Jacob und Adele sind Eltern: Erste Jungstörche im Kreis

Wahrstedt.  16 Brutpaare haben sich im Landkreis niedergelassen. Am 20. April schlüpfte der erste Nachwuchs.

In Wahrstedt sind die ersten Jungstörche geschlüpft. Vater Jacob passt auf seinen Nachwuchs auf.

In Wahrstedt sind die ersten Jungstörche geschlüpft. Vater Jacob passt auf seinen Nachwuchs auf.

Foto: Manfred Spey / Privat

Die ersten Jungstörche sind da: In Wahrstedt sind laut Storchenbetreuer Manfred Spey wohl am Montag, 20. April, die ersten Storchenkinder geschlüpft. Jacob und Adele haben in den letzten Jahren, die sie jeweils in Wahrstedt zubrachten, bereits 14 Jungstörche großgezogen. Nachwuchs gab es auch in Meinkot, Grafhorst, Querenhorst, Klein Steimke und in Flechtorf. Mitte Mai dürften die Nachzügler aus den weiteren Nestern schlüpfen. „Es ist ein sehr gutes Storchenjahr“, sagt Manfred Spey, „wir haben im Landkreis Helmstedt 16 Brutpaare, im letzten waren es nur 14.“

Der Storchenbetreuer beobachtet das Geschehen in den Nestern mit einem speziellen Fernglas. So konnte er erkennen, dass Jacob und Adele nach 32 Tagen Brüten am 20. April ihr Verhalten änderten. „Sie sitzen nicht mehr an einem Fleck, sondern bringen Futter zu den Kleinen.“ Dieses würgen sie für den Nachwuchs hervor. „Das Futter besteht aus Regenwürmer und Insekten, das die Kleinen bis zum 7. Tag bekommen“, so Spey, „danach folgen Mäuse, Frösche und vieles mehr.“ Da es in den letzten Tagen geregnet habe, bestehe kein Futtermangel für die Jungstörche – die größte Gefahr für die Tiere und die Haupttodesursache der jungen Störche. Dass Jungstörche geschlüpft seien, sei auch häufig daran zu erkennen, wie die Altstörche die Ausscheidungen ihres Nachwuchses „über Bord“, also vom Nest würfen.

Wenn alle Jungstörche geschlüpft und eine gewisse Größe erreicht haben, steht normalerweise die Beringung an – in diesem Jahr gestaltet sich das durch die Corona-Maßnahmen schwieriger. „Wir stehen sonst zu dritt auf der Drehleiter“, so Spey, „Georg Fiedler und ich, dazu jemand von der Feuerwehr, um zu lenken.“ Storchenbetreuer Georg Fiedler wolle sich dafür einsetzen, in diesem Jahr allein auf die Drehleiter zu dürfen – gesteuert werden könnte von unten, mithilfe eines Funkkontaktes zu Fiedler. „Wenn das nicht geht, müssten wir ein Jahr aussetzen“, sagt Spey, der mit mehr als 40 Jungstörchen in diesem Jahr im Landkreis rechnet.

Die Mengen an Nahrung, die die Tiere zum Großwerden benötigen, sind dabei immens. Ein junger Storch benötige zwischen der dritten und sechsten Lebenswoche 400 Gramm bis ein Kilo Futter – am Tag. Und die Menge steigt noch: „Zwei bis drei Jungen im Nest brauchen nach 50 Tagen 2,5 Kilogramm Regenwürmer oder 1,3 Kilogramm Mäuse pro Junges pro Tag“, so Spey. Altstörche benötigten hingegen pro Tag nur noch 500 Gramm Nahrung. Das Nahrungsgebiet der Störche habe ein Ausmaß von zwei bis drei Quadratkilometer im Umkreis um sein Nest, so Spey. „Er muss es immer im Blickfeld haben, um eine Gefahr durch andere Störche oder Seeadler zu identifizieren“, sagt der Storchenbetreuer. Ebenso müsse immer ausreichend Wasser vorhanden sein. Ausgewachsene Störche sind allerdings auch erstaunlich robust, berichtet Spey: „Bis zu zwei Wochen können sie ohne Nahrung leben.“

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