Mauern überwinden – Braunschweiger diskutieren leidenschaftlich

Braunschweig.  Im Augustinum war man sich bei einer Diskussion einig: Respekt und Toleranz sind für das Überwinden historischer und aktueller Mauern das Rezept.

Sie diskutierten (von links): Johannes Weigl, Werner Haeseler, Armin Maus, Gerhard Glogowski und Frauke Plümke-Meiners.

Sie diskutierten (von links): Johannes Weigl, Werner Haeseler, Armin Maus, Gerhard Glogowski und Frauke Plümke-Meiners.

Foto: Daniel Reinelt / BestPixels.de

Es war ein leidenschaftliches Plädoyer für die Überwindung historischer und aktueller Mauern: Zum Augustinus-Tag diskutierten Ministerpräsident a.D. Gerhard Glogowski, der frühere Referatsleiter im Bundesinnenministerium, Werner Haeseler, der Direktor des Augustinums, Johannes Weigl, und Pfarrerin Frauke Plümke-Meiners mit BZ-Chefredakteur Armin Maus.

Glogowski, zu dieser Zeit Braunschweiger Oberbürgermeister, nannte den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren unter dem Beifall der 200 Zuhörer „das größte Glück, das Deutschland widerfahren konnte“. Glogowski forderte, der Wert dieser historischen Zäsur, mit der das aggressive Gegeneinander zweier hochgerüsteter politischer Systeme auf deutschem Boden zu Ende ging, dürfe nicht vergessen werden.

Viele heute zu beobachtende Ost-West-Probleme hätten damit zu tun, dass ostdeutsche Mitbürger den Eindruck hatten, ihre Lebensleistung werde im Westen nicht anerkannt. Die deutsche Einheit bleibe eine Daueraufgabe.

Werner Haeseler, der am Einigungsvertrag und der Organisation des Staatsaktes mitgearbeitet hatte, erinnerte an die Komplexität des Einigungsprozesses, der unter großem Zeitdruck stand. „Wir haben am Ende rund um die Uhr gearbeitet“, berichtete er.

Moderator Maus kommentierte: „Man vergisst zu leicht, dass hinter dem Gelingen der Einheit nicht nur Bundeskanzler Helmut Kohl, die Verhandlungsführer Schäuble und Krause und die Alliierten standen, sondern auch sehr viele kluge Köpfe im Hintergrund.“

Alle Diskussionsteilnehmer waren der Meinung, dass die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft und eine gewisse Verrohung der Sitten, wie sie unsere Zeitung diese Woche bei einem Leserforum thematisiert hatte, die Gefahr der Entstehung neuer Mauern in sich trügen.

Pfarrerin Plümke-Meiners und Direktor Weigl nannten das Leben in Respekt und Toleranz, zugleich aber nach klaren Regeln, eine Grundvoraussetzung für jede gute Gemeinschaft.

Im Augustinum bewähre sich diese Kombination im täglichen Miteinander. Der Abend endete mit Glühwein und einer Feuershow im Garten des Augustinums am Oker-Ufer.

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