Ausstellung: Region im Nationalsozialismus

Helmstedt.  Die Schau erzählt die Geschichten von Personen, Bauwerken und Ereignissen von 1933 bis 1945 im Braunschweiger Land.

Bei der Ausstellungseröffnung: (von links) Ernst Gruber von der Volksbank, Rolf Owczarski (ehemaliger Kreisheimatpfleger), Bernd Felgenträger (Kreisheimatpfleger), Anna Lamprecht von der Braunschweigischen Landschaft und Harald Schraepler (Sprecher der Arbeitsgemeinschaft).

Bei der Ausstellungseröffnung: (von links) Ernst Gruber von der Volksbank, Rolf Owczarski (ehemaliger Kreisheimatpfleger), Bernd Felgenträger (Kreisheimatpfleger), Anna Lamprecht von der Braunschweigischen Landschaft und Harald Schraepler (Sprecher der Arbeitsgemeinschaft).

Foto: Alina Brückner

„Man kann nicht beim Sterben unglücklich sein, wenn man diesen Trost hat“, schrieb Fernande Mathieu am 7. August 1944 – dem Tag ihrer Hinrichtung – aus dem Strafgefängnis Wolfenbüttel an ihre Mutter. Die damals 23-Jährige schrieb von dem Trost, ein reines Gewissen zu haben, nach ihren Grundsätzen gehandelt zu haben. Denn sie war eine Widerstandskämpferin, hat sich gegen den Nationalsozialismus aufgelehnt und musste dafür mit dem Tod bezahlen.

Ihre Geschichte ist Teil der Ausstellung „Das Braunschweigische Land im Nationalsozialismus“, die bis zum 19. Dezember in der Volksbankfiliale in der Kornstraße in Helmstedt zu sehen ist. Erarbeitet wurde die Schau von der Arbeitsgruppe Heimatpfleger der Braunschweigischen Landschaft. 24 Ehrenamtliche haben 32 Tafeln gestaltet, die den Betrachter zurück in die Zeit des Nationalsozialismus führen sollen, zurück in die Jahre 1933-1945, zurück in „zwölf schwierige und auch furchtbare Jahre“, wie Harald Schraepler, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, sagt.

Eingeteilt in die Themenbereiche Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Infrastruktur, geben die Tafeln exemplarische Einblicke in die Zeit des Nationalsozialismus in unserer Region. Mit einbezogen wurden dafür die Städte des alten Landes Braunschweig und der Braunschweigischen Landschaft.

So wird beispielsweise die Harzburger Front in Bad Harzburg thematisiert, ebenso wie Hitlers Einbürgerung im Jahre 1932 in Braunschweig, die Zwangsarbeit im Volkswagen Werk, die Zerstörung der Synagoge in Seesen und der Thingplatz in Holzminden. Nah und unmittelbar soll die Ausstellung sein, ein Appell an die Besucher, sich „kritisch mit dem Zeitraum auseinanderzusetzen“, sagt Schraepler.

Deshalb wird die Wanderausstellung auch stets an Orten gezeigt, die unmittelbar mit der Geschichte verknüpft sind. So war sie bereits in Peine und in Wolfenbüttel zu sehen. Und so ist es auch kein Zufall, dass sie nun in Helmstedt gezeigt wird. Denn eine Tafel beschreibt auch das Kriegsende im Landkreis Helmstedt. Schraepler erzählt beim Pressegespräch vom 12. April 1945, als die Amerikaner sich mit den amerikanischen „Panzerspitzen“ dem Landkreis Helmstedt näherten. „Einige sind mit weißen Fahnen auf die Straßen gegangen“, sagt der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft. Anders als in Braunschweig, wo Kreisleiter Heilig noch den Widerstand zu organisieren suchte.

Auch Königslutter, Bornum und Groß Steinum spielen beim Erzählen dieser Geschichte eine Rolle. Der 22. April wurde bei der Dokumentation ebenso eingefangen wie der 12. April. Denn dort wurden in Bornum Granatwerfer aufgestellt, die in den Elm feuerten. Sie waren Teil des 39. Panzerkorps, Teil der drei Divisionen, die auf Weisung Hitlers aufgestellt worden. Eine davon, die Division Clausewitz, sollte hinter dem Rücken der Amerikaner in den Harz vorstoßen. Es ist Geschichte, die zu diesem Landkreis gehört und die ihn beeinflusst hat. Aufgearbeitet und erzählt mit Worten und Bildern, die diesen Teil der über 800 Jahre alten Geschichte des Braunschweiger Landes unvergessen machen sollen.

Gerade in Zeiten wie diesen, in denen das Erinnern an den Nationalsozialismus wichtiger denn je sei, wie Anna Lamprecht, Geschäftsstellenleiterin der Braunschweigischen Landschaft, betont: „Vor allem nach den Ereignissen in Chemnitz ist das Bewusstsein bei den Menschen vielleicht nochmal ein anderes für diese Thematik.“ Dem schließt sich auch Schraepler an, der sich eigentlich nur eines wünscht: „Ich hoffe, dass solche Verhältnisse nie wieder kommen und dass wir den Frieden auch für die Jugend erhalten können.“

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