Braunschweiger Meisterheld und Ex-Nationalspieler Wolter wird 75

Braunschweig  Nationalspieler, WM-Dritter, Sensationsmeister: Horst Wolter gilt als eines der prägenden Gesichter des Braunschweiger Fußballmärchens von 1967.

Feiert am heutigen Donnerstag seinen 75. Geburtstag: Horst Wolter.

Foto: Kleinschmidt (Archiv)

Feiert am heutigen Donnerstag seinen 75. Geburtstag: Horst Wolter. Foto: Kleinschmidt (Archiv)

Wunder. Märchen. Sensation. Die magischen Momente des Frühsommers 1967 lassen Horst Wolter einfach nicht los. „Das war das größte, was ich als Sportler erleben durfte“, sagte der frühere Nationaltorwart im Gespräch mit dem SID. Auch 50 Jahre danach glänzen die Augen von Wolter, wenn er über den Meistertitel mit Eintracht Braunschweigs spricht - bis heute eine der größten Überraschungen der Bundesliga-Geschichte.

Am heutigen Donnerstag wird er 75 Jahre alt.

„Unser Saisonziel war Überleben, ganz klar. Nicht absteigen“, erinnert sich Wolter: „Wir wurden ja auch nicht ernst genommen. Jeder hat geglaubt: ’Diese Eintagsfliege da oben. Irgendwann kommt sie von selbst wieder runter.‘ Wie in jedem Jahr galten wir als Abstiegskandidat.“

Die Bild-Zeitung schrieb seinerzeit von einer „typischen Hausfrauenmannschaft, brav und solide“. Und selbst die seriöse Frankfurter Allgemeine Zeitung ließ sich zu einer übereifrigen Prognose hinreißen: „Das Ausscheiden der biederen Braunschweiger käme nur einer folgerichtigen Begradigung der geographischen und wirtschaftlichen Bundesligagrenzen gleich.“

Doch es kam anders. Der Klub aus dem Niemandsland, für viele damals die „graue Maus aus dem Zonenrandgebiet“, düpierte die Konkurrenz aus München und Dortmund und holte am Ende mit zwei Punkten Vorsprung die Meisterschaft. „Das war eine absolute Genugtuung“, sagt Wolter, damals 24, heute. Die Siegprämie: 5000 D-Mark. Pro Spieler. Brutto. „Da machen sie bei Bayern München heute einen Einwurf für.“

Braunschweig kassierte in der ganzen Spielzeit 1966/67 nur 27 Gegentreffer - ein Rekord, der erst 21 Jahre später von Werder Bremens Oliver Reck übertroffen wurde. Und so galt Keeper Wolter, der seine Karriere bei Eintracht Ende der 50er Jahre noch als Rechtsaußen begonnen hatte, neben Trainer Helmuth Johannsen als einer der Erfolgsgaranten für die fabelhafte Serie.

Mit seinen spektakulären Paraden und dem Höhenflug mit Braunschweig als Karriere-Beschleuniger brachte es der gebürtige Berliner sogar zum Nationalspieler. Als Ersatz des großen Sepp Maier absolvierte er zwischen 1967 und 1970 13 Länderspiele und wurde mit dem DFB-Team bei der WM 1970 in Mexiko Dritter. Das 1:0 im Spiel um Platz drei gegen Uruguay war sein letztes Länderspiel.

„Natürlich möchte die Erfahrungen bei der WM nicht missen. Der dritte Platz war ein echtes Highlight. Aber wenn Du mit einer Truppe ohne Stars Meister wirst, ist das noch größer“, sagt Wolter, der nach seiner Zeit bei der Eintracht (195 Bundesliga-Spiele bis 1972) noch 48-mal für Hertha BSC auflief.

Wie groß, das durfte der passionierte Tennisspieler in den vergangenen Tagen wieder am eigenen Leib erleben. Rund um die Braunschweiger Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag am 3. Juni war Wolter einer der gefragtesten Ehrengäste und Interviewpartner. „Nach so viel Hitze dreh ich die Flamme zu meinem Geburtstag ganz klein“, berichtet er. Eine Feier „im ganz kleinen Kreis“ fernab der Heimat Bad Harzburg werde es geben.

Was er sich wünscht? „Gesundheit für mich und meine Familie“, sagt Wolter. Und für die Eintracht? Dass sie „in der nächsten Saison wieder ganz oben anklopfen“ möge. sid

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