85-Jähriger bestreitet Missbrauchs-Vorwurf

Schöningen.  Der Tatvorwurf wiegt schwer: Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in sechs Fällen steht ein 85-jährigen Schöninger vor dem Landgericht.

Ein 85-jähriger Schöninger muss sich vor dem Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs verantworten.

Ein 85-jähriger Schöninger muss sich vor dem Landgericht wegen sexuellen Missbrauchs verantworten.

Verhandelt wird seit Montag vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts Braunschweig unter Vorsitz von Richterin Daniela Kirchhof über einen mutmaßlichen Tatzeitraum von 2008 bis 2013. Laut Anklage werden dem Beschuldigten sechs Vergehen an einem Schüler zur Last gelegt, der zu Beginn des Tatzeitraums 12 Jahre alt war. Der heute in einem Seniorenheim lebende 85-Jährige soll sich seinerzeit in seiner damaligen Wohnung in Schöningen dem Opfer genähert und sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen haben. „Laut Zeugenaussage des Opfers soll der 12-Jährige vom Angeklagten auf der Straße angesprochen worden sein und unter dem Vorwand, ihm bei seinen Hausaufgaben helfen zu wollen, in die Wohnung gelockt worden sein“, sagte Staatsanwalt Ulrich Brunke.

Der Angeklagte beantwortete am ersten Verhandlungstag alle Fragen zu seiner Person. Danach teilte der 85-Jährige mit, dass er die Taten bestreite und sich im weiteren Prozessverlauf nicht mehr zu den Anschuldigungen äußern werde. Am ersten Prozesstag ging es vor allem darum, ob der Angeklagte verhandlungsfähig ist oder nicht.

Dazu trug ein Sachverständiger seine Einschätzung vor. Weil intime Details der Privatsphäre des Angeklagten dargelegt wurden, war die Öffentlichkeit beim Vortrag des Gutachters ausgeschlossen. Wie einer kurzen Stellungnahme eines anderen Sachverständigen nach dem Vortrag des Gutachters zu entnehmen war, ist der Angeklagte offenbar verhandlungsfähig. „Er kann der Verhandlung folgen, seine Orientierung ist nicht beeinträchtigt“, betonte der Sachverständige.

Am Ende des ersten Verhandlungstages legte Urs-Erdmann Pause, der Rechtsanwalt des Angeklagten, Widerspruch gegen die Verwendung der Video-Vernehmung des mutmaßlichen Opfers ein. Pause anerkannte zwar die Funktion des Opferschutzes, die eine Video-Vernehmung biete, sah aber das Konfrontationsrecht seines Mandanten über Gebühr eingeschränkt. Über den Antrag von Rechtsanwalt Pause bezüglich der Verwendung der Video-Vernehmung vor Gericht entscheidet die zweite Strafkammer des Landgerichts bis zum nächsten Verhandlungstermin, der auf Mittwoch (Beginn: 9 Uhr) festgelegt worden ist.

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