Gifhorns Sonnenstrände: Jeder will einen Platz am See

Gifhorn.  Dank der Vorabinfo der Polizei hielten sich die Staus an Bernsteinsee und Tankumsee in Grenzen. Am Wasser selbst war es traumhaft für Tausende.

Sommeridyll am Heidestrand: Am Bernsteinsee genossen die Gifhorner das heiße Badewetter.

Sommeridyll am Heidestrand: Am Bernsteinsee genossen die Gifhorner das heiße Badewetter.

Foto: Christian Franz

Sagen wir es mal so: Wer erst einmal am Wasser lag, für den war der Hitze-Samstag wunderbar entspannend. Der Badebetrieb an Gifhorns Sonnenstränden von Bernsteinsee und Tankumsee lief unaufgeregt. Fast alle hielten sich an die Corona-Etikette. Strandmuscheln, Sonnenschirme und Luftmatratzen funktionierten ganz automatisch als Abstandshalter. Tankumsee-Geschäftsführer Burkhard Roozinski war zufrieden, das Wasser 22 Grad frisch.

Die Hürde war einmal mehr das Hinkommen. Wie angekündigt hatte die Polizei ein waches Auge darauf, dass die Naherholungsgebiete nicht überrannt wurden, was den unabdingbaren Infektionsschutz gefährdet hätte. Bereits um 11 Uhr war es soweit: Über den Nachrichtendienst Twitter gab die Polizei bekannt: „Die Zufahrten zum Tankumsee und Bernsteinsee sind wegen des hohen Besucheraufkommens gesperrt. Wir sind mit zahlreichen Kräften vor Ort. Es kommt zu massivem Stau.“ Bitte weicht auf andere Örtlichkeiten aus.“ Auch mit dem Fahrrad sollten es die Leute nicht mehr versuchen.

An der Tankumsee-Zufahrt von der K 114 gab es Dramen.

Tankumsee-Chef Roozinski erlebte an der Zufahrt von der Kreisstraße 114 Dramen: „Wir mussten Leute aus Hildesheim, Göttingen, Uelzen, Hannover und dem Harz wieder wegschicken.“

Klar, ausgerechnet sie hatten die Ankündigung der Gifhorner Polizei eher nicht gelesen. Roozinski: „Zumindest waren die Leute diesmal nicht so aggro.“ Pöbeleien gegen Polizei und Sicherheitsdienst habe es kaum gegeben. Bereits am frühen Nachmittag entspannte sich die Lage. Es fuhren genug Leute heim, dass eine zweite Schicht nachrücken konnte.

Tatsächlich hatten sich viele mit der Corona-Lage arrangiert: „Die ersten waren um 7 Uhr am Strand“, schmunzelte Roozinski. „Sie haben erst einmal gefrühstückt.“ Ohnehin hätten ungewöhnlich viele Familien riesige Picknickkörbe mit eigenem Proviant dabei, was die Schlangen vor den Kiosken luftig bleiben ließ.

Die Leute kamen in voll besetzten Autos. Die Parkplätze mussten noch früher schließen.

Die frühe Zufahrtsbremse sei auch dem Phänomen geschuldet gewesen, dass die Menschen in voll besetzten Autos anreisten, so Roozinksi: „Weniger mit dem Rad bei der Hitze. Aber es kamen so viele, dass wir das Parkplatzkontingent noch stärker als geplant verringern mussten.“

Eine fünfköpfige Gifhorner Radler-Familie zeigte sich beim Aufbruch am Nachmittag zufrieden: „Wir sind zurzeit fast jeden Tag hier. Es war entspannt, man kam gut durch.“

Es waren spürbar weniger Seebesucher als in normalen Jahren.

Auch Christian Hermann aus Braunschweig genoss den Tag mit Frau und Kind am Strand: „Wir waren seit 9 Uhr da, jetzt wird es uns zu heiß.“ Genug Abstand sei kein Problem gewesen außer an den belebtesten Strandabschnitten. „Es waren halt doch viel weniger Besucher als in den Vorjahren“, berichtete Hermann. Gegen 11 Uhr habe es eine Lautsprecherdurchsage gegeben, auf Abstände zu achten. „Und dass der Parkplatz gesperrt war.“

Und sonst so mit Corona? Schließfächer zu. Jedes zweite WC und Gemeinschaftsduschen auch zu. Ging irgendwie alles. Der Sicherheitsdienst patrouillierte zu Fuß und mit Quad. Die Polizei setzte ihre E-Bike-Fahrradstreife ein. Polizeisprecher Reuter rügte, die vereinbarten Rundfunkdurchsagen zur Sperrung hätten nicht geklappt, was womöglich die vergeblichen Anreisen der überregionalen Besucher erklärte. Isenbüttels Samtgemeindebürgermeister Hans-Friedrich Metzlaff berichtete, am Freitag „hatten wir überhaupt keine Probleme“, obwohl es da ja auch schon ordentlich heiß war.

Freitagabend gab es nach Informationen unserer Zeitung eine Kontrolle des Gesundheitsamtes bei einer Party in der Bar Strandgut. Alles gut, Samstag war weiter geöffnet. Per Kleintrecker und Gummiwagen bugsierte am Samstagnachmittag eine Braunschweiger Jungmännergesellschaft ihr kleines Gepäck auf die Liegewiesen: „Wir campen hier. Bei dem Wetter natürlich ohne Zelt.“

Am Bernsteinsee lief alles entspannt. Die Allerwelle zählte fast 1000 Besucher.

Im etwas kleineren Maßstab lief all dies am Bernsteinsee ähnlich. Weil wie angekündigt nur die Hauptzufahrt geöffnet war, hatte der Sicherheitsdienst einen exakten Überblick über Badegäste und Fahrzeuge, über Strand- und Parkplatzkapazität. Auch hier ermöglichte straffe Planung den Gästen einen entspannten Ferientag mit Strandlaken und Gummiboot.

Den bislang schönsten Tag des Jahres feierte Gifhorns Schwimmbad Allerwelle am Samstag. Geschäftsführer Walter Lippe bilanzierte fast 1000 Besucher. „Die Zutritte waren so gut verteilt, dass es keine Probleme mit den Hygieneregeln gab.“ Immer 200 Leute gleichzeitig durften sich in den Außenbecken und auf einem Teil der Liegewiese tummeln.

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