Gifhorner Schülerin schreibt Buch über Flucht aus Syrien

Gifhorn.  Die Gifhorner Berufsschülerin Zarah Alhelamy hat schon die Zusage von einem britischen Verlag bekommen. Eine deutsche Übersetzung ist geplant.

Zarah Alhelamy ist erst Mitte dieses Jahres in Wittingen angekommen.

Zarah Alhelamy ist erst Mitte dieses Jahres in Wittingen angekommen.

Foto: Privat / BZV

Zarah Alhelamy ist erst Mitte dieses Jahres in Wittingen angekommen, wohnt dort mit ihrer Familie – endlich an einem ruhigen Ort angekommen, an dem die 19-Jährige auch wieder an die Zukunft denken kann. „Mein Leben hat sich total gewandelt“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung, „eigentlich hatte ich keine Kindheit .“ Denn fünf Jahre lang war sie unterwegs seit der Flucht aus Syrien . Darüber hat sie nun ein Buch geschrieben, das 2021 in den Handel kommt.

„Als kleines Kind freute ich mich immer auf die Schule“, schreibt Alhelamy in einem Artikel auf der Homepage der Berufsbildenden Schulen I in Gifhorn , in der sie derzeit die Klasse HBESI 1.1 besucht. Sie erinnert sich genau: Nach einer Krankheit war sie glücklich, sich wieder auf den Weg dorthin machen zu dürfen. Aber: „Als ich ankam, sah ich nur noch Trümmer vor mir. Es hatte in der Nacht einen Luftangriff gegeben und alle meine Lehrer und sehr guten Freunde waren einfach weg.“

„Der Tod war für uns täglich sichtbar“

Alhelamy war elf Jahre alt, als der Krieg in ihrem Heimatland begann. „Meine Familie und ich sahen viele Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise ums Leben gekommen waren. Der Tod war für uns täglich sichtbar.“

Ihre Stadt in der Nähe von Aleppo wurde besetzt. Strom, Nahrung, Wasser wurden knapp oder exorbitant teuer, ein normales Leben fast unmöglich. „Wir hatten mitten im Krieg niemanden, der uns helfen konnte. Chaos und Leiden beherrschten unser Leben“, so die Schülerin.

„Es ging um das blanke Überleben“

Die Familie flüchtete, wollte mit einem Boot über das Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland übersetzen. „Wir wogen uns in Sicherheit. Aber es kam anders: Der ausländische Kapitän verstand unsere Sprache nicht. Im Boot war so viel Wasser, dass wir drohten, unterzugehen . Sieben lange Stunden vergingen, voller Angst und Hoffnung, unzähligen Gebeten. Das durchdringende Weinen und Schreien der anderen Passagiere brach nicht ab. Es ging um das blanke Überleben.“

Endlich in Griechenland angekommen war auch noch nicht alles gut: „Wir haben teilweise auf der Straße geschlafen.“ Zwei Jahre bleibt die Familie in dem EU-Land, dort lernt Alhelamy Englisch. Später darf die Familie nach Deutschland weiterziehen, landet erst in Berlin, dann in Fallingbostel und schließlich in Wittingen.

„Ja, wir sind Flüchtlinge, aber wir sind auch Menschen“

Die Geschichte ihrer Flucht möchte die junge Frau nun mit anderen teilen. „Ich will die Wahrheit verbreiten.“ Denn viele Ereignisse und Menschen würden sonst in Vergessenheit geraten. „Ja, wir sind Flüchtlinge , aber wir sind auch Menschen!“, sagt sie selbstbewusst.

Mehr als 100 Seiten hat die Neu-Wittingerin geschrieben – alles in Englisch, denn Deutsch lernt sie gerade erst. Aber eine Übersetzung ist für später geplant. Eine Zusage für die Veröffentlichung der englischen Version Anfang nächsten Jahres hat sie gerade vom britischen Verlag Bibliomania bekommen. „Refugee Memoirs“ möchte sie das Buch nennen, „Erinnerungen einer Geflüchteten“.

„Ich möchte mal Journalistin und Fotografin werden“

Kathrin Kebedies, ihre Klassenlehrerin an den BBS I, ist ihrer Schülerin bei der Buchübersetzung behilflich. Sie lobt ihre positive Lebenseinstellung : „Sie erfreut uns jeden Tag mit ihrem Lächeln.“ Alhelamy hat Pläne: „Ich möchte mal Journalistin und Fotografin werden, das ist mein Traum.“

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