Psychologin: Selbstbewusstsein der Schüler stärken

Braunschweig.  Sabine Götting von der Erziehungsberatungsstelle Domplatz hilft Kindern, die Angstzustände im Schulunterricht haben.

Wenn das Melden im Unterricht für die Schüler zur Qual wird, sollten Eltern ihren Kindern Mut machen.

Wenn das Melden im Unterricht für die Schüler zur Qual wird, sollten Eltern ihren Kindern Mut machen.

Foto: Symbolbild / Julian Stratenschulte / dpa

Sich vor der ganzen Klassen zu melden, die Hausaufgaben nicht zu verstehen oder nicht in die Klasse integriert zu sein: die Schulzeit kann für Kinder zur Belastung werden! Bereits wenige Wochen nach dem Schulstart melden sich in der Erziehungs-, Familien- und Jugendberatungsstelle am Domplatz Eltern, die Hilfe suchen. Meist geschieht dies, wenn das erste Elterngespräch in der Schule statt gefunden hat. Sabine Götting ist Diplom-Psychologin und berät Schüler und Eltern, wenn es in der Schule Probleme gibt. Dies sind die drei häufigsten Probleme, die während der Schulzeit auftreten können:

„Stress und Unlust bei den Hausaufgaben spielt während der Schulzeit eine große Rolle“, sagt Götting. Die Expertin rät: „Eltern sollten mit dem Kind nicht diskutieren, ob sie die Hausaufgaben machen müssen, wohl aber zu welchem Zeitpunkt sie gemacht werden.“ Gemeinsam mit dem Kind könnten individuelle Lösungen entwickelt werden. Auch der Ort, an dem die Hausaufgaben erledigt werden, kann gemeinsam mit dem Kind besprochen werden. Denn: Nicht jedes Kind ist so selbstorganisiert, dass es alleine im Kinderzimmer mit den Hausaufgaben anfängt. Dann mache es mehr Sinn zusammen am Küchentisch zu sitzen. Aber: „Eltern sollten nicht die ganze Zeit neben dem Kind sitzen, wenn es die Aufgaben erledigt“, so Götting, denn das nehme dem Kind das Vertrauen, dass es selbst in der Lage ist Lösungen zu finden. „In der Klausur können die Eltern schließlich auch nicht dabei sitzen.“ Götting empfiehlt auch einen festen Zeitrahmen für die Hausaufgaben. „Wenn es dauerhaft nicht klappt, die Zeit einzuhalten sollten Eltern mit den Lehrern sprechen.“

Ein Stressfaktor für Schüler ist auch, wenn die mündliche Mitarbeit zur Belastung wird. „Viele Kinder, meist Mädchen trauen sich nicht, sich in der Schule am Unterricht mündlich zu beteiligen und vor anderen zu sprechen“, berichtet die Psychologin. Für diese Kinder sei der Stresslevel in der Schule wahnsinnig hoch und meist deuten die Kinder die Signale ihrer Klassenkameraden nicht richtig. „Sie denken, dass über sie getuschelt wird“, so Götting. Klappt es nicht mit dem Melden im Unterricht, rät die Expertin Eltern und Kindern, kleine Ziele zu stecken. „Erst mal gemeinsam schauen, in welchem Fach und bei welchem Lehrer die mündliche Beteiligung am leichtesten gelingen kann“, sagt Götting. Und auch hier gilt: Das Gespräch mit den Lehrern suchen, damit die mangelnde Beteiligung nicht als Desinteresse des Schülers ausgelegt wird. Den Lehrern empfiehlt Götting, Kinder mit geringem Selbstbewusstsein nicht ungefragt dranzunehmen. „Wenn die Kinder überraschend aufgerufen werden, dann sind sie von der Angst überflutet.“ Auch bei Referaten könnten Lehrer Schülern mit geringen Selbstvertrauen helfen. „Wenn sich das Kind ein Thema zunächst selbst aussuchen kann, fällt es ihnen leichter vor der Klasse darüber zu referieren.“

Und wie können die Eltern unterstützen? „Am besten Mut machen und die Interessen des Kindes fördern und ‘Erfolge’ in der Freizeit sammeln.“ Wenn ein Kind erlebe, dass es in einer Sportart etwas gut kann, dann werde diese Erfahrung auch in die Schule transportiert.

Zur Belastung während der Schulzeit kann auch eine soziale Ausgrenzung führen . Das Kind findet in der Klassengemeinschaft keine Freunde. Der Tipp der Expertin: Gerade bei jüngeren Kindern können Eltern soziale Kontakte für ihre Kinder aufbauen. „Vielleicht möchte sich das eigene Kind mit einem Klassenkameraden verabreden, der selbst nicht soviel Freunde hat“, sagt Götting. Auf jeden Fall sollte man als Elternteil versuchen, das Kind zu motivieren, sich mit anderen zu verabreden.

Klappt das in der Schule gar nicht, gilt auch hier: außerhalb der Schule nach Ressourcen schauen. „Über ein Hobby lernen Kinder Freunde kennen“, sagt Götting. Bei älteren Kindern, etwa ab einem Alter von 13 Jahren, haben Eltern jedoch nur noch bedingt die Möglichkeit einzugreifen. „In der Pubertät suchen sich die Kinder in der Regel ihre Freunde selbst aus“, so die Expertin.

Um gelassener mit dem Kind durch die Schulzeit zu kommen, erinnert die Psychologin die Eltern in der Erziehungsberatungsstelle an ihre eigene Kindheit. „Wenn man seine eigene Schulzeit reflektiert, erkennt man, dass nicht immer alles rund laufen kann. „Erwartungen an die eigenen Kinder sollten realistisch bleiben und wichtig ist, den Kindern zu vertrauen“, so Götting.

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