Schüler einen Zuschuss von 164 000 Euro. Und in Wolfsburg stellte die Stadt für 1417 Musikschüler einen Betrag von 1,24 Millionen Euro zur Verfügung. Der Unterschied: Die Kreismusikschule ist ein Verein, keine kommunale Einrichtung. „Aber der Landkreis hat stets profitiert von der Arbeit der Kreismusikschule, deren Musiker in Niedersachsen und ganz Deutschland positive Werbung für unsere Region machen“, sagt Jochen Schnoor.
Zum Hintergrund: Das Innenministerium in Hannover hat den von der Kreisverwaltung vorgelegten Haushaltsplan 2012 mit einem Fehlbedarf von 16,5 Millionen Euro nicht genehmigt. Nun soll in einem zweiten Anlauf ein Haushaltsvoranschlag mit einem Fehlbedarf von 11,8 Millionen Euro eingereicht werden, auch wenn das Innenministerium nur einen Fehlbedarf von maximal 10,0 Millionen Euro genehmigen will. Die Reduzierung des Fehlbetrages ergibt sich auf Vorschlag der Kreisverwaltung im Wesentlichen durch eine Budget-Deckelung der Ämter des Landkreises. Daneben sollen die sogenannten freiwilligen Leistungen pauschal um 10 Prozent gekürzt werden. Davon sind kulturelle Veranstaltungen, soziale Verbände und in die Kreismusikschule Helmstedt betroffen.

