Hochzeitsfeier wegen Stromausfalls abgesagt

Mariental.  Im Marientaler Gemeindezentrum und im Restaurant „Alte Wache“ blieben am Sonnabend die Lichter bis weit nach Mitternacht aus.

Kurzschlüsse kommen auch in Trafostationen und Erdkabeln vor. Die Fehlersuche und -behebung gestalten sich dann mitunter kompliziert.

Kurzschlüsse kommen auch in Trafostationen und Erdkabeln vor. Die Fehlersuche und -behebung gestalten sich dann mitunter kompliziert.

Foto: Archivfoto: Heine-Laucke

Die Pannenserie beim Energieversorger Avacon reißt nicht ab. Drei Tage nach dem großflächigen Blackout im Kreis Helmstedt sind am Wochenende mehrere Orte gleich für mehrere Stunden vom Stromausfall betroffen gewesen (wir berichteten).

Wie sich nun herausstellt, hatten die technischen Fehler im Mittelspannungsnetz am Sonnabend auch tragische Folgen. So musste eine Hochzeitsfeier im Gemeindezentrum Mariental abgesagt werden, weil dort ab 17 Uhr kein Strom zur Verfügung stand. Die eingeladenen Gäste waren bereits eingetroffen, mussten aber später wieder abreisen, nachdem sie lange vergeblich auf die Behebung des Fehlers gewartet hattet.

Marientals Bürgermeister Fred Worch soll noch dutzendfach Kerzen besorgt haben, doch ohne Strom für Kühlung und Musik war die Feier nicht zu retten. Die Gesellschaft habe die Feier schließlich enttäuscht abgebrochen und sie daheim in Helmstedt fortgesetzt. „Wir müssen nun über Schadensersatz nachdenken, weil wir Vermieter des Saales, am Stromausfall aber schuldlos sind“, sagte Gemeindedirektor Friedrich Rietz in einem Telefonat mit unserer Zeitung.

Auch das Restaurant „Alte Wache“ in Mariental-Horst war vom Stromausfall betroffen. Inhaber Martin Klein beziffert den Schaden vorerst auf über 1000 Euro. 30 angemeldete Gäste musste sein Team demnach wieder nach Hause schicken. Vorbereitetes Fleisch, frischer Salat und Eis habe man wegwerfen müssen. „Ohne Kühlung sind diese Waren nicht mehr für den Verzehr geeignet“, so Klein. Auch er stellt nun die Frage nach Schadensersatz. Er werde prüfen, ob das die Versicherung übernimmt oder er sich an Avacon wenden muss.

Kritisch hätte es auch im DRK-Seniorenhaus werden können. Doch dort konnte der Betrieb aufrecht erahlten werden, wie Pflegedienstleiterin Katja Gräulich am Telefon erklärte. „Unsere Notbeleuchtung funktionierte und die Klingelanlage lief über Akkus“, berichtete sie. Im Haus lebe ein einziger Bewohner mit Sauerstoffgerät. Das diene aber lediglich zur Unterstützung. Der Bewohner sei auch ohne das Gerät klargekommen. „Im Zweifel haben wir mobile mit Batterien betriebene Geräte im Hause“, so Gräulich. Vor diesem Hintergrund hätten Haus und Bewohner den Stromausfall unbeschadet überstanden. „Wir konnten die Menschen regulär versorgen.“

Die Avacon hatte zunächst angegeben, dass es bis zum Abend gedauert habe, ehe der Strom wieder fließen konnte. Aus Schöningen waren sogar Monteure mit Notstrom-Aggregaten angerückt. In den Gebäuden westlich vom Tulpenhof kam ihre Hilfe jedoch nicht an. Dort blieb es bis weit nach Mitternacht dunkel.

Was zum Komplettausfall geführt hat, fasst Kirsten Fricke von der Avacon wie folgt zusammen: „Es ist der sehr seltene Fall aufgetreten, dass es innerhalb einer Ringleitung zwei Fehler gegeben hat. Der erste um 11.55 Uhr im Bereich der Trafostation Tulpenhof, der zweite ab 16.50 Uhr zwischen den Trafostationen Rennauer Straße und Weidenkamp in Barmke.“ In beiden Fällen lagen die Kabel im Erdreich; erst Messungen konnten ergeben, wo genau.

Fachleute sprechen von einem Erdschluss, wenn Erde beziehungsweise Feuchtigkeit in Berührung mit der Stromleitung kommt. Die Wirkung ist dieselbe, die ein Kurzschluss im Haushalt hat: Die Leitung kollabiert. Was manchmal bei Grabungsarbeiten vorkommt – gemeint ist das versehentliche Beschädigen der Ummantelung – kann auch durch scharfkantige Steine ausgelöst werden. Ist der Fehler gefunden, wird er mit dem Anlegen einer Muffe behoben.

Ganz anders habe der Fall am vergangenen Mittwoch gelegen. Ursache für den Stromausfall in und um Helmstedt sei eine fehlerhafte Schaltung im Umspannwerk Helmstedt-Büddenstedt gewesen, die bei Modernisierungsmaßnahmen aufgetreten sei. Ob Bedienfehler oder eine Panne in der elektronischen Steuerung die eigentliche Ursache war: Nach 20 Minuten war der Blackout behoben.

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