Lieber Geld für mehr Qualität als für Beitragsfreiheit

Essenrode.   Die Grünen-Landtagsabgeordnete Julia Hamburg hört sich von Lehres Bürgermeister Andreas Busch die Probleme mit der Kinderbetreuung an.

Die Landtagsabgeordnete der Grünen besuchte die Kita in Essenrode (von links): Heike Meyerhof, Julia Hamburg, Sabine Günther und Andreas Busch.

Die Landtagsabgeordnete der Grünen besuchte die Kita in Essenrode (von links): Heike Meyerhof, Julia Hamburg, Sabine Günther und Andreas Busch.

Foto: Helge Landmann / regios24

Schwierige Zusammenarbeit mit der Landesbürokratie, Nachwuchsmangel, dünne Personaldecke oder Probleme durch die Beitragsfreiheit – auf ihrer Kita-Tour durchs südöstliche Niedersachsen wurde der Grünen-Landtagsabgeordneten Julia Hamburg in Essenrode ein großes Problempaket überreicht. „Ja, die beitragsfreie Betreuung für Kinder ab drei Jahren bringt für einkommensschwache Familien sicher Vorteile mit sich. Doch die Beiträge, zumal einkommensabhängig, waren nicht das große Problem. Wir hätten es besser gefunden, wenn das Geld des Landes in die Qualität der Betreuung statt in die Beitragsfreiheit geflossen wäre“, informierte Gemeindebürgermeister Andreas Busch die Grünen-Landtagsabgeordnete, die auch bildungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist.
Im Ergebnis erhöht die Beitragsfreiheit die Ausgaben der Kommunen, der gewährte Zuschuss seitens des Landes deckt nicht vollumfänglich die zusätzlichen kommunalen Kosten. „Zudem müssen wir viel Geld in die Hand nehmen, um den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen zu bedienen. Dazu bräuchten wir vom Land mehr Zuschüsse, um als verschuldete Kommune nicht noch tiefer in die roten Zahlen zu rutschen“, nannte Busch ein Beispiel dafür, wie das Land sein Geld besser angelegt hätte als es in die Beitragsfreiheit zu stecken.

Als „problematisch“ bezeichnete Sabine Günther, Leiterin der Essenroder Kindertagesstätte, die Personal- und Raumsituation. Immer mehr Aufgaben habe die Kita zu bewältigen, immer mehr Kinder seien zu betreuen, doch Geld für dringend benötigte Mitarbeiter sei nicht vorhanden. „Die Sprachförderung, immer mehr Krippenplätze, Ganztagsangebot – auf all das müssen wir reagieren und hier in Essenrode unter sehr beengten räumlichen Verhältnissen. Doch Zeit für Fortbildungen beispielsweise haben wir nicht. So etwas muss dann in der Freizeit laufen“, berichtete Günther.

Immerhin, so teilte Gemeindebürgermeister Busch mit, sei für das Jahr 2021 in Essenrode ein Kita-Neubau geplant. Um dafür ausreichend Betreuungspersonal rekrutieren zu können, forderten Busch und Günther schnellstmöglich die Erzieher-Ausbildung mit anderen Ausbildungen gleichzustellen. „Es muss eine Ausbildungsvergütung eingeführt werden. Sonst bleibt der Beruf unattraktiv, zumal auch später im Berufsleben die Entlohnung nicht üppig ist, obwohl Erzieher eine anspruchs- und verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben“, stellte Busch fest.

Aller Widrigkeiten zum Trotz wollte Kita-Leiterin Günther nicht nur klagen: „Wir haben hier in Essenrode viel Spaß bei der Arbeit, ich habe ein hochmotiviertes Team. Und so schaffen wir trotz der strukturellen Defizite das Wichtigste: Die Kinder fühlen sich wohl bei uns und mit Hingabe fördern wir die Entwicklung der Kurzen“, stellte Sabine Günther abschließend fest.

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