Zwei Schulen in Braunschweig vom Warnstreik betroffen

Braunschweig.  Fachkräfte und angestellte Lehrer fordern mehr Geld. Arbeitsniederlegungen gab es an der Hans-Würtz-Schule und der Oswald-Berkhan-Schule.

Mehr als 40 pädagogische und therapeutische Fachkräfte sowie angestellte Lehrerinnen und Lehrer trafen sich am Montag in der DRK-Kaufbar und machten sich von dort aus mit dem Zug auf den Weg nach Hannover zur zentralen Kundgebung.

Mehr als 40 pädagogische und therapeutische Fachkräfte sowie angestellte Lehrerinnen und Lehrer trafen sich am Montag in der DRK-Kaufbar und machten sich von dort aus mit dem Zug auf den Weg nach Hannover zur zentralen Kundgebung.

Foto: Privat

Niedersachsenweit haben an diesem Montag pädagogische und therapeutische Fachkräfte, Schulsozialarbeiter sowie tarifbeschäftigte Lehrkräfte die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte zum Streik aufgerufen. Im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst fordern die Gewerkschaften sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Die Länder wiesen die Forderungen bisher als überzogen zurück. Am 28. Februar sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.

In Braunschweig trafen sich mehr als 40 Streikende

30 bis 45 Schulen in Braunschweig, Wolfsburg, Nienburg, Hannover, Osterode, Göttingen, Stade und Osnabrück waren von dem Warnstreik betroffen – in Braunschweig die Hans-Würtz-Schule, Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung (25 Beschäftigte im Warnstreik), und die Oswald-Berkhan-Schule, Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung (13 Beschäftigte). Die Eltern wurden vorher informiert.

Lehrer streiken in Braunschweig

Am Warnstreik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft beteiligen sich heute auch rund 40 Beschäftigte aus Braunschweig - von der Hans-Würtz-Schule und der Oswald-Berkhan-Schule. Was sie fordern, erfahrt Ihr im Video. Video: Cornelia Steiner.
Lehrer streiken in Braunschweig

Die Streikenden hatten sich am Morgen in der DRK-Kaufbar getroffen, um von dort aus zur zentralen Kundgebung nach Hannover zu fahren. Insgesamt waren es mehr als 40, die meisten aus Braunschweig, einige aus dem Umland, überwiegend Frauen – darunter Erzieherinnen, Heilpädagoginnen, Heilerziehungspflegerinnen, Motopädinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen, Schulassistentinnen, Sozialpädagoginnen, Sozialarbeiterinnen, pädagogische Mitarbeiterinnen und angestellte Lehrerinnen.

„Wir fordern ein Ende der Zwangsteilzeit“

„Wir gehen für mehr Lohn auf die Straße und für eine klare Verbesserung der Arbeitsbedingungen, was besonders auch die pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte an Förderschulen betrifft“, sagte Björn Steinmeyer, Ergotherapeut an der Oswald-Berkhan-Schule. „Und wir fordern endlich ein Ende der Zwangsteilzeit mit einer Deckelung auf 80 Prozent.“

Das Land vergebe nur 80-Prozent-Verträge mit dem Argument, die Beschäftigten müssten nicht länger in der Schule sein als die Schüler. Doch dieses Argument greife zu kurz, so Steinmeyer. Aus pädagogischer Sicht müssten alle Mitarbeiter in den multiprofessionellen Teams an allen Aufgaben des Schullebens beteiligt sein – mit 80 Prozent sei das nicht machbar. „Ein ganz wichtiger Punkt ist außerdem die finanzielle Seite: Es ist sehr schwierig, zum Beispiel von einem Teilzeit-Erzieherinnengehalt zu leben. Viele der Frauen landen in der Altersarmut“, kritisiert er. „Und ein anderes Thema ist der Fachkräftemangel, den wir auch an den Schulen spüren. Wie wollen wir denn Fachkräfte gewinnen, wenn es nur solche Verträge mit geringem Gehalt gibt?“

Eine seiner Kolleginnen von der Hans-Würtz-Schule ergänzte: „Wir unterstützen die Schüler dabei, ihre Handicaps zu überwinden oder so zu kompensieren, dass sie den Schulalltag so selbstbestimmt wie möglich bewältigen können. Das ist doch auch gerade mit Blick auf die Inklusion ein ganz wichtiges Thema. Dafür brauchen wir aber mehr Wertschätzung und eine bessere Bezahlung“, betonte sie. „Ich bin über 50 und alleinstehend. Sechs Prozent mehr sind bei meinem Gehalt ein Witz! Es geht darum, ob man die Miete oder die Zähne bezahlen kann!“

Die Gewerkschaft fordert daher auch eine bessere tarifliche Eingruppierung der pädagogischen und therapeutischen Fachkräfte. Die angestellten Lehrkräfte müssten zudem endlich gleich bezahlt werden wie verbeamtete Lehrkräfte, so Steinmeyer.

Betreuung an den Schulen war sichergestellt

An der Oswald-Berkhan-Schule konnte aufgrund des Warnstreiks das Unterrichtsangebot am Montag nicht durchweg aufrechterhalten werden, wie Rektor Reinhard Fricke am Vormittag auf Anfrage mitteilte. „Der Betreuungsbetrieb ist aber sichergestellt. Die Streikaktion trifft bei den Eltern und bei den Kolleginnen und Kollegen, die heute in der Schule sind, auf Verständnis“, sagte er. „Die Interessen der Streikenden sind sehr gut nachvollziehbar. Wir wünschen uns alle, dass die Tarifverhandlungen bald zu einem guten Ergebnis führen.“

An der Hans-Würtz-Schule konnte der Unterricht aufrechterhalten werden, teilte die Landesschulbehörde auf Nachfrage mit. „Auch die Betreuung war gewährleistet und wurde in Teilen durch Lehrkräfte übernommen“, so Pressesprecherin Bianca Schöneich.

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