Männer heiraten auf Palliativstation der Helmstedter Klinik

Helmstedt.  Ein schwersterkrankter Mann hat auf der Palliativstation der Helmstedter Helios-Klinik seinen Lebenspartner nach 60 gemeinsamen Jahren geheiratet.

Die erste Hochzeit auf der Palliativstation der Helmstedter Helios-Klinik: Zwei Männer aus dem Landkreis Helmstedt gaben sich das Ja-Wort.

Die erste Hochzeit auf der Palliativstation der Helmstedter Helios-Klinik: Zwei Männer aus dem Landkreis Helmstedt gaben sich das Ja-Wort.

Foto: Helios-Klinik

Bei dem Paar handelt es sich um einen 79-Jährigen und einen 80-Jährigen aus dem Landkreis Helmstedt. Die ungewöhnliche Trauung – für die Helios-Klinik eine Premiere – ist am Montag vollzogen worden. Auf der Palliativstation werden Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer nicht mehr heilbaren Erkrankung behandelt. Alle Maßnahmen sollen die Schwerstkranken wie ein Mantel („pallium“) schützend umhüllen.

Entschluss gefasst nach 60 Jahren

Die beiden Männer – einer von ihnen wird auf der Station betreut – haben sich laut Auskunft der Klinik nach 60 Jahren Partnerschaft dazu entschlossen, noch zu heiraten. In nur wenigen Tagen sei die Trauung auf die Beine gestellt worden, um diesen besonderen Wunsch zu erfüllen, berichtet Lisa Iffland, die Sprecherin der Klinik. „Es war eine echte Herausforderung. Das Team der Palliativstation funktionierte den Aufenthaltsraum kurzerhand zu einem Standesamt um und dekorierte ihn für das Brautpaar liebevoll mit Blumen und Blütenblättern“, erzählt Iffland.

„Lieber spät als nie!“

Werner K. und Hans N. hätten sich mit 16 Jahren während ihrer Ausbildung zum Kfz-Schlosser kennengelernt. Schnell hätten sie gemerkt, dass ihre Gefühle für einander mehr als nur Freundschaft seien, so Iffland weiter. Eine gleichgeschlechtliche Beziehung sei damals nicht einfach gewesen, doch habe man immer zusammengehalten, zitiert die Sprecherin einen der beiden Ehepartner. Und der andere soll bei der Trauungszeremonie zufrieden festgestellt haben: „Auch wenn die Umstände nicht perfekt sind, freue ich mich sehr, endlich Ja sagen zu können. Lieber spät als nie! Ich bin sehr aufgeregt.“

Mitarbeiter standen Spalier

Die Palliativstation wollte dem Paar den Hochzeitstag laut Iffland so schön wie möglich gestalten. Die Mitarbeiter standen Spalier beim Einzug in die Räumlichkeiten, mit musikalischer Begleitung von Klavier und Gitarre. Die Standesbeamtin von der Stadt Helmstedt habe ihre Freude darüber zum Ausdruck gebracht, Teil eines so besonderen Tages zu sein. „Es war eine bewegende und durchaus tränenreiche Zeremonie für alle, die dabei waren“, sagt Iffland.

„Es ist der größte Wunsch unseres Patienten“

.„Das war unsere erste Hochzeit auf der Palliativstation. Bei unserem ersten Treffen sagte mir unser Patient, dass es sein größter Wunsch sei, seinen Partner noch heiraten zu können. Keiner weiß, wieviel Zeit den beiden noch bleibt. Ich freue mich sehr, ihm diesen Wunsch erfüllt zu haben“, wird Dr. Christine Germer, ärztliche Leiterin der Palliativstation, in einer Helios-Pressemitteilung zitiert.

Nach der Trauung sangen alle Beteiligten das gewünschte „Kufsteinlied“. Inmitten von Seifenblasen stieß das frischgebackene Ehepaar mit einem Glas Sekt auf die Vermählung an.

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