Junge Leute wollen Klimaschutz in Helmstedt zum Thema machen

Helmstedt.  In vielen Städten gibt es Fridays for Future-Gruppen, die für den Klimaschutz kämpfen. Helmstedt ist bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Sie wollen eine Helmstedter Ortsgruppe von Fridays for Future gründen (von links): Noah Venske, Marvin Stender, Martin Wedekind und Sebastian (der seinen Nachnamen nicht nennen möchte). 

Sie wollen eine Helmstedter Ortsgruppe von Fridays for Future gründen (von links): Noah Venske, Marvin Stender, Martin Wedekind und Sebastian (der seinen Nachnamen nicht nennen möchte). 

Foto: Privat

Vier junge Leute wollen nun etwas ändern an dieser Abstinenz. Noah Venske (17) und seine Mitstreiter Sebastian (18), Marvin Stender (18) und Martin Wedekind (21) sind seit einigen Wochen schon damit beschäftigt, eine Helmstedter Ortsgruppe der globalen sozialen Bewegung Fridays for Future zu gründen. Überall auf der Welt setzen sich unter diesem Dachbegriff Schüler und Studierende für einen möglichst umfassenden, sofortigen und nachhaltigen Klimaschutz ein.

Die Corona-Krise hat diese weltumspannende Bewegung und das Thema Klimawandel generell aus den Schlagzeilen verdrängt. Das hat auch die jungen Helmstedter Aktivisten in ihren Plänen beeinflusst. In Corona-Zeiten zu Demonstrationen oder Versammlungen aufzurufen, ist eine heikle Sache. Schon unter normalen Umständen wäre die Klärung organisatorischer Fragen eine Herausforderung, räumen die vier Aktivisten ein. „Wir müssen uns schrittweise das nötige Wissen aneignen, um sinnvolle Aktionen starten zu können“, berichtet Marvin Stender.

Dass in Helmstedt etwas passieren muss zum Thema Klimaschutz, steht für die jungen Leute völlig außer Frage. „In der Helmstedter Öffentlichkeit ist die drohende Klimakatastrophe als Thematik überhaupt noch nicht angekommen“, befindet Noah Venske. Es passiere hier viel zu wenig. Dabei, so Marvin Stender, habe Helmstedt mit dem jahrzehntelangen klimaschädlichen Abbau von Braunkohle und deren Verstromung eine „historische Verantwortung“, sich für ein nachhaltigeres Wirtschaften in der Zukunft einzusetzen. Auch was die für das Klima relevante Verkehrswende angeht, stellen die jungen Aktivisten ihrer Heimatstadt kein gutes Zeugnis aus. „Da tut sich fast nichts.“ Jedenfalls nichts Einschneidendes.

Kritik üben sie auch an der Politik auf Bundes- und Landesebene im Angesicht der Corona-Krise. „Klimaschädliche Branchen werden jetzt mit Milliardenbeträgen gestützt, ohne dass Gegenleistungen für den Klimaschutz zur Bedingung gemacht werden“, meinen die Helmstedter Fridays for Future-Verfechter. Nach ihrer Meinung hätte längst damit begonnen werden müssen, diese Branchen „sozialverträglich zurückzubauen“.

Martin Wedekind findet, dass sich jeder der Frage stellen müsse, wie die Welt unserer Kinder dereinst aussehen solle? Hier und jetzt müsse etwas für die Zukunft getan werden. Für die geplante Gründung einer Fridays for Future-Gruppe bedeute das, in kleinen Schritten anzufangen. Die Politik habe die Forderungen der jungen Klimaschützer bisher ignoriert und sie nutze die Corona-Krise eher dazu, alte Strukturen zu stärken.

Eine Gründungsversammlung für Helmstedt sei noch nicht geplant und wegen Corona schwierig, meint Noah Venske. Wie groß die Ortsgruppe werden könne, sei noch nicht abzusehen. Momentan tauschten sich 25 Interessenten in einer Whatsapp-Gruppe aus. „Wir haben auf jeden Fall vor, Forderungen auszuarbeiten und darüber mit Leuten aus Politik und Verwaltung zu reden“, kündigt der 17-Jährige an.

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