Wie soll Braunschweigs Innenstadt aussehen?

Braunschweig.  Die Stadtverwaltung hat einen großen Ideen-Wettbewerb gestartet. Alle Bürger sollen sich beteiligen.

Kinder-Betreuung in 1A-Lage. Bernadette Spinnen stellte ein Beispiel vor, wie das Stadtmarketing in Münster für höhere Besucherzahlen in der Innenstadt sorgt.

Kinder-Betreuung in 1A-Lage. Bernadette Spinnen stellte ein Beispiel vor, wie das Stadtmarketing in Münster für höhere Besucherzahlen in der Innenstadt sorgt.

Foto: STACHURA / JS

Der Innenstadt steht ein gewaltiger Wandel bevor. Braunschweig wird Säulen der Einkaufsstadt verlieren. Galeria Kaufhof am Bohlweg und das sogenannte Karstadt-Einrichtungshaus an der Poststraße werden schließen. Was tun? Oberbürgermeister Ulrich Markurth fragt die Braunschweiger: „Welche Innenstadt wünscht ihr Euch?“

Nein, die Einkaufsstadt ist längst nicht am Ende. Doch es fehlen Verkaufsflächen in Burgpassage und Welfenhof. Kommen die Galeria-Karstadt-Häuser dazu, hat Braunschweig plötzlich rund 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche weniger. Insgesamt ist die Innenstadt-Verkaufsfläche etwa 191.000 Quadratmeter groß. Oberbürgermeister Ulrich Markurth sagt zum Auftakt des sogenannten Innenstadt-Dialogs in der VW-Halle: „Die Nachfrage im Einzelhandel ist gleichwohl gut. Ein Domino-Effekt, dass immer mehr Einzelhändler erfasst werden, ist nicht zu befürchten. Doch wir haben nun eine Riesenchance zur Weiterentwicklung der Innenstadt.“

Aber wenn sich die Innenstadt wandelt, in welche Richtung soll es gehen? Markurth sagt: „Wie der Stadtraum genutzt werden soll, das werden nur alle Braunschweiger gemeinsam entscheiden können.“ Die Entwicklung werde „nicht von rein wirtschaftlichen Interessen geprägt sein“. Eingeladen zu einer ersten Ideensammlung waren nun Vertreter der Politik, Immmobilien-Wirtschaft, der Kammern und Verbände, des Einzelhandels und Projektentwickler.

Beispiele aus Münster

Für das wesentliche Impuls-Referat wurde Bernadette Spinnen eingeladen. Sie leitet das Stadtmarketing in Münster und ist gleichzeitig Vorsitzende der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland. Zum Vorstand gehört auch Gerold Leppa, Leiter des Braunschweiger Stadtmarketings.

Spinnen bestätigte: Seit fünf Jahren schrumpft bundesweit die Verkaufsfläche des Einzelhandels, neue Shopping-Center werden nicht mehr gebaut. Groß sei die Konkurrenz des Online-Handels. „Doch das Internet lässt sich nicht abschaffen.“ Und so zeigte Spinnen an einem Bündel von Beispielen auf, was man sich in Münster hat einfallen lassen, die Innenstadt zu einem Erlebnisort werden zu lassen. Zu einem Ort, wo man viel mehr, als nur einkaufen kann.

Auf Rat eines Licht-Designers haben Kaufleute dort zum Beispiel für eine einheitliche Beleuchtung gesorgt. Auch Nachts soll die Innenstadt ein Erlebnisraum sein. Vom Ausprobieren, vom Wagen, war viel die Rede, um das richtige Rezept zu finden. Nachtmärkte? Regional-Märkte? Kinderbetreuung während des Sommers in 1A-Lage? Eine Bücherei auch einmal bis 24 Uhr geöffnet halten? Die Identifikation des Bürgers mit der Stadt müsse erhöht werden.

Mehr Bänke und Ausstellungsflächen

Die Innenstadt-Expertin sieht auch den Handel in der Pflicht. Nur gemeinsam ließen sich Ansiedlungen so steuern, dass eine ganze Nachbarschaft profitiert. Man kenne sich schließlich untereinander. Die Kontakte zu Eigentümern seien besser, als die einer Stadtverwaltung.

Auch IHK-Hauptgeschäftsführer Florian Löbermann plädierte für eine multifunktionale, erlebnisorientierte Innenstadt. Gut müsse sie für alle zu erreichen sein. Hannah Hemsing, Verein Schrill, fordert die Öffnung des öffentlichen Raums. Bänke, Ausstellungsflächen müssten her. Einzelhandels-Experte Thomas Heckh lobte, dass Braunschweig nun den Handel mit Eigentümern und Immobilien-Wirtschaft in Kontakt bringe.

Sorge um das Klima in der Stadt

Patentrezepte hatte jedoch niemand. Obwohl überall großer Optimismus herrschte. Olaf Jaeschke, Vorsitzender des Verein der Innenstadt-Kaufleute, beklagte, dass eine Abstimmung mit Eigentümern schwierig sei. Was tun, wenn es sich um Fonds aus Schottland handelt, die kein Interesse an Braunschweig haben? Vorstandskollege Mirko Rüsing meinte: Niemand wisse, ob das Homeoffice nicht verhindert, dass eine Umwandlung von Einzelhandels- in Büroflächen erfolgt?

Und noch eine Hürde gilt es zu nehmen, auf die Carl Langerfeldt verwies: Aufenthaltsqualität und Anziehungskraft für das Umland werden sich nur einstellen, wenn die Innenstadt im Sommer nicht zum Glutofen wird. Viel Grün sei nötig. Die vielen Vorschläge der Experten will die Verwaltung nun sichten.

Über die E-Mail-Adresse innenstadtdialog@braunschweig.de können ab sofort alle Braunschweiger ihre Gedanken und Anregungen zur Zukunft der Innenstadt einbringen. Weitere Informationen zum Innenstadtdialog im Internet unter www.braunschweig.de/innenstadtdialog

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