Baudebakel an dringend erwarteter Gamsener Krippe

Gamsen.  Ein massiver Wasserschaden beschädigt den Fünf-Millionen-Euro-Neubau noch vor Fertigstellung. Wie geht es jetzt weiter?

Hinter der schmucken Fassade des Gamsener Krippen- und Mensaneubaus spielt sich ein Baudrama ab. Ein massiver Wasserschaden hat das Millionenprojekt stillgelegt.

Hinter der schmucken Fassade des Gamsener Krippen- und Mensaneubaus spielt sich ein Baudrama ab. Ein massiver Wasserschaden hat das Millionenprojekt stillgelegt.

Foto: Christian Franz

Hilflos und entsetzt musste der Gamsener Ortsrat am Dienstagabend eine Hiobsbotschaft der Gifhorner Stadtverwaltung entgegennehmen: Der dringend benötigte Neubau von Krippe, Mensa und Ganztagsräumen für die Wilhelm-Busch-Grundschule ist komplett durchfeuchtet. Ein Wasserschaden hat alle Pläne für den 5,2-Millionen-Euro-Neubau zur Makulatur gemacht. Ursprünglich hatten wenigstens die Kinder aus den zwei provisorischen Container-Krippengruppen im August einziehen sollen.

Bau-Fachbereichsleiter Karsten Moritz bestätigte am Mittwoch Details. Demnach hat die für den Frischwasser-Hausanschluss vom stadteigenen Wasserwerk beauftragte Firma das Debakel verursacht. Moritz: „Hierbei ist unkontrolliert Wasser unter den Estrich gelaufen.“ Es müssen mehrere Kubikmeter gewesen sein.

Der Zeitplan für eine Sanierung ist offen.

„Ein von der Versicherung beauftragter Gutachter hat den Schaden festgestellt. Aktuell erarbeitet er die aus dem Schaden resultierenden Maßnahmen“, resümiert Moritz. Ob eine Trocknung ausreiche oder ob Teile des Estrichs und der darunterliegenden Dämmung ersetzt werden müssen, sei Bestandteil der Aufgabenstellung an den Sachverständigen. Alle Kosten trage der Verursacher.

Und wie lange fehlen nun Krippe, Mensa und Ganztags-Gruppenräume? Das ist laut Moritz völlig offen: „Die Verzögerung kann erst nach Festlegung der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen benannt werden“, abhängig davon, ob es zu einer Bautrocknung oder zum kompletten Estrichausbau kommt.

Bürgermeister: Kein Risiko durch Schimmel oder Corona eingehen.

Ortsbürgermeister Dirk Reuß (CDU) äußerte Verständnis für die Verzögerung, pochte aber zugleich auf eine fachgerechte Reparatur: „Auf dem Bau kann immer viel passieren. Wichtig ist jetzt, dass der Bau für die Kinder am Ende keimfrei übergeben wird. Das ist ja ein Objekt im Hochpreis-Segment. Da muss alles hundertprozentig passen.“ Feuchtigkeit, Schimmel und die damit verbundene heikle Lüftungsfrage unter Corona-Bedingungen seien zu berücksichtigen.

Geharnischte Kritik der Gamsener fing sich die Stadt für den Umgang mit dem Dorfgemeinschaftshaus ein. Laut MTV-Vorsitzendem Detlev Hermann ist es für die örtlichen Nutzer praktisch gesperrt. Seitdem Gemeinschaftshäuser nach der Corona-Schließung wieder teilweise genutzt werden könnten, sei der Gamsener Saal dauerhaft an den DRK-Kreisverband für Schulungen verpachtet. Der Sportverein könne nicht alle Trainingsstunden anbieten, müsse teilweise nach Kästorf ausweichen, dortige Sportler wiederum in die Gamsener Sporthalle Nord. Hermann: „Unter diesen Bedingungen verlieren wir unsere Mitglieder dauerhaft.“ Ein weiterer Gamsener, hauptamtlich in der Kommunalverwaltung Wolfenbüttel tätig, sprach von satzungswidriger Nutzung. Selbst der DRK-Ortsverein Gamsen sei durch das Vorgehen der übergeordneten Gliederung des Roten Kreuzes in seine Aktivitäten beeinträchtigt. Ortsbürgermeister Reuß sagte: „Ich war entrüstet. Das ist ein Umstand, der nicht geht.“ Präsident des DRK-Kreisverbands ist Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich.

Gamsener aus eigenen Gemeinschaftshaus ausgesperrt – rechtens?

Für Unmut unter den Gamsenern sorgte zudem, dass das DRK bereits Kurse bis Ende Mai 2021 für Gamsen anpreise. Die Stadtverwaltung sprach auf Anfrage von einer Entscheidung „auf Grundlage der Satzung“. Gemäß Ortsrecht werde mit dem DRK auch abgerechnet. Den Gamsenern habe das Rathaus Alternativräume angeboten. Ohnehin gehe es nur „um wenige Stunden in der Woche“. Für die weit in die Zukunft reichende Werbung des DRK-Kreisverbands sei nicht die Stadtverwaltung verantwortlich. Die Nutzung des DGH sei bis Ende 2020 vorgesehen.

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