Einbrecher im Haus? „Einschließen und Krach machen ohne Ende“

Gifhorn.  Polizeioberkommissar Klaus Ahne gibt Tipps, wie sich Türen und Fenster vor Einbrüchen sichern lassen und erklärt, welche Fehler Hausbesitzer machen.

Klaus Ahne, Polizeioberkommissar und Beauftragter für Kriminalprävention bei der Polizeiinspektion Gifhorn, zeigt Bürgern in einem Ausstellungsraum, wie sich Türen und Fenster vor Einbrüchen sichern lassen.

Klaus Ahne, Polizeioberkommissar und Beauftragter für Kriminalprävention bei der Polizeiinspektion Gifhorn, zeigt Bürgern in einem Ausstellungsraum, wie sich Türen und Fenster vor Einbrüchen sichern lassen.

Foto: Daniela König

Klaus Ahne hat schon viel erlebt. Der Beauftragte für Kriminalprävention bei der Polizeiinspektion Gifhorn kennt die Tricks von Einbrechern, weiß, wie sie ticken, welche Hilfsmittel sie benutzen – und welche Fehler Hausbesitzer oft begehen, die es den Tätern noch leichter machen.

In seinem neuen Ausstellungsraum im umgebauten Nordtrakt des Gebäudes in der Hindenburgstraße zeigt er Interessierten, wie sich Türen und Fenster richtig sichern lassen und sich Hausbesitzer damit vor Einbrüchen schützen können. Der Service auf Terminanfrage ist kostenlos, genau wie die Hausbesuche, die Ahne bei Bedarf im Rahmen der Schwachstellenanalyse macht.

Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis Gifhorn 183 Einbrüche. Ab Herbst, wenn es früh dunkel wird, gehen die Zahlen typischerweise nach oben. Um an höher gelegene Fenster zu kommen, klettern Einbrecher auf Steighilfen wie Mülltonnen, Gartentische oder Leitern. „Es gab Fälle, dass Einbrecher die Leiter des Nachbarn rübergeholt oder die kleine Leiter eines Aufstellpools verwendet haben“, erinnert sich der Polizeioberkommissar. Daher sei es ratsam, Anstellleitern wenigstens mit einem Fahrradschloss zu sichern.

Einbrechern bei Abwesenheit vorgaukeln, man sei Zuhause – mit Licht/TV-Simulatoren

Ungepflegter Rasen, überquellende Briefkästen – daran erkennen Täter leicht, dass jemand schon länger nicht Zuhause war. Heruntergelassene Rollläden erschweren Einbrechern zwar den Zugang zu Fenstern, doch der Experte weiß: Handelsübliche Rollläden bieten keinen wirksamen Schutz, „da sie herausgerissen werden oder -falls sie mit Sperren versehen sind – zwischen den Lamellen aufgeschlitzt werden können.“ Die meisten wagen sich aber nicht daran. „Das ist vermutlich mit dem zu erwartenden Krach zu erklären“, meint der 58-Jährige.

Wer nicht Zuhause ist, sollte alle Fenster schließen. Denn: „Auch ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“, warnt Ahne. Um Anwesenheit vorzugaukeln, wenn man gerade nicht daheim ist, bieten sich unterschiedliche Simulationsmöglichkeiten an. Ein TV-Simulator ahmt den Lichtschein eines laufenden Fernsehers nach, auch Wohnlicht kann per Zeitschaltuhr imitiert und Rollläden automatisch hoch- und runter bewegt werden.

Auch Bewegungsmelder an der Fassade helfen. Aber Vorsicht: „Bewegungsmelder sollte man in einer Höhe anbringen, auf der sie nicht kaputt geschlagen werden können.“ Auch das Timing spielt eine Rolle. Leuchtet der Strahler schon beim Betreten des Grundstücks alles aus, findet sich zwar der Eigentümer sofort bestens zurecht – damit aber auch der Einbrecher. Daher gilt: „Besser ist diffuses oder spät einschaltendes Licht direkt am Haus.“

Klaus Ahne stellt die Einbruchsausstellung der Polizei Gifhorn vor. Video: Daniela König
Klaus Ahne stellt die Einbruchsausstellung der Polizei Gifhorn vor. Video: Daniela König

Anzahl der Pilzköpfe muss der der Schließstücke entsprechen – sonst ist Verriegelung wirkungslos

Zweidrittel der Gelegenheitseinbrecher dringen über die Verandatür oder Fenster ins Gebäude ein. Der Einbruch selbst dauert oft nur wenige Minuten. Daher sollte schon an Türen und Fenstern für ausreichend Schutz gesorgt werden. Von sichtbaren Aufsatzsicherungen bis hin zum Austausch der Innenbeschläge – gemacht werden kann vieles – es ist wie immer eine Frage des Preises.

Mit Brecheisen, Schraubendrehern und Zangen gelingt es Einbrechern, in Sekundenschnelle ans Ziel zu kommen. Fensterbeschläge mit Pilzkopfverriegelung seien daher wichtig. Dabei rasten am Fensterflügel angebrachte Pilzköpfe beim Schließen des Fensters in den auf dem Fensterrahmen positionierten Schließstücken ein. Das erschwert ein Aufbrechen oder Aufhebeln. Doch was Ahne bei Bürgern vor Ort immer wieder sieht: die Anzahl der Pilzköpfe am Fensterflügel entspricht nicht derer der Schließstücke im Rahmen oder sie sind versetzt angebracht – und damit wirkungslos. Ein Fehler, der den Bürger in falscher Sicherheit wähnt.

Ein starrer Sperrbügel ist deutlich stabiler als eine bewegliche Kette, die durch Hin- und Herruckeln leicht aus der Verankerung gerissen werden kann. Tür- und Fenstergriffe sollten beim Verlassen des Hauses immer abgeschlossen sein, durchwurfhemmende Fensterglasscheiben bieten zusätzlichen Schutz. Egal, was es ist, Ahne rät: „Die Produkte sollten zertifiziert sein.“

Einbrecher im Haus bemerkt? Im Zimmer einschließen, durch Schreien den Täter verschrecken und Polizei rufen

Wer hier ganz sicher gehen möchte, kann eine Firma beauftragen, die auf einer öffentlich einsehbaren „Facherrichterliste“ beim Landeskriminalamt Niedersachsen geführt wird. Diese sind polizeilich geprüft.

80 Prozent der Sicherung sollte die Mechanik ausmachen, die restlichen 20 Prozent die Elektronik. So können Bewegungsmelder oder Alarmanlagen die Sicherheit erhöhen. Und wenn es schon zu spät ist und der Einbrecher ins Haus gelangt? Hier und da liest man von gruseligen Fällen, in denen die Hauseigentümer während des Einbruchs noch anwesend waren. Laut Klaus Ahne trifft das auf 30 Prozent aller Einbrüche zu. Was tun? „Sich im Schlafzimmer einschließen und höllischen Krach machen, um den Täter zu erschrecken!“ Ein Handy oder Telefon sollte immer griffbereit sein, um schnell die Polizei zu rufen.

Wer sich von Klaus Ahne beraten lassen will, meldet sich unter (05371) 980107. Übrigens: Maßnahmen zum Einbruchsschutz können sich Hausbesitzer auch von der KfW fördern lassen.

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