Steinhorster Lesesommer: Von Hausinaden und Briefmacken

Steinhorst.  Mit Manfred Hausin und Winfried Bornemann schmücken zwei Hochkaräter das Literaturfestival.

Manfred Hausin beim Steinhorster Lesesommer.

Manfred Hausin beim Steinhorster Lesesommer.

Foto: Christian Franz

Jetzt, da man am lauschigsten aller Sommerabende im eichenumstandenen Hof des Steinhorster Schulmuseums Platz genommen hat, erweist sich die Corona-Notlösung als ideal. Warum im stickigen Saal zusammenrücken, wenn man im luftigen Ambiente lustigen Anekdoten lauschen kann?

Samstagabend schmückten zwei Hochkaräter das Programm des verkürzten Literaturfestivals. Den dritten von vier Terminen des Steinhorster Lesesommer gestalteten die Autoren Winfried Bornemann und Manfred , die damit ihrerseits einer monatelangen Auftrittspause entrannen. Ach, dieses Gefühl von „endlich wieder“, das in normalen Zeiten für Weihnachten reserviert ist, ließ das distinguiert schmunzelnde Publikum in delikaten Wortspielereien, Spitzfindigkeiten und Hintersinn schwelgen.

Irrwitzige Scherzbriefe provozieren engstirnige Reaktionen.

Viele kannten ihre Briefmacken und Hausinaden aus eigener Lektüre, ahnten was kommt, und ja, hörten es einfach „endlich mal wieder“. Briefmacken und Hausinaden – nicht jedem Autor und Poeten gelingt es, solche markenähnlichen Begriffe zu etablieren. Bornemanns irrwitzige Scherzbriefe funktionieren meistens, indem die Antwortschreiben Engstirnigkeit und Fachidiotie der Adressaten bloßstellen und durch die Genugtuung „wie man zwei Leute 30 Minuten von der Arbeit abhalten kann“, wie Bornemann selbst es pointiert. Bisweilen aber durch frappierende Brillanz: Ob das Baby seiner ledigen Geliebten ehelich sei, da er doch verheiratet sei? Nur wenn er es selbst gebäre.

Die Steinhorster erlebten als Premierenpublikum neue Kurzgedichte.

Hausins Aphorismen sezieren alle Lebensbereiche unseres Alltags, setzen Gedankenakrobatik gegen Gedankenlosigkeit. Da kann es mal kalauern, mal zynisch werden. Hinterher ist man jedenfalls immer schlauer – oder ergriffener. Verarbeitete der gereifte Hausin mit diesem Instrument doch auch die zehnjährige Pflegezeit und den Tod seiner Mutter. Das Steinhorster Publikum kam zudem in den Genuss der neuesten Zweizeiler. Klar, dass Manfred Hausin sich in sechs Monaten Auftrittspause so seine Gedanken gemacht hat. Natürlich „extra für euch“ in Steinhorst.

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