Digital-Labor Ackerbau nimmt in Schickelsheim die Arbeit auf

Schickelsheim.  Die Domäne Schickelsheim soll Keimzelle für zukunftsweisende Landwirtschaft sein. Unter anderem mit dem Praxis-Labor digitaler Ackerbau.

Die Domäne Schickelsheim bei Königslutter wird zum bundesweit einzigen und ersten Praxis-Labor für digitalen Ackerbau. Dazu unterzeichneten die Beteiligten eine Absichtserklärung (hinten von links): Kaspar Haller, Geschäftsführer Domäne, LWK-Geschäftsbereichsleiter Stefan Ortmann, Felicitas Naundorf, Domäne, Lothar Hagebölling, (vorne von links), Landrat Gerhard Radeck, Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje, Staatssekretär Reiner Beckedorf und Regionsbeauftragter Matthias Wunderling-Weilbier.

Die Domäne Schickelsheim bei Königslutter wird zum bundesweit einzigen und ersten Praxis-Labor für digitalen Ackerbau. Dazu unterzeichneten die Beteiligten eine Absichtserklärung (hinten von links): Kaspar Haller, Geschäftsführer Domäne, LWK-Geschäftsbereichsleiter Stefan Ortmann, Felicitas Naundorf, Domäne, Lothar Hagebölling, (vorne von links), Landrat Gerhard Radeck, Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje, Staatssekretär Reiner Beckedorf und Regionsbeauftragter Matthias Wunderling-Weilbier.

Foto: Sebahat Arifi

Es ist ein bundesweit einmaliges Projekt, das am Mittwoch offiziell seine Arbeit in Schickelsheim aufgenommen hat. Die Domäne wird das erste Praxislabor für digitalen Ackerbau und soll in weiteren Schritten zum Schulungszentrum sowie zum Start-up-Campus ausgebaut werden.

Begriffe und Technologien wie Mobilfunkstandard 5G, User-Interface oder GPS werden demnach nicht mehr aus dem Alltag von Landwirten wegzudenken sein. Wie die Digitalisierung deren Arbeit effizienter machen und helfen kann, die aktuellen Herausforderungen zu meistern, soll nun auf der Domäne nicht nur erforscht, sondern vor allem auch zeitnah umgesetzt werden.

An dem Projekt sind zahlreiche Institutionen und Protagonisten der Region beteiligt, allen voran natürlich die Betreiberfamilien Haller/Naundorf sowie die Landwirtschaftskammer und das Landwirtschaftsministerium Niedersachsens. Bei einer Pressekonferenz in der Domäne stellten deren Vertreter die Pläne vor.

„Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um die Ansprüche der Gesellschaft bestmöglich zu erfüllen, aber dazu brauchen wir das Handwerkszeug“, führte Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje aus. Die Landwirtschaft stehe vor großen Herausforderungen, etwa in Sachen ressourcenschonendem Arbeiten bei gleichzeitig effektiven Ergebnissen.

Er lobte, wie schnell alle beteiligten Protagonisten zusammengekommen seien. Rainer Beckedorf, Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, bezeichnete die offizielle Inbetriebnahme des Praxislabors zudem als eines, das „Strahlkraft weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus“ besitzen werde. Das gebe es bundesweit nicht.

Um die neuen Technologien effizient nutzen zu können, gehe es nicht ohne Mobilfunkstandard 5G. Deshalb liefen die Bemühungen, Schickelsheim so schnell wie möglich von derzeit 4G aufzurüsten. Anhand konkreter Beispiele auf dem Gelände wurde deutlich, weshalb das nötig ist.

Mit dem Einsatz von Drohnen etwa könne präzise aufgezeigt werden, wie groß ein möglicher Krankheitsbefall bei Pflanzen ist. Dafür werden zuvor eingegebene Korridore abgeflogen. Die dabei gesammelten Datenmengen werden derzeit am Gerät gespeichert und manuell übertragen. Bei 5G könnten die Daten quasi in Echtzeit überliefert werden. Was das für das landwirtschaftliche Arbeiten bringt? Die Behandlung der geschädigten Pflanzen könne punktuell erfolgen, der Einsatz von entsprechenden Mitteln entsprechen reduziert werden.

Schon jetzt werden auf der Domäne innovative Techniken getestet. Immer geht es um zielgenaues Arbeiten, wie der Optimierung von Beregnungsanlagen oder Mess-Systemen.

Für Initiator und Domänen-Geschäftsführer Kaspar Haller sei vor allem wichtig, nicht nur theoretisch zu bleiben. „Wir sehen uns mit ganz vielen Forderungen und Wünschen konfrontiert. Es gibt viele gute Gedanken, die aber nie in der Praxis umgesetzt werden“, führte er aus. Die Komplexität in der Landwirtschaft nehme zu, gleichzeitig habe sich die Frage gestellt, wie die historisch bedeutsame Domäne zukunftsfähig gemacht werden und eine nachhaltige Perspektive geschaffen werden kann. Sie soll Keimzelle für Veränderung sein, stand für Haller fest.

Die Absichtserklärung für das Projekt wurde am Mittwoch unterzeichnet. Demnach beginnt die sofortige Umsetzung und weitere Ausstattung des Praxislabors. In weiteren Schritten folgen bis 2026 das Schulungszentrum sowie der Start-up-Campus. Insgesamt sei bis dahin ein Investitionsvolumen von 4,86 Millionen Euro notwendig, das aus Förder- und Eigenmitteln stammt.

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