Wie die Braunschweiger Hanfbar zum Coffeeshop wurde

Braunschweig.   Studenten schenken in dem leerstehenden Ladenlokal kostenfrei Tee und Kaffee aus. Wer Lust und Zeit hat, hilft hinter der Theke aus.

Oskar Bode und Merle Nowack von der Studenten-Initiative „Schrill“ schenken Kaffee aus. „Pay your Coffee – 1 bis 100 Euro“ steht auf einem Schild: Tee und Kaffee sind kostenfrei, Spenden aber erwünscht.

Oskar Bode und Merle Nowack von der Studenten-Initiative „Schrill“ schenken Kaffee aus. „Pay your Coffee – 1 bis 100 Euro“ steht auf einem Schild: Tee und Kaffee sind kostenfrei, Spenden aber erwünscht.

Foto: Bernward Comes

Es war eine spontane Idee, geboren von einer Gruppe Studenten: Da das Audimax derzeit saniert wird, ist das gesamte Gebäude geschlossen – auch an die Kaffeeautomaten im Foyer ist kein Rankommen.

„Uns fehlte ein Treffpunkt, wo man günstig und gemütlich eine Tasse Kaffee zusammen trinken kann“, erzählt Merle Nowack. Da die einstige Hanfbar-Filiale in der Mühlenpfordtstraße 18 seit einiger Zeit leer steht, beschlossen die Studenten der Initiative Schrill (siehe Faktenbox), dort für einen Tag ein Pop-up-Café zu eröffnen: Einen Tag lang wollten sie kostenfrei Kaffee und Tee ausschenken.

Über Nacht schleppten sie Kaffeemaschinen, Tassen und ein paar Möbel in den Laden – alles zusammengetragen in den eigenen vier Wänden oder günstig im Fair-Kaufhaus erworben.

„Die Idee sprach sich auf dem Campus schnell herum, und viele Leute haben zu uns gesagt, wie schön es wäre, wenn es dieses Café länger als nur einen Tag gäbe“, erzählt Merle Nowack. Und so machten sie einfach weiter: Alles sehr locker, sehr einfach und ohne feste Ziele: „Es ist ein Experiment. Mal sehen, ob wir’s schaffen.“

Das Ganze funktioniert so: Wer Lust und Zeit hat, kann sich in einen Stundenplan zum Thekendienst eintragen. Bezahlung gibt es keine. Wer mithilft, macht das aus Überzeugung und aus Spaß an der Sache. „Es haben sich gleich etliche Leute eingetragen für den Thekendienst, so dass wir fast jeden Tag in der Woche für rund drei Stunden öffnen können, von 12 bis 15 Uhr“, freut sich Merle Nowack.

Tee und fair gehandelten Filterkaffee gibt es, manchmal bringt auch einer der Studenten einen Kuchen mit. Alles kostenfrei – Spenden ausdrücklich erwünscht.

Ob die Spenden am Ende reichen, um die Miete für den kleinen Laden zu zahlen, wissen sie noch nicht. Ihr „Coffeeshop“, wie die Studenten das kleine Café in Anspielung auf die frühere Hanfbar genannt haben, betreiben sie erst seit drei Wochen. „Ende März schauen wir, wie es finanziell aussieht und ob wir weitermachen können und wollen“, so Merle Nowack. Derzeit ist Marcel Kaine, Inhaber der Hanfbar, noch Mieter des Ladenlokals. Er unterstützt die Studenten.

Das Café werde gut angenommen, sagen diese – und das, obwohl das Semester eigentlich erst im April startet und derzeit keine Vorlesungen stattfinden.

Faktenbox

- „Schrill“ versteht sich als experimenteller Raum, eine Plattform für Kreative und Aktive. Es geht darum, die Stadt mit eigenen Ideen lebens- und liebenswerter zu gestalten und Impulse zu setzen.

- Erwachsen ist „Schrill“ aus einem Seminar des Instituts für Stadtentwicklung (Institute for Sustainable Urbanism) an der TU. Jeden Mittwoch gibt’s ein offenes Treffen für jedermann in der Zentrale: Wendenstraße 60, 18.30 Uhr.

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