So liefen die Demos gegen den AfD-Parteitag in Braunschweig

Braunschweig.  Die AfD hat am Samstag ihren Landesparteitag in Braunschweig abgehalten. Das gab Anlass zu Gegendemonstrationen im Stadtgebiet. So lief es ab.

Nach der Auftaktveranstaltung am Milleniums-Center zog eine der Demonstrationen zum Schlossplatz in der Braunschweiger Innenstadt.

Nach der Auftaktveranstaltung am Milleniums-Center zog eine der Demonstrationen zum Schlossplatz in der Braunschweiger Innenstadt.

Foto: Bernward Comes

Die Alternative für Deutschland (AfD) wählt an diesem Wochenende beim Landesparteitag in Braunschweig ihren neuen Landesvorstand. Die Partei hat dafür das Millenium Event Center im Westlichen Ringgebiet gemietet. Nach dem Bundesparteitag der AfD Ende letzten Jahres war es die zweite Großveranstaltung der AfD in Braunschweig innerhalb eines Jahres. Knapp 3000 Bürger haben gegen die die Veranstaltung demonstriert.

Polizei schätzt Verlauf der Demonstrationen als friedlich ein – am Rande kam es zu Auseinandersetzungen

Die Kundgebungen und Protestmärsche vom „Bündnis gegen Rechts“ und dem Kunst- und Kulturverein Braunschweig blieben „komplett friedlich“, wie Polizeisprecher Dirk Oppermann am Samstagnachmittag sagte. Doch wähend rund um die Wagenbühne des Bündnisses der Protest friedlich und kreativ ablief, spielten sich auf der anderen Seite des Milleniumgeländes in der Weststadt unschöne Szenen ab.

Antifa-Anhänger blockierten die Zufahrt zum Milleniumgelände, zwangen Fahrzeuge von AfD-Mitgliedern zum Anhalten, skandierten „Nazischweine raus“ und „Alle zusammen gegen den Faschismus“. Es sollen auch Autotüren von Demonstranten geöffnet und Insassen angeschrien worden sein. Die Lage war angespannt. Polizisten wurden mit Regenschirmen angegriffen, setzen Pfefferspray ein und erteilen Platzverweise. Neugierig beobachteten Anwohner von ihren Balkonen aus das Geschehen vor ihrer Haustür.

Die Polizei musste die Demonstranten wegdrängen, damit die Fahrzeuge, darunter ein Bus, zum Milleniumgelände durchkamen.

Die Polizei war mit Pferden, Hunden und einem Hubschrauber im Einsatz

Das Gelände rund um die Halle am Madamenweg war von der Polizei für die Veranstaltung weiträumig abgesperrt worden – zum Ärger einiger Kleingärtner, die nicht zu ihren Parzellen kamen. Die Polizei Braunschweig wurde bei dem Großeinsatz von Kollegen aus Lüneburg, Oldenburg und Hannover unterstützt. Auch berittene Polizei sowie Polizeihunde waren im Einsatz. Bis zum Mittag kreiste ein Polizeihubschrauber über dem Westlichen Ringgebiet und der Innenstadt. „Der Einsatz eines Hubschraubers ist ein normales Mittel bei solchen Einsätzen, da man aus der Luft einen guten Überblick hat, wo es welche Bewegungen gibt“, so Polizeisprecher Oppermann.

750 Teilnehmer waren am Schloss angemeldet, 2000 kamen

Zur Kundgebung vor dem Schloss kamen deutlich mehr Menschen als erwartet. Das „Bündnis gegen Rechts“ hatte 750 Teilnehmer angemeldet. Nach Schätzung der Polizei waren es rund 2000. Hinzu kamen rund 700 weitere Personen, die sich an der Demo des Kunst- und Kulturvereins beteiligt hatten, die unter dem Motto „Glänzen statt ausgrenzen“ lief.

Sebastian Wertmüller von der Gewerkschaft Verdi rief im Namen des Bündnisses die Menschen vor dem Schloss auf, Abstand zu halten und Mundschutz zu tragen: „Wir sind viel, viel mehr Menschen als angemeldet. Das ist ein Luxusproblem. Aber bitte verteilt Euch!“

Schüler der Sally-Perel-Schule übermittelten eine Grußbotschaft des Ehrenbürgers

Da es während der Kundgebung gegen Mittag sehr voll auf dem Schlossplatz war, wurde der Bohlweg vorübergehend gesperrt. Straßenbahnen fuhren auch nicht. Überall in der Stadt kam es wegen der Aufzüge und Straßensperrungen zu Staus. Auf der Bühne führte Christina Antonelli vom Haus der Kulturen durchs Programm. Schüler der Sally-Perel-Schule richteten Grüße von Braunschweigs neuem Ehrenbürger aus. Eine Schülerin sagte: „Sally Perel, Holocaustüberlebender, Zeitzeuge und Ehrenbürger unserer Stadt sagte: Werdet aktiv, wehret den Anfängen – und Sally, wir hören dich!“ Eine weitere Schülerin mahnte: „Wir müssen anfangen, uns mit eigenen Vorurteilen und unbewussten, rassistischen Verhaltensweisen auseinander zu setzen. Wir müssen sensibel für Sprache, Straßennamen und Denkmäler werden.“

Madina Bertling von der Flüchtlingshilfe e.V. Refugium thematisierte die Situation der Geflüchteten auf Lesbos: „Die Katastrophe von Moria ist so entsetzlich, weil sie vorhersehbar war. Mitten in Europa spielt sich ein Drama ab. Es ist an der Zeit, die Aufnahme der Menschen zu organisieren. Sie brauchen jetzt sofort Hilfe. Deutschland darf nicht länger auf eine europäische Lösung warten.“

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