Sieben-Tage-Wert in Braunschweig liegt über 35

Braunschweig.  Das Landesgesundheitsamt geht zwar noch von niedrigeren Zahlen aus, die Stadt bittet die Bürger trotzdem, die strengeren Vorgaben schon zu befolgen.

Am Freitag lag die Zahl der aktuell nachweislich Infizierten in Braunschweig bei 129.

Am Freitag lag die Zahl der aktuell nachweislich Infizierten in Braunschweig bei 129.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die Lage ist ein wenig verwirrend: Die Stadtverwaltung meldete am Freitag einen weiteren Anstieg der Neuinfektionen in Braunschweig – und ein Überschreiten des 35er-Schwellenwertes: In den vergangenen sieben Tagen gab es rechnerisch 36,2 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Damit müssten eigentlich sofort die schärferen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus greifen.

Doch im Detail sieht es etwas anders aus. Denn ausschlaggebend dafür sind die Zahlen des Landesgesundheitsamtes. Und dieses errechnet für Braunschweig momentan eine Sieben-Tages-Inzidenz von 34,1. Wie kommt es zu dieser Differenz?

Laut dem Sprecher des Landesgesundheitsamtes, Holger Scharlach, kann es bei der Übermittlung der Daten der einzelnen Gesundheitsämter immer mal wieder zu Verzögerungen kommen. „Manchmal sind noch nicht alle neuen Fälle komplett im Meldesystem erfasst und an uns übermittelt, weil Angaben fehlen, etwa zu Kontaktpersonen und Ähnlichem“, sagt er.

Ihm zufolge aktualisiert das Landesgesundheitsamt seine Zahlen immer morgens, auch am Wochenende. Er geht daher davon aus, dass die fehlenden Fälle in Kürze im System einlaufen und dass der Sieben-Tage-Wert für Braunschweig dann also auch ganz „offiziell“ über 35 steigt.

Die Stadtverwaltung appelliert an die Bürger, die weitergehenden Bestimmungen bereits jetzt schon zu befolgen.

Die verschärften Regeln ab dem Schwellenwert von 35

Nur noch 15 Menschen dürfen sich privat treffen, egal ob sie drinnen in der Wohnung (hier waren bislang 25 Personen zulässig) oder draußen im Garten sind (bisher 50 Personen). In der Öffentlichkeit und in Restaurants sinkt die Teilnehmergrenze auf 25 Personen (bisher 100 Personen).

Bei Veranstaltungen mit sitzendem Publikum beziehungsweise zeitweise stehendem Publikum sind maximal 100 Personen erlaubt. Gegebenenfalls sind bis zu 500 Personen möglich – über die Zulässigkeit einer Veranstaltung mit mehr als 100 Personen entscheidet die Stadt auf Basis eines Hygienekonzeptes.

Für die Gastronomie gilt eine Sperrstunde zwischen 23 Uhr und 6 Uhr. Ausnahmen sind möglich. Die Sperrstunde ist offiziell erst dann einzuhalten, wenn auch das Landesgesundheitsamt eine Sieben-Tages-Inzidenz von mehr als 35 ausweist.

In der Öffentlichkeit soll drinnen und draußen überall dort ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, wo Menschen auf engem Raum oder für eine längere Zeit zusammenkommen. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, wird derzeit eine Allgemeinverfügung erarbeitet, für welche Bereiche des Stadtgebiets diese Empfehlung konkret ausgesprochen wird – etwa in den Fußgängerzonen. Sie soll im Laufe der nächsten Woche veröffentlicht werden.

„Die Stadt Braunschweig bittet alle Bürgerinnen und Bürger jedoch, bereits ab sofort in der Öffentlichkeit eine Alltagsmaske zu tragen, wenn sie sich auf engem Raum und nicht nur vorübergehend mit anderen zusammen aufhalten“, heißt es in der Pressemitteilung.

Appell des Oberbürgermeisters

Oberbürgermeister Ulrich Markurth meldete sich am Freitag in einem Youtube-Video zu Wort. Die Stadt sei besser vorbereitet als im Frühjahr, aber die Lage dürfe keineswegs unterschätzt werden. Er appellierte an die Bürger, große Versammlungen zu meiden, den Abstand sicherzustellen und vermehrt Masken zu tragen.

„Wir wollen nicht wie im Frühjahr Schulen und Kindertagesstätten schließen müssen. Wir wollen den jungen Menschen Begegnungen und Bildungschancen aufrechterhalten. Wir wollen alles unternehmen, damit unsere Wirtschaft nicht weiter leidet unter einem möglichen zweiten Lockdown“, sagt er. „Viele Betriebe würde es dann nicht mehr geben, und viele würden ihre Arbeit verlieren. Das muss vermieden werden. Und wir wollen die alten und pflegebedürftigen, die kranken Menschen so gut es geht schützen, aber wir wollen sie nicht isolieren, wir wollen sie nicht aussperren vom gesellschaftlichen Leben.“

All das könne noch gelingen. „Wir können alle dazu beitragen, wenn wir uns an die Regeln halten“, so Markurth. „Sie sind zugegebenermaßen nicht gerade angenehm. Aber es ist wieder angezeigt! Wir haben die Chance, in den nächsten zwei, drei Wochen alles durch unseren Beitrag zu leisten, damit die Kurve wieder runter geht, damit wir die Zahlen im Griff behalten. Tun Sie mir, tun Sie uns allen, unserer Gesellschaft den Gefallen, dass wir das schaffen – gemeinsam, indem wir uns an die Regeln halten. Lassen Sie uns diese Chance unbedingt nutzen, jetzt.“

Corona in Braunschweig- Alle Fakten auf einen Blick

Coronavirus in der Region – hier finden Sie alle Informationen

Coronavirus in Niedersachsen- Alle Fakten auf einen Blick

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (4)