Völkerverständigung mit Motorsense am Grenzdenkmal

Hötensleben.  Acht junge Menschen aus aller Welt arbeiten gemeinsam am Erhalt des Grenzdenkmals in Hötensleben und diskutieren das Thema Grenzen.

Praktische Arbeit am Grenzdenkmal und die Auseinandersetzung mit dem Thema Grenzen stehen im Mittelpunkt des 21. Internationalen Workcamps in  Hötensleben.

Praktische Arbeit am Grenzdenkmal und die Auseinandersetzung mit dem Thema Grenzen stehen im Mittelpunkt des 21. Internationalen Workcamps in Hötensleben.

Foto: Markus Brich

Sie will ihre Kenntnisse der deutschen Sprache vertiefen, junge Menschen aus anderen Ländern kennenlernen, mehr über die Geschichte und Politik Deutschlands erfahren: Nicole Barra aus Mexiko ist eine von acht Teilnehmern des 21. Internationalen Workcamps am Grenzdenkmal in Hötensleben. Die sieben weiteren Mitstreiter der 19-Jährigen stammen aus Ländern wie Frankreich, Weißrussland, Tschechien, Deutschland oder der Türkei. Gemeinsam packen sie in Hötensleben kräftig zu, helfen für drei Wochen bei der denkmalgerechten Pflege der historischen DDR-Grenzanlage.

Nach einer Einweisung in Sicherheitsregeln und Gerätehandhabung durch Gemeindearbeiter werfen die Campteilnehmer gleich am ersten Morgen ihres Freizeit- und Arbeitsaufenthalts die Motorsensen und Freischneider an, stutzen das wuchernde Gras auf einem Hügel rund um den ehemaligen Wachturm.

René Müller vom Grenzdenkmalverein und Sven Behrend, pädagogischer Mitarbeiter der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, stehen ihnen bei der praktischen Arbeit am Grenzdenkmal mit Rat und Tat zur Seite, ebenso wie der 19-jährige Jannik aus Berlin, der als Campleiter der Vereinigung Junger Freiwilliger (VJF) Berlin fungiert.

„Für die Zeit ihres Aufenthalts sind die Workcamp-Teilnehmer in Ferienwohnungen im Hötensleber Rathaus untergebracht“, erklärt René Müller, der sich seit Jahren für das Workcamp engagiert. Es ist ein Projekt des Grenzdenkmalvereins in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, der VJF sowie der Gemeinde Hötensleben und wird durch die Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur anteilig gefördert.

Das Thema Grenzen und wie sie überwunden werden können – es gibt wohl kaum einen besser geeigneten Ort in Deutschland als den ehemaligen Todesstreifen bei Hötensleben, an dem junge Menschen aus aller Welt sich darüber austauschen können. „Auch zwischen Mexiko und den USA trennt eine Grenze Familien“, sieht die 19-Jährige Nicole Barra Gemeinsamkeiten. Für Dina Kurch aus Weißrussland gibt es bei diesem Vergleich aber Unterschiede: „Die Grenze in Deutschland hat eine Nation getrennt.“ Das sei bei der Grenze in Amerika, aber auch bei der aktuellen Diskussion über Grenzen und Flucht in Europa anders, meint der 19-Jährige. „Menschen sterben bei dem Versuch, Grenzen zu überwinden. Ob heute bei der Flucht nach Europa oder damals bei dem Versuch, die innerdeutsche Grenze zu überwinden“, entgegnet ihm die Mexikanerin. Für sie stellt sich die Frage der Menschlichkeit und des Umgangs miteinander. Schon diese spontane Diskussion im Schatten des einstigen Grenzwachturms zeigt: Die nächsten Wochen bieten Gelegenheit für einen spannenden gegenseitigen Austausch und das Verständnis anderer Kulturen.

Neben der praktischen Arbeit am Grenzdenkmal in Hötensleben wartet auf die Workcamp-Teilnehmer mit dem „HistoryLab“ ein Geschichtsseminar in der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Am Ort des ehemals größten DDR-Grenzübergangs lernen die Teilnehmer die Geschichte des DDR-Grenzregimes im Kontext des Kalten Krieges sowie individuelle Grenzerfahrungen aus Ost und West kennen. Zudem stehen eine Exkursion nach Quedlinburg und ein Besuch im Schöninger Paläon sowie Disco und Grillen mit jungen Menschen aus der Region auf dem Programm.

Wie in jedem Jahr engagieren sich auch die örtlichen Vereine in Hötensleben wie der Schützenverein, die Feuerwehr, der Sportverein, der Verkehrsgarten Völpke, der Jugendclub und zahlreiche weitere Menschen in gemeinsamen Unternehmungen mit den internationalen Gästen.

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