Nachfolger für Café am Markt in Königslutter gesucht

Königslutter.  Familie Scharping gibt ihr Familiengeschäft in Königslutter zum Ende des Jahres auf. Die Suche nach einer Nachfolge ist nicht so einfach.

Gisela Scharping vor dem Café, das ihre Eltern gegründet haben.

Gisela Scharping vor dem Café, das ihre Eltern gegründet haben.

Foto: Hans-Jürgen Trommler / regios24

Es sei eine Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge, erzählt Gisela Scharping. Denn in dem von ihren Eltern 1962 in Königslutter gegründeten Café am Markt steht ihr letztes Arbeitsjahr bevor.

Gisela und Martin Scharping suchen eine Nachfolge für ihr Geschäft. Aus Altersgründen, sagt sie: „Mein Mann ist 66 Jahre alt und ich werde 63 Jahre. Unsere Freunde sind alle schon im Ruhestand, irgendwie ist es an der Zeit.“

Der Gedanke zur Schließung sei schon seit Jahren gereift und hing mit gesundheitlichen Gründen ihres Mannes zusammen. Zunächst sei es darum gegangen, kürzer zu treten. Daraus resultierte, dass Scharpings 2015 das Dom Café aufgaben – genau 30 Jahre, nachdem das Ehepaar es gegründet hatte. Jetzt folgt mit der Aufgabe des Geschäfts am Markt also der nächste Schritt.

„Es ist nicht so einfach und schon emotional“, beschreibt Gisela Scharping ihre Gefühlslage. Schließlich handele es sich um einen Familienbetrieb, in dem drei Generationen gearbeitet hätten. „Letztendlich war ich sechs Jahre alt, als meine Eltern das Café gegründet haben. Ich bin darin aufgewachsen und habe alle Höhen und Tiefen erlebt“, erzählt sie.

Obwohl die Entscheidung lange gereift sei, habe es dann doch einen Moment gegeben, der sie noch einmal richtig Überwindung gekostet hätte: Als sie zum Ende des vergangenen Jahres das Schild außen am Geschäft aufhängen wollte, dass ein Nachfolger gesucht werde. Eine Woche habe es unter dem Tresen gelegen, bevor sie es schließlich angebracht habe. „Es beschreibt doch die Endgültigkeit. Damit geht auch ein Stück Tradition verloren.“

So sähen das auch die Kunden, die sich traurig und besorgt zeigten, ob denn jemand nachfolgen werde. Letztendlich hätten die Gäste aber Verständnis für die Entscheidung.

Noch ist kein Nachfolger gefunden, aber die Suche laufe. Unter anderem in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer in Braunschweig, die ein Exposé für das Café erstellt habe und damit bundesweit auf Suche gehe. Denn es sei schon zu erkennen, dass die Suche nicht so einfach werde. „Es gibt nur noch wenige Konditoren, obwohl das so ein schöner Beruf ist“, stellt Gisela Scharping fest. Und eigentlich gehe der Trend auch wieder zum Selbstgemachten, Individuellen. Die Nachfrage sei groß. „Wir haben beispielsweise noch nie so einen starken November und Dezember wie letztes Jahr gehabt“, betont sie.

Gisela Scharpings Hoffnung sei, jemanden zu finden, der genauso viel Herzblut in das Geschäft steckt, wie sie und ihr Mann es getan haben. Vor allem für die treuen Kunden, zu denen über die Jahre Verbundenheit gewachsen sei. Einige brächten jetzt sogar Erinnerungsstücke und Bilder vom Café.

Nichtsdestotrotz: Die Entscheidung stehe fest, am 31. Dezember sei Schluss. Ihr Engagement für Königslutter werde Gisela Scharping aber beibehalten, verspricht sie. Dazu gehört der Einsatz für die Weihnachtsbeleuchtung, um die sie sich weiterhin zusammen mit Frank Kolbe kümmern werde. „Das ist das beste Beispiel, dass man eben doch etwas bewegen kann. Nach schweren Zeiten hat sich das so positiv entwickelt, und wir bekommen so viel Zustimmung, dass der Einsatz richtig Spaß macht“, steht für Gisela Scharping fest. Königslutter bleibe dem Ehepaar wichtig. Dort habe es schließlich seine Wurzeln.

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