Mitten in Braunschweig

Grau oder weiß, das ist hier die Frage

Haben Sie schon mal gesehen, wie Männer – natürlich nicht alle, ich kenne ja nicht alle – Wäsche aufhängen?

Wir haben eine gute Beziehung, mein Mann und ich. Das vorweg. Was die häusliche Aufgabenverteilung angeht, habe ich ein Prachtexemplar erwischt. Er kocht gern und gut, er kauft ein, er putzt, ist ordentlich und – er wäscht. Wer wäscht bei Ihnen die Kleidung? Ich weiß ja nun nicht, wer diese Zeilen liest. Ob Ehemann, Gattin, Großmutter, Opa oder ein Kind. Kind ist man ja immer, also kann sich jede und jeder angesprochen fühlen.

Zu Beginn unserer Beziehung habe ich mich so richtig gefreut: Jippieh – er wäscht seine Wäsche selbst! Ein emanzipiertes Exemplar also. Deshalb dachte ich mir, dann kann er das ja machen, wie er will: seine Programme wählen, die Temperatur (er wäscht nur bei 40 Grad wegen der Umwelt), die Trommel vollpacken oder einsame Kleidungsstücke auf den Schleudergang schicken. Aber manchmal wäscht er auch unsere gemeinsame Wäsche. Darüber habe ich mich zunächst auch noch gefreut. Ich wunderte mich anfangs nur ob der Farbtreue der weißen Wäsche. Als ich noch selbst gewaschen habe, war der Weißegrad irgendwie anders, brachte ich vorsichtige Kritik an den Mann.

Irgendwann befand ich, dass es Zeit war für einen kleinen Kurs im Waschen. „Ist doch ganz einfach“, fing ich an, „du wäschst nur weiße Wäsche oder nur schwarze“. Manchmal lohnt sich bei uns auch eine mit rot-orange-lila Klamotten bestückte Maschine, ging es weiter. Das ist ja noch unkompliziert, dachte ich. In meinem Grundkurs sprach ich dann aber auch von heller Wäsche, die man nochmal in Blau-grau-Töne und grüne Varianten unterteilen könnte. „Und was ist mit fliederfarben?“, fragte er etwas provokant. Ich dachte, mache ich es uns doch einfach und reserviere für jede Wäschefarbe eine Schublade. Da muss man nur noch in die Schublade greifen und den ganzen Schwung in die Trommel drücken. Wie sich herausstellte, war das etwas naiv. Denn eines Tages komme ich aus dem Urlaub mit einer Freundin zurück, will meine Sachen waschen und öffne ahnungslos die Waschmaschine. Und was fällt mir da aus der Trommel entgegen? Weiße Wäsche, schwarze Strümpfe, graue Hosen und – mir stockt das Herz – ein rotes T-Shirt.

Nicht mehr ganz entspannt frage ich ihn, wie sich das rote T-Shirt in die Maschine geschummelt hat. „Hätten wir denn genug rote Wäsche?“, fragt er etwas irritiert zurück. Dass wir eine extra Schublade für Rot haben, lasse ich eben mal unerwähnt. „Warum hast du denn nicht wenigstens schwarze Sachen mit roten gewaschen? Das Schwarz wird die rote Farbe wohl nicht annehmen“, erkläre ich schon langsam ungeduldig. Seine Antwort hat mich dann entwaffnet: „Rot und Schwarz kann ich nicht zusammen waschen, das sind die Farben von Eintracht Frankfurt – und die kann ich nicht leiden!“ „Blau und Gelb gehen aber leider auch nicht“, schränke ich seine Waschfreiheiten weiter ein.

Ok, das war zum Lachen, aber das Thema Wäsche ist nicht immer lustig. Es geht ja noch weiter. Nächstes Thema: aufhängen. Haben Sie schon mal gesehen, wie Männer – natürlich nicht alle, ich kenne ja nicht alle – Wäsche aufhängen? Mit spitzen Fingern wird ein Wäschestück aus der Maschine gezupft und irgendwie über die Leine geprummelt. Da wird nicht gezuppelt wie früher mit Muttern in der Waschküche oder wenigstens die Strümpfe auf der Leine in Form gezogen. Nein, sie krümmen sich nebeneinander auf der Leine und kleben zusammen, dass man nachher jeden Strumpf extra auseinanderziehen muss. Und die Handtuch- und Hosennähte kräuseln sich ohne Ziehen wie alte Gardinen vor Omas Spüle.

Eine Sache habe ich noch nicht erwähnt. Es geht um mitgewaschene Dinge als da wären Handys, Feuerzeuge, Geld und – Papiertaschentücher. Hier meine vielfältigen Erfahrungen: Das Handy könnte kaputt sein, Feuerzeuge funktionieren in der Regel noch, über Geld freut man sich, aber das Gefummele, die weißen Papierfetzen vom schwarzen T-Shirt zu friemeln! Einfach nur nervig… Mein Mann kauft ja immer bügelfreie Hemden. Das ist schlau. Schlau ist auch, dass er seine Hemden aus der Waschmaschine gleich auf Bügel hängt. Die Krönung dessen wäre allerdings, auch hier kurz an den Nähten zu ziehen und vielleicht die Knöpfe zu schließen. Dann sitzt das Hemd auch, wenn man es gleich von der Leine weg anzieht.

Sie merken, die Sache verläuft allmählich wieder friedlicher. Die Geschichte endet nämlich im Zusammenlegen der Kleidungsstücke. Darin ist mein Mann spitze. Alles legt er ordentlich zusammen, das hat er bei der Bundeswehr gelernt. Kante auf Kante quasi. Seine Hemden wandern auf Bügeln in den Schrank, die T-Shirts und Pullover (falls sie nach der 40-Grad-Wäsche noch passen) stapeln sich vorbildlich in seinem Schrank. Meine Wäsche legt er übrigens fein säuberlich auf einen Haufen und überlässt das Wegräumen mir. Das ist Gleichberechtigung, oder?

Bärbel Mäkeler, 1957 in Stuttgart geboren, ist Autorin, Lektorin und Germanistin. Sie lebt seit 1975 in Braunschweig und widmet sich in ihrer Kolumne den besonderen Dingen des Alltags.

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