Wohin mit dem Helmstedter Wochenmarkt?

Helmstedt.  Von Störungen und häufigem Gegröle in der Neumärker Straße berichtete ein besorgter Bürger in der Einwohnerfragestunde des Helmstedter Rates.

Marktplatz in Helmstedt. 

Marktplatz in Helmstedt. 

Foto: Michael Strohmann

Der Helmstedter sprach von „chaotischen Zuständen“ und einem undisziplinierten Verhalten von Einzelpersonen und Gruppen, das er wiederkehrend beobachtet habe. Er überlege es sich mittlerweile, mit Besuchern noch in die Fußgängerzone zu gehen, klagte der Hinweisgeber in der Ratssitzung am Donnerstagabend im Juleum.

Dass in der Neumärker Straße chaotische Zustände herrschen würden, könne er nach dem Einholen aktueller Informationen nicht bestätigen, erwiderte Erster Stadtrat Henning-Konrad Otto. „Wenn es ab und zu laut geführte Gespräche gibt, dann gehört das zur Lebendigkeit einer Innenstadt“, betonte Otto. Die Lage in der Neumärker Straße sei nach Erkenntnissen der Stadt – nicht zuletzt wegen Corona – derzeit deutlich entspannter als in den Jahren 2018 und 2019, in denen es tatsächlich vermehrt Verstöße und Probleme gegeben habe. „Sollten sich solche Verhältnisse wieder einstellen, werden wir reagieren“, kündigte Otto an.

Keine Abstimmung, trotzdem Diskussion

Beherrschendes Thema der Ratssitzung war die Frage der Verlegung des Wochenmarktes vom Holzberg zum Markt – obwohl Bürgermeister Wittich Schobert seine Bekanntgabe einer testweisen Verlegung nach Gesprächen mit den Marktbeschickern bereits im Vorfeld zurückgezogen hatte. Auch ein SPD-Antrag zur Verlegung des Wochenmarktes kam nicht zur Abstimmung. Der Verwaltungsausschuss hatte sich vor der Ratssitzung darauf verständigt, das Thema im September im Wirtschaftsausschuss zu behandeln – unter Einbeziehung der Marktbeschicker. Die stehen einem Umzug zum Markt ablehnend gegenüber – was Schobert zu seinem Rückzieher veranlasst hatte.

Gehrke: Kein Konsens um jeden Preis

SPD-Ratsherr Michael Gehrke, seit langem ein Verfechter der Umzugsidee, legte dar, dass ein Wochenmarkt heute auch eine Erlebnisfunktion habe. Eine Kombination des -- auf dem Holzberg nurmehr dahinsiechenden – Marktgeschehens mit dem gastronomischen Treiben auf dem Marktplatz wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung. „Die Verwaltung sollte die Zeit bis September nun nutzen, um ein Wochenmarktkonzept vorzulegen“, meinte Gehrke. Einen Konsens mit den derzeitigen Marktbeschickern zu suchen, sei richtig – „aber nicht um jeden Preis“. Im Zweifel müsse man eben nach neuen Interessenten in der Region Ausschau halten statt auf neue Wege gänzlich zu verzichten.

CDU-Fraktionschef Martin Ryll erklärte, dass es breite Zustimmung im Rat für einen Probeversuch auf dem Marktplatz gebe. „Wir haben nur den Fehler gemacht, die Betroffenen nicht an den Tisch zu holen.“ Bei zwei Enthaltungen schloss sich der Rat schließlich der Empfehlung des Verwaltungsausschusses (VA) an, das Thema in der nächsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses intensiv zu behandeln.

Rat unterbrach seine Sitzung

Zu einer kuriosen Situation kam es im Zusammenhang mit einem Antrag der SPD zur Sanierung der Schulstraße. Der Antrag sei fristgerecht eingereicht worden, beharrte SPD-Fraktionschef Dirk Zogbaum auf einer Abstimmung. Die Ratsvorsitzende Elisabeth Heister-Neumann (CDU) verwies darauf, dass dies nur möglich sei, wenn der VA den Beschluss vorbereitet habe – was nicht der Fall sei.

Ulrich Engelke (Die Linke) beantragte daraufhin eine Sitzungsunterbrechung, damit der VA den SPD-Antrag behandeln könne. Der Rat stimmte dem denkbar knapp mit 18:17 Stimmen zu. Der VA kam zusammen und empfahl, den Antrag zur Beratung zurück in die Fraktionen zu verweisen. Diesem Votum schloss sich der Rat nach der Sitzungsunterbrechung wiederum denkbar knapp an – mit 16 Ja- und 15-Nein-Stimmen.

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