Braunschweiger Urteil steht: Maddie-Verdächtiger Jahre in Haft

Braunschweig.  Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe bestätigt das Urteil des Braunschweiger Landgerichts wegen Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat entschieden.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat entschieden.

Foto: Uli Deck / dpa

Der Mordverdächtige im Fall der 2007 in Portugal verschwundenen Madeleine McCann wird unabhängig von den Maddie-Ermittlungen noch weitere Jahre in Haft bleiben. Der Bundesgerichtshof hat das Urteil des Braunschweiger Landgericht gegen den 43-Jährigen jetzt bestätigt: Wegen der Vergewaltigung einer 72 Jahre alten US-Amerikanerin im September 2005 in Portugal muss der Deutsche mit letztem Wohnsitz in Braunschweig eine siebenjährige Freiheitsstrafe verbüßen. Zuvor sitzt er bis Januar noch eine Strafe wegen Drogenhandels in der Justizvollzugsanstalt Kiel ab.

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„Wir freuen uns, dass das Urteil Bestand hat, weil es zeigt, dass die Braunschweiger Justiz objektiv und sorgfältig gearbeitet hat“, erklärt Christian Wolters, Sprecher der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. „Wenn der Beschuldigte nicht in Haft sitzen würde, hätten wir sicher früher oder später prüfen müssen, ob wir in Sachen Maddie einen Haftbefehl beantragen. Diese Frage hat sich so bislang nicht gestellt.“

In dem Indizienprozess vor dem Braunschweiger Landgericht hatte sich der vielfach vorbestrafte 43-Jährige im Dezember 2019 als Justizopfer dargestellt. Zum einen bestritt er den Überfall auf die 72-Jährige in ihrem Haus in Praia da Luz – jenem Urlaubsort an der Algarve, in dem der Beschuldigte zur Tatzeit lebte und in dem knapp zwei Jahre später auch die dreijährige Britin Maddie aus ihrem Zimmer in einer Ferienanlage abends spurlos verschwand.

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Zum anderen warf der 43-Jährige der Justiz Rechtsfehler bei seiner Auslieferung aus Portugal vor: Er hätte, so sein Argument, wegen des Vergewaltigungsvorwurfs in Deutschland gar nicht vor Gericht gestellt werden dürfen. Denn in der Tat war er nur ausgeliefert worden, weil in Braunschweig eine Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs gegen ihn vollstreckt werden sollte, Von dem Vergewaltigungsfall war in dem europäischen Haftbefehl nicht die Rede gewesen.

Indes: Nach der Haftverbüßung wegen Kindesmissbrauchs war er nach Italien ausgereist und dort mit einem neuen europäischen Haftbefehl dingfest gemacht worden. Diesmal war die Auslieferung auch mit dem Vergewaltigungsverfahren begründet worden. Sowohl der Europäische Gerichtshof als auch der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigten daher die Rechtmäßigkeit des Prozesses. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil wurde vom BGH nun als unbegründet verworfen.

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Damit erkennen die obersten Richter auch keine Rechtsfehler in der Beweisführung des Gerichts. Der Täter war abends ins Haus der 72-Jährigen eingedrungen, hatte sie mit einem Krummsäbel bedroht, gefesselt, geschlagen, vergewaltigt und beraubt. Am Tatort wurde später ein Körperhaar sichergestellt, dass eindeutig vom Verurteilten stammte. Zwei Bekannte des Mannes hatten außerdem von Vergewaltigungsvideos berichtet, in denen er Frauen auf ähnliche Weise sexuell misshandelt haben soll.

Derweil ermittelt die Braunschweiger Staatsanwaltschaft wegen weiterer Sexualstraftaten gegen den Maddie-Verdächtigen: So soll er sich in Portugal vor Kindern entblößt haben. Aufgrund der Medien-Berichterstattung meldete sich außerdem eine Irin, die in ihrer Wohnung unweit von Praia da Luz auf ähnliche Weise von einem Unbekannten vergewaltigt worden war

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