Babyboomer gehen, Probleme kommen

Gifhorn.   Der Landkreis Gifhorn steht vor besonderen Herausforderungen: Die sogenannten „Babyboomer“ der 50er und 60er Jahre gehen nun in den Ruhestand.

Rolf Amelsberg (von links), Heidrun Kofahl-Langmack und Sabine Sütterlin stehen vor den Teilnehmern der Gesundheitskonferenz.

Rolf Amelsberg (von links), Heidrun Kofahl-Langmack und Sabine Sütterlin stehen vor den Teilnehmern der Gesundheitskonferenz.

Foto: Reiner Silberstein

Der Landkreis Gifhorn steht – wie die meisten anderen auch – kurz vor ganz besonderen Herausforderungen: Die sogenannten „Babyboomer“ der 50er und 60er Jahre gehen nun in den Ruhestand. Der überdurchschnittliche Abgang aus der Arbeitswelt sorgt für soziale und finanzielle Spannungen. Das war das Hauptthema der Gesundheitskonferenz am Mittwoch im Gifhorner Schloss mit rund 100 Teilnehmern, zu der der Kreis als Gesundheitsregion eingeladen hatte.

„Diese Generation, die nach und nach in Rente geht, wird oft erst mal als Bedrohung dargestellt“, bemängelte Heidrun Kofahl-Langmack vom Niedersächsischen Sozialministerium. Sie stelle lieber die Potenziale heraus: „Uns steht mehr wertvolle Lebenszeit zur Verfügung.“

Was aus Sicht der Babyboomer ein Vorteil ist, bringe für die Gesellschaft aber Nachteile, wie Sabine Sütterlin vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ausführte: „Uns steht eine große Verrentungswelle bevor. Und Laut Umfrage wollen die meisten auch so früh wie möglich aussteigen.“ Wenn sich „der Bauch“ in der statistischen Grafik „nach oben schiebt“, dann verabschiede sich bis 2030 ein Viertel aller Arbeitskräfte vom Markt, die Gruppe der 65+ wachse dagegen dramatisch – „in Gifhorn sogar über dem Bundesdurchschnitt“. Steuereinnahmen nähmen ab, die Sozialkosten stiegen, die Zahl der Pflegebedürftigen und Demenzkranken erhöhe sich. Aber es gibt nicht nur Horrorszenarien: „Die Babyboomer sind fitter, als es die Eltern waren“, so Sütterlin. Nun heiße es, möglichst viele Menschen so lange wie möglich gesund zu halten, um die Negativeffekte auszugleichen.

Die Verwaltung wird aus den Ergebnissen, die die fünf verschiedenen Forumsgruppen erarbeitet haben, in ein Konzept gießen, sagte Kreisrat Rolf Amelsberg abschließend. Und das soll dem Kreisrat im Herbst zur Beratung vorgelegt werden. Erste Ideen dafür wurden auch in der Abschlussrunde vorgestellt. So könnte es die Aufforderung geben, Modellprojekte wie „Zwar“, Dorfleben-Vereine und Genossenschaftshilfe in Isenbüttel im ganzen Kreis zu initiieren. Mit einem Aktionstag solle der Kreis auch auf die schon bestehenden Projekte der Gesundheitsprävention aufmerksam machen. Und die Ansiedlung von Ärzten wolle man weiter forcieren. Noch sei die Versorgung gut, aber der Nachwuchs an Landärzten sei weiter rar, sagte Amelsberg.

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