Gastronomie tut sich schwer mit der Personalsuche

Helmstedt.  Die Gastronomie im Kreis Helmstedt sucht Mitarbeiter und wird oft nicht fündig. Wie lässt sich das erklären?

Andreas Krüger vom Hotel und Restaurant Krüger in Grafhorst mit seinem Koch Carsten Meyer in der Küche des Hauses.

Andreas Krüger vom Hotel und Restaurant Krüger in Grafhorst mit seinem Koch Carsten Meyer in der Küche des Hauses.

Foto: Erik Beyen

Das Gastronomie-Gewerbe im Landkreis Helmstedt hat ein Problem: Personal. Geeignete Servicekräfte und gute Köche sind rar. Bei den Auszubildenden sieht das nicht besser aus. Am Geld, sagt Andreas Krüger, der zweite stellvertretende Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Wolfsburg-Helmstedt, könne es nicht liegen. Krüger ist Inhaber eines Hotels und Restaurants in Grafhorst. Die meisten Betriebe zahlten übertariflich.

Die nackten Zahlen lesen sich zunächst unspektakulär. Wiebke Saalfrank von der Agentur für Arbeit in Helmstedt hat sie in einer Mail an unsere Zeitung aufgeschrieben. Demnach sind von 702 bei der Agentur gelisteten Stellen nur 29 unbesetzt. Diese Zahlen bezögen sich ausschließlich auf die Gastronomie ohne Hotellerie. In ganz Niedersachsen seien von 79212 Stellen 2362 unbesetzt. Bei den Auszubildenden sieht das anders aus: Im Berichtsjahr bis zum Beginn des Ausbildungsjahres Anfang dieses Monats waren von 17 ausgeschriebenen Stellen im Juli noch zehn unbesetzt. Soweit die Zahlen der Arbeitsagentur, ohne Dunkelziffern, versteht sich.

Wie aber sieht die Situation in den Betrieben aus? „Das eine hängt vom anderen ab“, sagt Andreas Krüger. „Gewinne ich einen zusätzlichen Koch, brauche ich zusätzliches Servicepersonal, um die Kapazitäten auch ausschöpfen zu können.“ Das Überangebot an Stellen in anderen Branchen im VW-Speckgürtel mache es der Gastronomie schwer. Man zahle übertariflichen Lohn, aber an die Löhne in der Industrie komme man nicht heran. Hinzu kämen die Arbeitszeiten und die Härte des Jobs. „Die Menschen unterschätzen das leicht“, sagt Krüger.

Für den Gastronomen aus Grafhorst liegt das Problem deutlich tiefer, unter anderem im Angebot. Deutsche Gastronomie gebe es kaum noch. „In kleinen Orten hält sich die Gastronomie doch ohne angeschlossene Hotellerie nicht mehr“, erklärte er, und: Der Personalmangel bedeute manchmal auch ein Einschränken der Kapazitäten. Letztlich schließe der Inhaber selber oder die Familie die Lücke.

Ein anderes Beispiel: In Wendhausen betreibt Sibylle Rademacher das Restaurant BS-Ost. Seit geraumer Zeit sucht die Gastronomin geeignetes Personal. Sie sieht ein Problem in der Bereitschaft der Menschen. Wenn sich jemand mit den Worten vorstelle, er müsse sich bei ihr bewerben, sei er schlichtweg nicht motiviert, erklärte Rademacher unlängst. Am Geld, da ist auch sie sich sicher, könne es nicht zwingend liegen. Apropos: Alle Gastronomiebetriebe müssen den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde zahlen. Viele Betriebe zahlten für Hilfskräfte im Service den HoGa-Tarif von 9,05 Euro, schreibt Wiebke Saalfrank von der Agentur für Arbeit. Die Löhne seien gestaffelt, so Andreas Krüger. Da spielten der Ausbildungs- und Erfahrungsstand eine wichtige Rolle. Grundsätzlich vergüteten die meisten Betriebe übertariflich.

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