Helmstedt und Beendorf öffnen die Grenze noch einmal

| Lesedauer: 2 Minuten
Grenzöffnungsfeier in Beendorf am Montagabend: Die Bürgermeister Wittich Schobert und Hagen Friedrichs (rechts) durchtrennten symbolisch ein Absperrband auf der Straße in Richtung Brunnental.

Grenzöffnungsfeier in Beendorf am Montagabend: Die Bürgermeister Wittich Schobert und Hagen Friedrichs (rechts) durchtrennten symbolisch ein Absperrband auf der Straße in Richtung Brunnental.

Foto: Michael Strohmann

Helmstedt.  Vor 30 Jahren bekamen Helmstedt und Beendorf ein großartiges Weihnachtsgeschenk. Am 23. Dezember 1989 wurde die Grenze geöffnet.

Das Jubiläum dieser im Vergleich zu anderen Grenzabschnitten „späten“ Öffnung feierten am Montagabend rund 150 Menschen aus beiden Orten. Symbolisch durchtrennten Bürgermeister Wittich Schobert und sein Kollege Hagen Friedrichs ein Absperrband in Höhe des Beendorfer Grenzdenkmals. Dort hatte sich die Teilnehmerschar zur Begrüßung durch die beiden Bürgermeister versammelt. Nach der erneuten und von Applaus begleiteten „Grenzöffnung“ wanderten die Menschen zur Begegnungsstätte Allertal am Beendorfer Schulplatz.

Dort erinnerte Hagen Friedrichs an den Abend vor genau 30 Jahren, als im Saal der heutigen Begegnungsstätte eine Rockband aus Halle zum traditionell am 23. Dezember ausgerichteten Jugendtanz aufspielte. Aber an jenem Abend sei alles anders gewesen. „Bei 500 verkauften Eintrittskarten haben wir aufgehört zu zählen“, berichtete Friedrichs, dessen Vater maßgeblichen Einfluss darauf hatte, dass die Grenze in Richtung Brunnental noch vor Weihnachten geöffnet wurde. Auch die Dorfkneipe sei an jedem 23. Dezember 1989 überfüllt gewesen, so Friedrichs. Eine unvergessliche Stimmung und Freude.

Der Beendorfer Bürgermeister erwähnte auch die wegweisende Rede von Bundeskanzler Helmut Kohl am 19. Dezember 1989 in Dresden. In diese Rede habe Kohl die deutsche Einheit als Möglichkeit und Ziel bereits eingeflochten. „Er hatte die Zeichen der Zeit erkannt und legte schon damals alles auf die spätere Wiedervereinigung aus.“

Wittich Schobert, dessen Großmutter aus Hötensleben stammt, erzählte von Verwandtschaftsbesuchen in der DDR, einschließlich der Grenzkontrollen, bei denen einmal seine Comic-Hefte im elterlichen Auto konfisziert worden seien – ein Schreckmoment für die ganze Familie. Wie grundlegend sich alles verändert habe, machte Schobert daran fest, dass Menschen aus Beendorf als Mitarbeiter im Helmstedter Rathaus beschäftigt seien. „Das Geschenk der Grenzöffnung sollten wir uns für immer bewahren“, sagte Schobert abschließend und erhielt kräftigen Applaus dafür.

Die Andacht zur Jubiläumsfeier hielt Pfarrer Andreas Göppel, der bis 2007 in Beendorf tätig gewesen ist und heute in Tanna (Thüringen) lebt. Kerzen und Gebete hätten die Mächtigen in der DDR zu Fall gebracht, gab Göppel den Zuhörern als Kernbotschaft mit auf den Weg ins Weihnachtsfest. Zwar sei die Mauer vor 30 Jahren gefallen, doch gebe es immer noch Trennendes in den Herzen und Zerrissenheit. „Es sind viele Fehler passiert“, sagte Göppel über den Prozess der Wiedervereinigung. Trotzdem könne es in der Gegenwart und Zukunft nur darum gehen, die Risse zu schließen statt sie zu vertiefen. Jeder könne einen Beitrag dazu leisten.

Fragen zum Artikel? Mailen Sie uns: redaktion.online-bzv@funkemedien.de

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder