Preis für Sozialraum im Klärwerk auf 650.000 Euro verdoppelt

Gifhorn.  Die Vorsitzende des Betriebsausschusses stoppt einen Umlaufbeschluss und beruft eine außerordentliche Sitzung ein.

Der stadteigene Abwasserbetrieb ASG will für die Beschäftigten des Klärwerks an der Winkeler Straße ein Sozialgebäude für 650.000 Euro errichten.

Der stadteigene Abwasserbetrieb ASG will für die Beschäftigten des Klärwerks an der Winkeler Straße ein Sozialgebäude für 650.000 Euro errichten.

Foto: Christian Franz

Muss ein Sozialraum 173 Quadratmeter groß sein und 650.000 Euro kosten? Genau solch ein Gebäude will der stadteigene Abwasserbetrieb ASG am Klärwerk an der Winkeler Straße errichten. Nachdem sich die Kosten für das bereits begonnene Projekt mehr als als verdoppelt haben, stoppte die Vorsitzende des Betriebsausschusses nach einer Anfrage unserer Zeitung den ursprünglich für Dienstag vorgesehenen Umlaufbeschluss. „Es wird nun am 10. November eine außerordentliche Sitzung geben, damit jede Fraktion ihre Meinung einbringen kann“, kündigte ULG-Ratsfrau Meike Pollack nach Rücksprache mit ASG-Geschäftsführer Peter Futterschneider an. Weitere Details zu erfahren, sei „sehr wichtig“.

Jeder Quadratmeter kostet mehr als 3750 Euro

Das ist es wohl tatsächlich: Denn die Kosten des Projektes stiegen seit dem Ansatz im Wirtschaftsplan 2019 um 335.000 Euro und erreichten gut 3750 Euro pro Quadratmeter. Zur Finanzierung sollen nun zehn Projekte im Bereich der Abwassertechnik verschoben werden, darunter die Umstellung der biologischen Klärstufe auf feinblasige Belüftung.

AfD-Ratsfraktionschef Stefan Marzischewski-Drewes hatte bereits angekündigt, dem Verfahren nicht zuzustimmen, das Einstimmigkeit vorausgesetzt hätte. Er rügte: „Fast 3800 Euro je Quadratmeter bei bereits vorhandenem Grundstück entspricht wohl einem Luxusbau, das kann die AfD gegenüber der Öffentlichkeit bei 18,5 Millionen neuer Schulden in 2020 nicht vertreten. Der durchschnittliche Errichtungspreis bei einem Neubau inklusive Grundstück liegt bei 1800 Euro bis 2000 Euro.“

Der Bau ist auf Zuwachs angelegt

Stadt-Sprecherin Annette Siemer teilte auf Anfrage mit, was es mit dem Bauvorhaben auf sich hat: Es diene zwei Frauen und zwölf Männern in der Abwasserreinigung als Sanitärraum. Perspektivisch auf Zuwachs angelegt, solle es zudem von Frauen im Betriebshof genutzt werden, falls dort einmal welche eingestellt würden. Der alte Sanitärtrakt des Klärwerks stamme aus den 1960er Jahren und sei 1992 umgebaut worden. Anforderungen des Arbeitsschutzes genügten die Kellerräume nicht mehr.

Siemer zufolge werden Sanitär- und Garderobenbereiche hygienisch getrennt in Weiß- und Schwarzbereiche doppelt ausgelegt. Dazu kommt eine Lüftungsanlage, die laut Stadt prompt„durch Corona erhöhte Anforderungen an Arbeitsstättenrichtlinien“ erfüllen muss.

Prompt sind die Anforderungen an Arbeitsschutz durch Corona erhöht

Corona sei auch der Grund, warum zehn Projekte nicht angeschoben und umgesetzt wurden, deren Budgets jetzt kurzfristig den Mehraufwand für den Sozialraum finanzieren sollen. Firmen und Planer hätten nur eingeschränkt gearbeitet. Außerdem habe der Fachbereich Tiefbau nach dem Wegfall der Straßenausbaubeiträge neu geplant. Teurer werde es für die Gebührenzahler kaum, weil Baukosten über 50 Jahre abgeschrieben würden. Rechnerisch erhöhe sich der Preis pro Kubikmeter Abwasser bei 350.000 Euro Mehrkosten um 0,0035 Cent.

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