Stadt versichert: Wir setzen nicht unnötig viel Salz ein

Gifhorn  Ein Leser kritisiert, in der Kältewoche sei zu viel gestreut worden. Das befördere nur das unerwünschte Rasen im Stadtgebiet.

Lässt die Stadt bei Glatteis zu viel streuen? Die Verwaltung weist das zurück. Gesucht ist die Balance zwischen Sicherheit, Aufwand und Kosten.

Lässt die Stadt bei Glatteis zu viel streuen? Die Verwaltung weist das zurück. Gesucht ist die Balance zwischen Sicherheit, Aufwand und Kosten.

Foto: Jens Keblat/dpa

Ein anonymer Leser aus Gifhorn fragt im Portal Alarm 38:

Warum streut die Stadt im Winter so stark?

Die Antwort recherchierte Christian Franz

Hier geht es einmal nicht darum, dass ein Bürger den Winterdienst als unzureichend bemängelt. Eher sei es zu viel des Guten, was die Stadt tue: „In den 30er-Zonen zeigt sich das Umweltbewusstsein der Stadt Gifhorn im ganzen Ausmaß. Wir Bürger dürfen Streusalz nur im ,Notfall‘ verwenden, aber die Stadt bekämpft jede Schneeflocke mit zirka einem Kilogramm Salz“, rügt ein anonymer Leser auf dem Portal Alarm 38 mit triefender Ironie. Er hält das für unnötig: „Ansonsten sehe ich hier nur wieder das Motto der Stadtverwaltung freie Fahrt für Raser in Gifhorn.“

Ist der Vorwurf berechtigt? „Gibt es Kriterien, nach denen der Straßenreinigungsbetrieb ASG vorgeht? Trifft es zu, dass Privatleute Streusalz anders oder weniger einsetzen müssen?“, laute die Frage der Redaktion an die Stadt.

Sprecherin Annette Siemer erläutert: „Grundsätzlich gilt für den Einsatz von Streumitteln: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich. Dies geschieht zum einen zum Schutz der Umwelt, zum anderen ist der Einsatz von Streumitteln ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Das wichtigste Entscheidungskriterium beim Einsatz von Streumitteln ist jedoch die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, die nicht aufs Spiel gesetzt werden darf.“

Unterschiede beim Salzeinsatz begründet die Stadt mit den verschiedenen Verkehrssituationen. Siemer: „Die Straßenreinigungsverordnung der Stadt Gifhorn regelt den Winterdienst, den die Grundstücksbesitzer zur Sicherheit der Fußgänger leisten müssen. Danach soll Glätte aus Umweltschutzgründen grundsätzlich mit Sand oder anderen abstumpfenden Mitteln bekämpft wer-den. Der Einsatz von Streusalz ist erlaubt, sofern die Glätte mit anderen Mitteln nur mit einem unverhältnismäßigen und unzumutbaren Aufwand beseitigt werden könnte oder wenn es sich um gefährliche Stellen wie Treppe oder Gefälle handelt.“

Der ansonsten unverhältnismäßig hohe Aufwand sei auch der Grund, warum die kommunalen Winterdienste die Straßen im Winter mit Streusalz oder einem Feuchtsalzgemisch glättefrei halten, um die Befahrbarkeit der Straßen sicherzustellen.

Dabei komme Streusalz eben nicht auf allen Straßen zum Einsatz, so Siemer. Der ASG verwende Streusalz zum Freihalten der Straßen der Winterdienstprioritäten 1 und 2, das seien beispielsweise Hauptstraßen, Durchgangsstraßen, Straßen, auf denen Busen verkehren, Brücken oder Straßen an Schulen. Dank moderner Streuautomaten könnten die Winterdienstfahrzeuge das Streusalz in einem Bereich zwischen 5 und 40 Gramm pro Quadratmeter dosieren. Die Fahrer der Streufahrzeuge versuchten, möglichst gering zu dosieren, und passten die Dosierung während der Fahrt an die Verkehrsverhältnisse und die Infrastruktur an. So werde die Salzmenge etwa auf Kreuzungen oder auf Brücken erhöht.

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