Gutes Zeugnis für den Helmstedter Markt

Helmstedt.  Wenn jemand etwas über den Helmstedter Markt sagen kann, dann ist das Hans-Georg Nöbel. Der Zweirad-Händler lebt dort seit seiner Geburt.

Der Zweiradhändler Hans-Georg Nöbel lebt seit seiner Geburt im Jahr 1950 am Helmstedter Markt. Er kennt sich also aus.

Der Zweiradhändler Hans-Georg Nöbel lebt seit seiner Geburt im Jahr 1950 am Helmstedter Markt. Er kennt sich also aus.

Foto: Michael Strohmann

Nöbel ist niemals umgezogen. Der Platz im Zentrum der Stadt liegt ihm also im Blut – und am Herzen. „Der Markt hat sich toll entwickelt“, erzählt der 68-Jährige eingangs unseres Gespräches über die aktuelle Situation in der Altstadt.

Nöbel kann die Geschichte des Marktes in Anekdoten erzählen, er hat Dutzende davon auf Lager. Er hat den Verkehr der 60er Jahre noch vor Augen, als die heutige Fußgängerzone der Neumärker Straße als Bestandteil der Bundesstraße 1 und der sich anschließende Markt von Autos wimmelten. „Da herrschte jede Menge Leben auf dem Markt und in der Mitte war ein großer Parkplatz mit einem Parkwächter“, erinnert sich Nöbel. Es war die Zeit des Zonenrandes, der Grenze, der Isoliertheit. Helmstedt war eine Insel, auf der auch US-amerikanische und britische Militärangehörige dienstlich gestrandet waren. Eine durchaus wilde Zeit, meint Nöbel. „Die Helmstedter waren mehr unter sich und Kneipengänger bevölkerten am Wochenende die Zone zwischen Markt und oberem Papenberg“, berichtet der 68-Jährige mit einem Lächeln wie unter Eingeweihten. „Aber so, wie es heute ist, ist es auch nicht schlecht“, schiebt er hinterher und meint damit wieder ausschließlich den Markt.

Noch vor einigen Jahren seien die Fußgänger oft umgedreht, wenn sie das Ende der Neumärker erreicht hatten. „Da wurde kurz auf den verkehrsberuhigten und leeren Markt geschaut und auf dem Absatz kehrt gemacht.“ Einige Veränderungen der jüngeren Vergangenheit, so Nöbel, hätten dem Markt wirklich gut getan. „Das Eiscafé ist ein echter Gewinn, es bringt gastronomisches Leben auf den Platz und ergänzt gut den Erbprinzen als Gaststätte und den Ratskeller.“

Was jetzt noch fehle, so Nöbel, sei ein gemütliches Café auf der Ostseite des Marktes, als Gegenstück zum Eiscafé. Im Gebäude Markt 3 habe es das Café Kaffeeklatsch gegeben, nun seien die Räume zu mieten. „Vielleicht unternimmt jemand einen neun Anlauf, mit großzügigen Öffnungszeiten“, hofft Nöbel.

Der Zweirad-Händler ist selbst Vermieter am Markt. In der Hausnummer 4 öffnet am Montag der Barber-Shop Moolah. 13 Jahre lang hatte dort eine Änderungsschneiderei ihren Platz. „Ich habe fast ein Jahr lang nach einem geeigneten Mieter gesucht“, erzählt Nöbel. Ihm schwebte etwas Solideres vor als ein Nagelstudio oder eine Imbissbude. „Mal schauen, wie sich die Geschäfte für die Friseurläden entwickeln“, sagt der 68-Jährige und verweist auf die Tatsache, dass es nun nach einer Neueröffnung in der Kybitzstraße und mit dem Barbier am Heinrichsplatz drei Angebote in dieser Sparte auf recht engem Raum gebe.

Unter dem Strich: In fast optimaler Verfassung also, der Helmstedter Markt? Nicht ganz, meint Nöbel. „Auf den öffentlichen Sitzbänken wird tagsüber viel Alkohol konsumiert, mit Gegröle zum Teil. Und nach 19 Uhr gibt es hier gerne mal Remmidemmi mit lauter Musik.“ Die Stadt sei informiert, aber Abhilfe nicht in Sicht. „Man darf nicht vergessen , dass rund um den Markt immer noch einige Leute wohnen, meist über den Läden. Die wollen auch mal ihre Ruhe haben, das ist doch nur verständlich.“

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