Die Pläne des neuen Heimatpflegers der Braunschweiger Südstadt

Braunschweig.  Andreas Dunkel nennt einige Schwerpunkte: Entwicklung des Geschäftslebens, alte Siedlungshäuser fotografieren, eine Heimatstube einrichten.

Foto: Archivfoto: Dieter Heitefuß

Die Braunschweiger Südstadt bietet in historischer Sicht einiges. Vor allem die NS-Zeit spiegelt sich in der Struktur des Stadtteils wider. Die Nationalsozialisten planten die ehemalige „Siedlung Mascheroder Holz“ als eine Art Mustersiedlung für das Dritte Reich, mit dem heutigen Welfenplatz als zentralem Aufmarschplatz. Vieles von der Geschichte hat Wilhelm Lehmann über Jahrzehnte hinweg aufgearbeitet. Doch auch nach dem Tod des langjährigen Stadtteilheimatpflegers vor rund zwei Jahren gibt es noch etliches zu ergründen. Andreas Dunkel nimmt diese Herausforderung nun an.

In seiner letzten Sitzung vor der Winterpause wählte der zuständige Bezirksrat den 63-Jährigen zu Lehmanns Nachfolger. „Ich bin zwar Zugereister, lebe aber mittlerweile seit 1984 in der Südstadt“, erklärt Dunkel. Er sei in dem Stadtteil sehr gut vernetzt, gehöre dem Kirchenvorstand an und stehe in gutem Kontakt zu Bürgergemeinschaft und Siedlerbund. Und: Seine Frau Regina sei sogar in der Südstadt geboren und aufgewachsen, sagt Dunkel.

„In der Schule fand ich den Geschichtsunterricht meist langweilig“

Seinen Vorgänger kannte er gut. „Natürlich habe ich auch seine umfangreiche Chronik gelesen. Für die Zeit nach deren Erscheinen ist aber noch einiges zu tun“, ahnt der neue Heimatpfleger, der sich nicht unbedingt für sämtliche historische Zusammenhänge interessiert. „In der Schule fand ich den Geschichtsunterricht meist langweilig. Aber alles, was mit Stadtgeschichte zu tun hat, fasziniert mich“, sagt er.

Auch inhaltlich hat Andreas Dunkel schon konkrete Pläne. „Natürlich muss ich erstmal ausführlich sichten, was an Material vorhanden ist“, sagt er. Die derzeitige Corona-Auszeit sei dafür gar kein schlechter Zeitpunkt. Danach könne er ins Detail gehen. Ein Fokus: die Entwicklung des Geschäftslebens in der Südstadt. Und angesichts der Tatsache, dass viele alte Siedlungshäuser inzwischen abgerissen würden, gelte es, die ursprünglichen Bauten noch einmal fotografisch zu archivieren.

Wunsch: Eine Heimatstube im „Roxy“ am Welfenplatz

Der studierte Eisenhütten-Ingenieur arbeitete lange bei der Salzgitter-AG, befindet sich jetzt aber bereits in der passiven Altersteilzeit. Zuletzt war er für seinen Arbeitgeber im Bereich der Datenverarbeitung tätig. Das Digitalisieren von in Papierform vorliegenden Dokumenten sollte für Andreas Dunkel insofern kein Problem sein – eher schon die vorübergehende Lagerung der Bestände. „Die Schrankwand von Willhelm Lehmann war wirklich riesig“, sagt er lachend. Sein Wunsch: In einem Seitenflügel des Kinder- und Jugendzentrums Roxy am Welfenplatz gibt es einen kleinen Raum, der hervorragend als Heimatstube eingerichtet werden könnte.

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