Aktion in Helmstedt: Buch herstellen statt es zu verbrennen

Helmstedt.  An die Bücherverbrennung durch die Nazis im Jahre 1933 erinnert der Lyriker Johann Voß am Sonntag per Textsammelaktion auf dem Helmstedter Markt.

Der Autor Johann Arnold Voß erinnert am 10. Mai auf dem Helmstedter Markt mit einer Mitmachaktion an die Bücherverbrennungen durch die Nazis von 1933.   

Der Autor Johann Arnold Voß erinnert am 10. Mai auf dem Helmstedter Markt mit einer Mitmachaktion an die Bücherverbrennungen durch die Nazis von 1933.   

Foto: Michael Strohmann

„Am 10. Mai 1933 verbrannten vor allem junge Nazis in mehreren Städten öffentlich Bücher von Autoren, denen ein undeutscher Geist zugeschrieben wurde“, sagt der Lyriker Johann Arnold Voß und kündigt für den 10. Mai eine Mahnaktion auf dem Helmstedter Markt an.

Kurz nach der Machtergreifung Hitlers habe mit dieser Aktion die gezielte Verfolgung und Vernichtung der oppositionellen Kräfte im nationalsozialistischen Deutschland begonnen. „Lang ist die Liste der Autoren, deren Bücher in Flammen aufgingen, stellvertretend erwähnt seien Bertolt Brecht, Albert Einstein, Marieluise Fleißer, Sigmund Freud, Erich Kästner, Franz Kafka, Anna Seghers, Kurt Tucholsky, Andre Gide und Ernest Hemingway“, erläutert der frühere Gymnasiallehrer. „Heute, in Zeiten von latentem und brutalem Antisemitismus, in Zeiten von in Brand gesteckten Flüchtlingsheimen und bedrohlichen Aufmärschen von Neonazis ist es mir wichtig, ein Zeichen zu setzen“, so Voß.

Was sei das Gegenteil von Büchervernichtung, fragt Voß. „Ganz einfach: Ein Buch herzustellen!“ Aus diesem Grund nehme er am Sonntag, 10. Mai, dem Jahrestag der Bücherverbrennung, von 11 bis 15 Uhr auf dem Marktplatz in Helmstedt Texte im DIN-A4-Format entgegen. Aus den gesammelten Geschichten, Tagebucheintragungen, Gedichten, historischen Fotos, Zeitungsmeldungen und anderen Reflexionen soll dann ein Buch mit Spiralbindung entstehen. Eine Lesung daraus soll nach der Corona-Zeit an geeigneter Stelle stattfinden.

Wer spontan schreiben möchte, kann dies laut Voß direkt auf dem Marktplatz tun, Papier und Schreibwerkzeug halte er bereit. „Für eine Abstandsmarkierung wird gesorgt sein“, betont der Lyriker. Die Polizei und die Stadtverwaltung habe er über die Aktion informiert.

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