Kläranlage Lehre für mehr Klimaschutz aufgerüstet

Lehre.  Ein Blockheizkraftwerk soll die Trocknung des Klärschlamms noch effizienter machen. Der Wasserverband Weddel-Lehre will so Emissionen einsparen.

Lars Gebauer in der Trocknungshalle: Das elektrische Schwein (links) walkt den Schlamm um.

Lars Gebauer in der Trocknungshalle: Das elektrische Schwein (links) walkt den Schlamm um.

Foto: Michael Uhmeyer / regios24

„Wer Umweltschutz zu seinem Beruf machen möchte, sollte in die Abwassertechnik gehen“, ist Sabine Walz vom Wasserverband Weddel-Lehre (WWL) überzeugt. Gemeinsam mit Verbandsvorsteher Günther Eichenlaub, Henning Koch, der beim WWL für Schmutzwasseranlagen verantwortlich ist und Lars Gebauer, der Fachkraft für Abwassertechnik, stehen wir auf dem Gelände der Kläranlage in Lehre. Neben den großen Klärbecken steht eine Trocknungsanlage. Sie sieht ein bisschen aus wie ein Treibhaus – aus gutem Grund, wie sich herausstellen wird. Hinter uns ist das Blockheizkraftwerk zu sehen. Es hat in diesem Sommer seinen Betrieb aufgenommen.

Was hat nun eine Kläranlage mit der Umwelt zu tun? So einiges, wie Henning Koch erklärt. Denn der Klärschlamm – sozusagen das Abfallprodukt des Reinigungsprozesses – kann wiederverwertet werden. Er eignet sich zum Beispiel als organischer Dünger und ist so für die Landwirtschaft interessant. „Das Problem ist, dass der Klärschlamm einen Wassergehalt von 98 Prozent hat“, sagt Koch. Bedeutet: Es braucht viele LKW, um den flüssigen Schlamm zu transportieren, und die stoßen Schadstoffe aus. Darum wird der Klärschlamm getrocknet, die Anlage steht seit 2007 in Lehre. Nun soll der Schlamm noch effizienter getrocknet werden, mithilfe des neuen Blockheizkraftwerkes. „Dadurch sparen wir etwa 75 LKW-Fahrten pro Jahr ein, da das Volumen des Klärschlamms bei der Trocknung sinkt“, sagt Koch.

Der Klärschlamm ist ein Gemisch aus Bakterien und Feinschwebstoffen, erklärt Lars Gebauer, als er die Tür zur Trocknungshalle öffnet. Der Schlamm wird von einem elektrischen Schwein durchgewalkt. Die Sonneneinstrahlung lässt das Wasser verdunsten, hier kommt der Treibhauseffekt der Halle ins Spiel. Und seit das Blockheizkraftwerk am Netz ist, kommt zusätzliche Wärme in die Halle. „Auf diese Weise verdunsten im Jahr 1650 Tonnen Wasser“, erklärt Henning Koch. 1000 Tonnen davon gehen auf das Konto des Blockheizkraftwerkes, den Rest schafft die Sonne.

WWL-Verbandsvorsteher Günther Eichenlaub will dieses Konzept in der Zukunft stärker nutzen: „Derzeit überlegen wir, auch das Klärwasser aus anderen Gebieten in die Kläranlage in Lehre zuzuleiten“, sagt er. Sie sei dafür groß genug. So könne erstens mehr Klärschlamm effizient getrocknet werden. Außerdem könne man so eine kleinere Anlage schließen. „Die Reinigungsprozesse werden in Zukunft teurer, da wir immer mehr Bestandteile herausfiltern müssen“, so Eichenlaub. Vor allem die Medikamente, die zum Beispiel über den Urin ins Abwasser gelangen und in immer größerer Zahl genommen werden, seien ein Problem.

Problematisch werden könnte dabei aber auch die Wiederverwendung des Klärschlamms, die das erklärte Ziel des WWL ist. Denn durch die Düngeverordnung sei es in vielen Bereichen nicht mehr gestattet, jeglichen Dünger zu bestimmten Zeiten auf bestimmten Feldern zu nutzen, so Eichenlaub. „Das wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen.“ Dabei sei der Klärschlamm vor allem im Vergleich zur Gülle kaum belastet. Weitere Verwendungsmöglichkeiten des Schlamms sei die Kompostierung; auch eine Verbrennung sei möglich, so Henning Koch. Hier werde aus der Asche Phosphor gewonnen. Phosphor oder Phosphat werde als wichtiges Düngemittel an die Pflanzen abgegeben, erklärt Sabine Walz.

Das neue Blockheizkraftwerk ist also eine Art zusätzliche Batterie für die Trocknungsanlage, wenn man so will. Eine Batterie, die Strom erzeugt, wie Lars Gebauer erklärt. „Es funktioniert wie ein Motor, der aus Erdgas Strom erzeugt“, so Gebauer, „dabei entsteht Wärme, die über Fernwärmeleitungen in die Trocknungshalle kommt.“ Das Kraftwerk produziere 70 Kilowattstunden elektrische Energie und 115 kWh thermische Energie. Der Strom werde ebenfalls vor Ort in der Anlage genutzt; was übrig bleibt, wird in den allgemeinen Stromkreislauf geleitet. „Dadurch können wir auf Atom-Strom oder Kohle-Strom verzichten“, betont WWL-Vorsteher Günther Eichenlaub, „auch so tragen wir zur Senkung der CO²-Emissionen bei.“ Zwar entstünden durch das Blockheizkraftwerk auch Schadstoffe. „Aber die halten sich in Grenzen im Vergleich zur Leistung, da es hocheffizient arbeitet“, erklärt Lars Gebauer. Er hofft, dass sich in Zukunft mehr junge Menschen für seinen Beruf interessieren werden. „Er ist anspruchsvoll und spannend, außerdem wichtig für die Gesellschaft und die Erhaltung des Klimas“, betont er.

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