Club-Szene

DJ aus Braunschweig ärgert sich über die Schließung der Clubs

| Lesedauer: 4 Minuten
Oliver Lüddecke alias Ly Da Buddah ist seit 25 Jahren DJ und Drum and Bass-Künstler. Er ist bekannt aus dem Brain Klub – und will auch nach dem erneuten Corona-Rückschlag an seiner Leidenschaft festhalten.

Oliver Lüddecke alias Ly Da Buddah ist seit 25 Jahren DJ und Drum and Bass-Künstler. Er ist bekannt aus dem Brain Klub – und will auch nach dem erneuten Corona-Rückschlag an seiner Leidenschaft festhalten.

Foto: Oliver Lüddecke / Ly Da Buddah

Braunschweig.  Oliver Lüddecke alias Ly Da Buddah ist seit 25 Jahren DJ und Künstler – und wehrt sich gegen die Aussage, dass Discos „Virenschleudern“ seien.

Kaum hatten die Clubs in Braunschweig wieder geöffnet, mussten sie nun auch schon wieder schließen. Die aktuellen Vorgaben der Corona-Verordnung für den Eintritt – 2G plus Test und im Innenbereich Maske und Abstand – sind für die Betreiber wirtschaftlich nicht umsetzbar.

Doch die Club-Schließung trifft nicht nur die Betreiber, sondern auch DJs und Musiker. Einer von ihnen ist Oliver Lüddecke alias Ly Da Buddah. Der 46-Jährige legt seit über 25 Jahren auf und produziert Drum-and-Bass-Musik, ein Genre mit schneller, tanzbarer elektronischer Musik. In Braunschweig ist er ein Urgestein der Club-Szene und Vater der Drum-and-Bass-Bundesliga im Brain Klub, tritt aber auch international auf.

Corona-Krise: DJ aus Braunschweig muss Förderung zurückzahlen

Mit dem Dezember ist für ihn nun der 16. Monat angebrochen, in dem er nicht arbeiten kann. „Das schlägt auf die Nerven, die Psyche und den Geldbeutel“, sagt Lüddecke. Er lebt hauptsächlich von Live-Auftritten, nicht von seinen Produktionen. „Wäre ich ein junger Künstler, hätte ich mittlerweile wohl aufgegeben“, sagt er. Der Dezember ist normalerweise sein umsatzstärkster Monat, doch nun fallen ganze sieben Auftritte flach, eine Südamerika-Tour im nächsten Jahr wurde auch schon abgesagt.

Für Lüddecke werde es immer schwieriger, seinen Kühlschrank zu füllen. Zwar unterstützt ihn die Stadt mit einem Künstlerstipendium und Fördergeldern, wofür er sehr dankbar sei, doch es gab auch Schwierigkeiten bei den Förderungen von Land und Bund: Von Januar bis Juni bekam Lüddecke 6000 Euro. Doch das Geld musste er plötzlich komplett zurückzahlen, als er im Juni ein Festival organisierte. „Da haben sie nur auf den Umsatz geschaut und nicht darauf, wie viel Gewinn mir tatsächlich geblieben ist“, ärgert er sich.

Club-DJ Oliver Lüddecke bangt wegen Corona-Ausfällen um die Zukunft

Dieses Mal bekommt Lüddecke gar keine Hilfsgelder, weder von Bund, Land oder Stadt. Eigentlich hätte er Neustarthilfe vom Bund bekommen können – doch weil sein Verdienstausfall von Oktober bis Dezember knapp unter 60 Prozent liegt, stehen ihm keine Hilfen zu. „Das bedeutet für mich, dass ich wieder unverschuldet nicht arbeiten darf und keine Entschädigung dafür bekomme. Das ist existenziell bedrohlich“, sagt Lüddecke. Als Selbstständiger fürchtet er um seine Rücklagen: „Die brauche ich eigentlich für meine Rente.“

Braunschweiger beruft sich auf Charité-Studie: Feiern auch in Pandemie möglich

Zuletzt schrieb Lüddecke einen offenen Brief an den Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer. Dieser hatte Diskotheken als „Virenschleudern“ bezeichnet – ein Vorwurf, gegen den Lüddecke sich verwehrt. Auch in der Pandemie sei sicheres Feiern möglich, sagt er und beruft sich dabei auf eine Studie der Berliner Charité.

Diese hatte im August einen Versuch in Berliner Klubs gestartet, bei dem feiernde vor dem Clubbesuch einen PCR-Test machen mussten. Unter 2000 Menschen hatte es keine Ansteckung gegeben. Dieses Modell sei dadurch, dass PCR-Tests mittlerweile innerhalb von vier Stunden auswertbar seien, eine Möglichkeit, die Clubs ohne Maske und Abstand zu betreiben. Lüddecke hat Vertrauen in die Wissenschaft – und erhofft sich deshalb von ihr sowie der Politik mehr Studien.

Ly Da Buddah aus Braunschweig: Club-Musik als „Schicksal und Passion“

Sorge macht Lüddecke, wie es langfristig mit Künstlern und Clubs weitergehen soll. „Es ist eine gewisse Planungssicherheit vonnöten. Man muss sonst jederzeit davon ausgehen, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird.“ Lüddecke habe zahlreiche Freundinnen und Freunde aus der Künstlerszene, die beispielsweise bereits an der Tankstelle jobben müssen, um über die Runden zu kommen.

Er selbst denke nicht daran, umzuschulen. „Für mich ist das mein Schicksal und meine Passion, dass ich Musiker geworden bin. Ich liebe es, feiern zu gehen, das sind einmalige Erlebnisse, die Kreativität bringen.“ Deswegen produziert er weiter in seinem Studio, hat seit März 2020 schon fünf Alben rausgebracht. Dazu arbeitet er schon an einem neuen Live-Set.

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