Endlager-Forschung in Helmstedt?

Helmstedt.  Zwei Vorschläge der Kohlekommission des Bundes für den Strukturwandel im Helmstedter Revier haben aufhorchen lassen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Mitte) schauten sich vor einigen Tagen gemeinsam die Schachtanlagen Asse und Konrad an. Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, und Stefan Studt, Chef der Endlagergesellschaft BGE, nahmen daran teil. Unser Foto entstand im Schacht Konrad in Salzgitter.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Mitte) schauten sich vor einigen Tagen gemeinsam die Schachtanlagen Asse und Konrad an. Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, und Stefan Studt, Chef der Endlagergesellschaft BGE, nahmen daran teil. Unser Foto entstand im Schacht Konrad in Salzgitter.

Foto: Bernward Comes

Im Abschlussbericht tauchen eine Forschungsstelle Endlagerung und ein Entwicklungszentrum Rückholung auf, die beide unter der Regie der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) aus Peine stehen sollen.

Die Forschungsstelle soll alle Kompetenzen zum Thema Endlagerung an einem Standort vereinen. Die BGE ist seit April 2017 für die Atommüll-Endlager Konrad und Morsleben, die Schachtanlage Asse und die Suche nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland verantwortlich. Das Entwicklungszentrum Rückholung steht in engem Zusammenhang mit den Vorgängen in der Asse, wo schwach- und mittelradioaktiver Abfall eingelagert ist und eine Rückholung dieses Abfalls immer wieder diskutiert wird.

Die in einem Helmstedter Entwicklungszentrum zu erarbeitenden Kompetenzen für die Rückholbarkeit von Atom-Abfällen wären laut Bericht der Kohlekommission von großer Bedeutung auch für den Umgang mit hochradioaktivem Material in den Endlagern. Wörtlich heißt es im Bericht: „Der Standort Helmstedt mit seinen infrastrukturellen, fachlichen, technischen und personellen Ressourcen hinsichtlich bergbaulicher Tätigkeiten würde hierfür eine sehr gute Ausgangslage liefern.“

Ob und wann es zu einer Umsetzung dieser Vorschläge kommen könnte, ist allerdings noch völlig offen. Das bestätigte am Montag die Pressesprecherin der BGE, Monika Hotopp, auf Anfrage. „Das Ganze muss erst einmal auf seine Machbarkeit geprüft werden.“ Zudem seien viele andere Fragen im Zusammenhang mit der Endlager-Standortsuche und der Rückholung radioaktiver Abfälle noch zu klären.

„Wie wir in den vergangenen Tagen anlässlich der Befahrung der Asse und dem anschließenden Bürgerdialog von der Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Landesumweltminister Olaf Lies hören konnten, steht das Thema Rückholung der atomaren Abfälle aus der Asse nicht nur bei der BGE hoch im Kurs, sondern auch bei Bund und Land“, teilte Hotopp unserer Redaktion in einer E-Mail mit. Für die zweite Hälfte dieses Jahres habe der Vorsitzende der Geschäftsführung, Stefan Studt, den Entwurf einer Gesamtkonzeption für den Komplex Rückholung angekündigt. Dieser sei dann mit den zu beteiligenden Behörden wie dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) und dem Landesbergamt abzustimmen und mit den Bürgern vor Ort zu diskutieren.

BfE-Präsident Wolfram König, so Hotopp weiter, habe in der aktuellen Öffentlichkeitsveranstaltung deutlich darauf hingewiesen, dass er einer Rückholung nur zustimmen werde, wenn alle berg- und atomrechtlichen Voraussetzungen vorliegen würden. Dazu gehöre insbesondere die Bergetechnik, für die unter den gegebenen Umständen keine Blaupause existiere. Umweltminister Olaf Lies habe den Vorschlag unterbreitet, diese Berge- und Rückholtechnik in der Region und nicht in anderen Teilen Deutschlands oder der Welt zu entwickeln. „Diesen Gedanken hat die BGE mit Interesse zur Kenntnis genommen“, teilte Hotopp mit.

Der Forschungsbedarf in Sachen Endlagerung und Rückholung sei groß, das lasse sich eindeutig sagen, so Hotopp. Die Forschungsstelle Endlagerung und das Entwicklungszentrum Rückholung könnten, müssten jedoch nicht am gleichen Standort angesiedelt werden. „Sie sind getrennt voneinander zu betrachten“, sagte die BGE-Sprecherin. Wichtige Grundlagen solle der Workshop „Forschungs- und Entwicklungsbedarf der BGE gemäß Standortauswahlgesetz“ liefern, der am 19. und 20. März in Braunschweig stattfinden werde.

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