Die Wissenschafts-Vermittlerin
Braunschweig Karen Oltersdorf ist Nachfolgerin von Markus Weißkopf als Geschäftsführerin im Haus der Wissenschaft in Braunschweig
Mit der weithin sichtbaren Glaskuppel auf dem hohen Turm ist das Haus der Wissenschaft ein Markenzeichen der Forschungsregion Braunschweig. In die roten Backsteinmauern ist nun eine neue Leiterin eingezogen, die an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft neue Akzente setzen möchte.
„Ich habe mich vor allem mit Randgebieten der Psychologie beschäftigt“, sagt Dr. Karen Minna Oltersdorf. Das trifft auch auf ihr früheres Spezialgebiet zu: emotionale Ergonomie – die menschenfreundliche Gestaltung von Technik nicht nur in körperlicher, sondern auch in emotionaler Hinsicht.
Seit Anfang März ist Oltersdorf Geschäftsführerin des Hauses der Wissenschaft. Sie hat damit die Nachfolge von Markus Weißkopf angetreten, der Braunschweig in Richtung Berlin verlassen hat, um dort die Geschäftsführung der Initiative Wissenschaft im Dialog zu übernehmen.
Oltersdorfs Interesse für ungewöhnliche psychologische Themen zeigte sich schon während des Studiums: ökologische Psychologie, Umwelt und Design. Aus dem beschaulichen Tübingen ging es nach Köln, die „Flucht in rheinische Gefilde“, wie die Psychologin es ausdrückt. Gleichzeitig konnte sie an der Universität Essen ihre ersten Lehrerfahrungen sammeln – diesmal auf dem Gebiet Industrielles Design. Schließlich folgte die Promotion an der HBK in Braunschweig, an der sie seit 2007 über die Psychologie der Mensch-Maschine-Interaktion forschte.
Karen Oltersdorf fasziniert die Verbindung von Mensch und Technik und die Art und Weise, wie in unserer Gesellschaft darüber geredet wird. Wo Ingenieure vom autonomen Fahren träumen, fragt sie nicht nur nach dem Produkt, sondern nach den Gefühlen der Benutzer, nach der sprichwörtlichen Freude am Fahren. Wollen Autofahrer darauf überhaupt verzichten?
Die Psychologin möchte die Gesellschaft an solchen Diskussionen über Mensch und Technik teilhaben lassen. Das Haus der Wissenschaft sieht sie als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft: „Ich möchte an den hier etablierten Dialog anknüpfen und die interaktiven Formate noch stärker ausbauen .“
Dabei darf es gern auch schnell gehen: „Es wäre toll, wenn wir aktuelle Themen innerhalb von ein bis zwei Wochen angehen könnten – und so schnell Fachwissen aus der Region in Diskussion einbringen könnten “, sagt sie lächelnd.
Die Verknüpfung des Forschungsstandorts mit den Bürgern der Stadt ist ihr wichtig: „Wir müssen stärker zeigen, dass wir eine Universitätsstadt sind“.
Jetzt wolle sie aber erst einmal die Bedingungen kennenlernen, sich einarbeiten. „Ich habe viele Ideen, aber ich komme nicht mit einem festen Plan. Vielmehr möchte ich flexibel auf das Haus und die Region eingehen“, sagt Oltersdorf. Wieder lächelt sie. Es ist eine Mischung aus Selbstbewusstsein und Zurückhaltung – mit der pompösen Ankündigung eines großen Wurfs hat sie ihre neue Position nicht angetreten.
Die Stadt kennt sie seit ihrer Zeit an der HBK. Beim Joggen in Riddagshausen hat sie vor allem den grünen Charakter Braunschweigs zu schätzen gelernt. Das unterscheide die Stadt von Köln, wo sie zuletzt wohnte.
Schlechter schneidet bei ihr die Braunschweiger Kneipenszene ab: „Ich vermisse einfaches, gutes Essen in Kneipenatmosphäre“. Da sei sie aus Köln anderes gewohnt.
Und außerdem? „Ich liebe den Spannungsreichtum in der Architektur“, erklärt die Psychologin. Tübingen sei ihr zu schön, ein bisschen zu langweilig, Gießen, der Ort ihrer Jugend, architektonisch nicht gerade ansprechend. Es sei die Mischung, die Braunschweig so interessant mache.
Eine Spannung wie zwischen Alt und Neu, Mittelalter und Moderne in der Architektur sieht sie auch zwischen der Wissenschaft als der systematischen, geordneten Untersuchung der Welt und der Kunst als poetischer Betrachtung derselben. Sie hofft auf eine ähnliche, positive gegenseitige Anregung, wenn sie sagt: „Ich möchte die Kooperation mit der HBK weiter ausbauen“.
