Street Poetry – Veranstalter macht in Helmstedt nicht weiter

Helmstedt.  Das Ende der Street Poetry-Abende im Brunnentheater scheint gekommen zu sein. Organisator Dominik Bartels und die Stadt finden keine Einigung.

Unser Archivfoto zeigt einen Street Poetry-Abend im Brunnentheater von 2015 mit den Siegern Paul Weigl (links) und Volker Strübing (rechts). Sie dankten dem Organisatoren Dominik Bartels (ganz links).

Unser Archivfoto zeigt einen Street Poetry-Abend im Brunnentheater von 2015 mit den Siegern Paul Weigl (links) und Volker Strübing (rechts). Sie dankten dem Organisatoren Dominik Bartels (ganz links).

Foto: Specht, Melanie

Dominik Bartels, nicht nur in Helmstedt so etwas wie der „Mr. Poetry Slam“, ist verärgert und kündigt an, dass es nach zwölf erfolgreichen Jahren bis „bis auf Weiteres“ keinen Street Poetry-Abend mehr in Helmstedt geben wird. Der Grund: Die Stadt wolle mehr Geld für die Nutzung des Brunnentheaters und habe ihm zudem die Erhöhung der Eintrittspreise nahegelegt, erklärte Bartels im Dialog mit unserer Zeitung. Beides sei für ihn nicht zu akzeptieren.

Bislang, so der 45-Jährige, erhalte die Stadt 20 Prozent aller Ticketeinnahmen. Diese Regelung existiere seit einigen Jahren und er sei „völlig einverstanden“ damit. Die Stadt müsse sich bei der Ausrichtung der Street Poetry Abende um nichts kümmern, ergänzt Bartels. „Alle Arbeiten und das gesamte finanzielle Risiko bleiben auf meiner Seite. Ich organisiere und buche die Künstler, ich moderiere den Abend, sorge für Hotels und das Catering, bezahle die Gagen und Fahrtkosten, kümmere mich um die Werbung, lasse Plakate und Tickets drucken, mache die gesamte Abrechnung, bezahle GEMA und Künstlersozialkasse, suche Sponsoren, baue mit auf und wieder ab, organisiere und bezahle Helfer für den Büchertisch“, listet Bartels auf. Da sich an der Gegenleistung der Stadt nichts ändere, sehe er nicht ein, ihr einen größeren Anteil an den Ticketeinnahmen zu überlassen. Bislang zahle er der Stadt 1000 bis 1200 Euro für die Nutzung des Brunnentheaters.

Zum Thema Erhöhung der Ticketpreise meinte Bartels: „Der Street Poetry-Abend ist angetreten, um ein Kulturevent zu schaffen, dass Menschen aller Couleur zusammenbringt. Vor allem sollte es keine finanzielle Hürde für Interessierte geben. Das ist im Grunde so etwas wie der eiserne Grundsatz der Veranstaltung, ihr Charakter und ihr Charme. Ein Anheben des Ticketpreises würde allem widersprechen, wofür dieser Abend steht. Für viele meiner Gäste sind 10 Euro viel Geld.“

In den zwölf Jahren des Bestehens der Veranstaltung hat Bartels nach eigenen Angaben mehr als 15.000 Besucher begrüßt, die zu mehr als 30 Prozent von außerhalb den Weg nach Helmstedt auf sich genommen hätten. Knapp 30.000 Euro an Spendengeldern seien mit Hilfe der Street Poetry Abende zusammengekommen, sie seien an lokale Einrichtungen vom Hospizverein bis zum Mehrgenerationenhaus überwiesen worden. Er verdiene kein Geld an der Veranstaltung, betont Bartels, sondern arbeite rein ehrenamtlich. Und er trage trotzdem das volle wirtschaftliche Risiko.

Bürgermeister Wittich Schobert ist am Montag auf Anfrage ausführlich auf die Reaktion des Poetry-Machers eingegangen. Zum Einstieg war ihm die Feststellung wichtig, dass die Stadt für die Poetry-Abende im Brunnentheater nie Miete verlangt habe. „Und die kann sich auf 2000 Euro belaufen.“ Damit habe die Stadt schon ein starkes Entgegenkommen gezeigt, um eine begrüßenswerte Initiative auf kulturellem Sektor zu unterstützen.

Was den städtischen Anteil am Ticketverkauf betreffe, gehe es ausschließlich um die Deckung der Betriebskosten. „Bislang hat das gereicht, aber die Kosten für Strom, Heizung, Wasser und das Personal im Theater sind gestiegen und wir können angesichts des defizitären Haushalts der Stadt nicht darauf verzichten, eine jetzt fällige Anpassung an die allgemeine Entwicklung der Betriebskosten vorzunehmen“, erläuterte Schobert. Der Vorschlag sei es, den Anteil an den Erlösen aus dem Ticketverkauf von 20 auf 25 Prozent zu erhöhen. „Machbar müsste das sein, denn die Street Poetry-Abende erbringen ja Überschüsse, die für Spenden genutzt werden, was vom Grundsatz her eine gute Sache ist, keine Frage“, meinte Schobert.

Der Rückzieher von Dominik Bartels sei bedauerlich. „Es hat uns gefreut, diese Veranstaltungen zu haben“, so Schobert. „Sollte er es sich irgendwann anders überlegen, stehen ihm städtische Einrichtungen wie gehabt zur Verfügung.“

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