Dem Geheimnis des Grabens der Hünenburg auf der Spur

Watenstedt.  Wissenschaftler Martin Posselt kartiert den Untergrund der bronzezeitlichen Anlage mit Hilfe des Erdmagnetfeldes.

Mit einem Magnetometer nehmen Wissenschaftler Martin Posselt (49) und sein Praktikant Thomas Busley (22) geomagnetische Untersuchungen im Innenraum der Hünenburg bei Watenstedt vor.

Mit einem Magnetometer nehmen Wissenschaftler Martin Posselt (49) und sein Praktikant Thomas Busley (22) geomagnetische Untersuchungen im Innenraum der Hünenburg bei Watenstedt vor.

Foto: Markus Brich

Was verbirgt sich im Untergrund des Innenraums der Hünenburg bei Watenstedt? Wo lohnt es sich für Archäologen, den Spaten anzusetzen? Der Darmstädter Wissenschaftler Martin Posselt liefert zur Beantwortung dieser Fragen einen wesentlichen Beitrag.

Mit einem hochempfindlichen Magnetometer analysiert der 49-Jährige am Dienstag das Erdmagnetfeld im Innern des bronzezeitlichen Burgareals. Die Sensoren des kleinen Wagens, mit dem der Archäologe Bahn für Bahn die Wiese auf dem Burgplateau abschreitet, sind so sensibel, dass Posselts Praktikant sogar die Schuhe wechseln musste: „Vermutlich haben die Ösen seiner Turnschuhe die Messergebnisse beeinflusst“, erklärt Posselt.

Mit Hilfe seiner Technik registriert der Wissenschaftler alle Störungen des natürlichen Erdmagnetfeldes. „Die Abweichungen von der Norm können verschiedene Ursachen haben. Verursacht werden sie zum Beispiel von archäologisch relevanten Relikten wie Knochen, Scherben oder Metallen oder aber auch von geologischen Strukturen wie Steinformationen“, erläutert der 49-Jährige. Die satellitengestützte Erfassung der Messergebnisse ermöglicht es Posselt, aus den Daten per Computer eine zentimetergenaue Kartierung des Untergrundes zu erstellen. Sie dient dem Göttinger Archäologen und Grabungsleiter Dr. Immo Heske, bei der Entscheidung, wo sein Team aus zehn Studenten mit dem Erdaushub beginnt.

Im Zentrum der diesjährigen Grabungskampagne steht die Frage, welche Funktion ein Graben gehabt hat, der einst von den Bewohnern im Inneren der Wallanlage acht Meter breit und bis zu drei Meter tief ausgehoben wurde.

„Dieser massive Graben verlief offenbar in einem großen Bogen parallel zur Innenseite des Walls auf der Hünenburg“, sagt Doktorand Tobias Uhlig. Die Funktion des Grabens sei für die Göttinger Archäologen vor allem deshalb interessant, „weil wir nach wie vor noch nicht genau wissen, was in dieser Innenfläche der Burg genau stattgefunden hat“.

Die Funde außerhalb der Burg belegten, dass die Anlage einst ein wichtiges überregionales Zentrum gewesen sei. „Wir wissen, dass unten in der Arbeitssiedlung die Handwerker und Bronzegießer angesiedelt waren. Aber was ist oben im Burginneren passiert? In diesem geschützten Areal müssten doch dann noch viel spannendere Sachen passiert sein“, vermutet der 27-Jährige. „Ebenso interessiert uns die Frage, wo ursprünglich der Hauptzugang der Burganlage gelegen hat.“ Die aktuellen geomagnetischen Untersuchungen von Martin Posselt, so hoffen die Göttinger Wissenschaftler, könnten helfen, diese Antwort zu finden.

Über den Verlauf und die Ergebnisse der diesjährigen Grabung werden Archäologe Immo Heske und sein Team alle Interessenten am Sonntag, 25. August, beim „Tag der Grabung“ aus erster Hand informieren. Führungen über das Areal werden dann jeweils um 11, 13 und 16 Uhr angeboten. Für einen Imbiss ist gesorgt. Die Teilnahme am „Tag der Grabung“ ist kostenlos.

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