Niedecken reißt in Marienborn musikalisch die Mauern ein

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Wolfgang Niedecken und das Bundesjazzorchester unter Leitung von Mike Herting lieferten am Samstagabend die Musik zur Mauerfall-Feier in der Gedenkstätte Marienborn.  

Wolfgang Niedecken und das Bundesjazzorchester unter Leitung von Mike Herting lieferten am Samstagabend die Musik zur Mauerfall-Feier in der Gedenkstätte Marienborn.  

Foto: Michael Strohmann

Marienborn.  Das Konzert mit Wolfgang Niedecken und dem Bundesjazzorchester bildete am Samstagabend den umjubelten Abschluss des Mauerfallfestes in Marienborn.

Vor rund 700 Zuhörern nutzte der Kölsch-Rocker Niedecken den Auftritt in der Gedenkstätte Deutsche Teilung, um für Freiheit und Toleranz zu plädieren und den bedrohlich aufkeimenden Rechtsradikalismus anzuprangern – ein Anliegen des 68-Jährigen seit Anbeginn seiner musikalischen Karriere mit der Band BAP. Das Publikum im Festzelt teilte seine politische Botschaft voll und ganz und ging begeistert klatschend und singend mit. Die positive Stimmung war des Anlasses würdig, die Menschen im Zelt waren durch die Musik vereint - eine nachdrückliche Erinnerung daran, mit welchen Emotionen und Hoffnungen, mit welcher Freude auch die umwälzenden Ereignisse der Friedlichen Revolution in der DDR, des Mauerfalls und der Wiedervereinigung Deutschlands verknüpft gewesen sind.

Wolfgang Niedecken live beim Mauerfallfest in Marienborn
Wolfgang Niedecken live beim Mauerfallfest in Marienborn

Mit dem Song „Denn wir sind widder wer“, geschrieben 1990, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde, warnte und warnt Niedecken vor einem falschen, einem nationalistisch geprägten, überheblichen und auf Ausgrenzung zielenden schwarz-rot-goldenen Taumel. Das Publikum in Marienborn bekam all die Klassiker zu hören, mit denen der Kölsch-Rocker seit Jahrzehnten seinen Landsleuten ins Gewissen redet, von „Kristallnaach“ über „Arsch huh, Zäng ussenander“ bis „Absurdistan“. Immer geht es ihm darum, dass die Menschen politische, ökonomische und gesellschaftliche Fehlentwicklungen nicht einfach schlucken, sondern den Mund aufmachen und sich widersetzen.

Einige Male streute Niedecken in seine Überleitungen von einem Song zum anderen kleine Liebeserklärungen an seine Heimatstadt Köln ein, er widmete ein Lied aber auch „allen Magdeburgern im Saal“. So gelang es ihm und dem furios aufspielenden Bundesjazzorchester unter Leitung von Mike Herting, dem junge Musiker aus ganz Deutschland angehören, für zwei Stunden und drei Zugaben sämtliche Mauern einzureißen, deren Überwindung noch auf uns wartet.

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