KVHS in Helmstedt – ein Ort für soziale Begegnungen

Helmstedt.  In Zeiten von Hasstiraden gegen alles und jeden und einer Zerstörung der Dialogkultur haben Orte wie die KVHS Helmstedt ganz besondere Bedeutung.

Dietmar Reinert, Direktor der KVHS Helmstedt, mit dem Wintersemester-Programm 2019.

Dietmar Reinert, Direktor der KVHS Helmstedt, mit dem Wintersemester-Programm 2019.

Foto: Michael Strohmann

„Volkshochschulen schaffen den Raum für soziale Begegnung und vernünftige Gespräche“, unterstreicht der Leiter der Helmstedter Kreisvolkshochschule (KVHS), Dietmar Reinert, am Dienstag bei der Vorstellung des Wintersemester-Programms 2019. Diese Festellung ist ihm ein Anliegen und sie zeigt, wie sehr sich die Zeiten wandeln. In einem Raum zu sitzen, sich anzuschauen und Meinungen direkt auszutauschen, geduldig, respektvoll, überlegt, das ist eine Umgangs- und Bildungsform, die nicht mehr selbstverständlich ist. „Volkshochschulen sind politisch nicht gebunden, daher sind sie geeignet als Orte für Diskurse“, sagt Reinert und eine Ausstellung soll den Helmstedtern demnächst vor Augen führen, was ihre Volkshochschule seit 100 Jahren leistet.

Die Mitarbeiterin Sylvia Kaspczyk ist verantwortlich für das Ausstellungsprojekt. Sie hat Informationen gesammelt zur 100-jährigen Geschichte der Volkshochschulen in Deutschland und im Kreis Helmstedt, der seit 1974 über eine KVHS verfügt. Beim Dozenten-Frühstück am 31. August, das als kleine Jubiläumsfeier gedacht ist, wird die Ausstellung eröffnet. Vom 2. September an kann sie in den Fluren der KVHS, Bötticherstraße 2, besichtigt werden.

Noch einmal wird es gesellschaftspolitisch bei diesem Pressetermin. Die Sorgen um eine Spaltung der Gesellschaft und eine zunehmende Lagerbildung macht vor den Toren der KVHS eben nicht Halt. „Wenn in einem Dorf in Ostdeutschland mit 1500 Einwohnern elf Ausländer leben und die Menschen in diesem Dorf die Flüchtlingsfrage als wichtigste politische Frage einstufen, dann muss uns das nachdenklich stimmen“, erzählt Reinert. An der KVHS in Helmstedt, lobt Reinert, sei es bislang zu keinerlei Problemen zwischen den Stammhörern und den zahlreichen Ausländern gekommen, die vor allem die Deutsch-Kurse besuchen. Und wir reden hier nicht von elf Flüchtlingen, sondern von 400 pro Semester.

Ein anderes großes Thema: die Digitalisierung. Seit einem Jahr gibt es bundesweit die VHS-Cloud. Dozenten und Teilnehmer können dort Material für den Unterricht herunterladen. Vom nächsten Semester an will die KVHS stärker in die Nutzung dieses Angebots einsteigen. „Wir möchten uns ein Konzept dafür machen, um den Teilnehmern und Dozenten die neuen Möglichkeiten näherbringen zu können.“ Diese digitalen Angebote sollen laut Reinert kursbegleitend eingesetzt werden. An regelrechte Online-Seminare werde noch nicht gedacht.

Ein paar Schlaglichter aus dem aktuellen Semesterangebot: „Gesundes Leben“ nimmt wieder breiten Raum ein, die Nachfrage ist groß. Neu: Multi Style Yoga, ein Mix aus mehreren Yoga-Richtungen. Für einen Tango-Workshop am 14./15. September rechnet Reinert mit starkem Publikumsinteresse, das Thema ziehe derzeit einfach. Erstmals im Programm: „Deutsch für Job & Alltag“-Kurse. Sie richten sich an Auszubildende und Berufstätige – nicht nur mit Migrationshintergrund. Das Heft mit dem vollständigen Wintersemester-Programm liegt an vielen öffentlichen Stellen aus.

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