480.000 Euro für die Erforschung der Schöninger Speere

Schöningen.  Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert das neue Wissenschaftsprojekt. Die Schöninger Holzwaffen werden mit modernster Technik untersucht.

Tim Koddenberg von der Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte der Universität Göttingen untersucht die Oberfläche eines Holzstückes mit einem hoch auflösenden Digitalmikroskop. So gelingt es, auch feinste Bearbeitungsspuren zu analysieren.

Tim Koddenberg von der Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte der Universität Göttingen untersucht die Oberfläche eines Holzstückes mit einem hoch auflösenden Digitalmikroskop. So gelingt es, auch feinste Bearbeitungsspuren zu analysieren.

Foto: Jens Lehmann

Die weitere Erforschung der Schöninger Speere und Holzwaffen wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einem Betrag von rund 480.000 Euro gefördert. Das neue, auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) und der Universität Göttingen steht unter Federführung von Professor Thomas Terberger vom NLD und dem Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen sowie Professor Holger Militz, Leiter der Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte der Uni Göttingen.

„Der Speere-Entdecker Dr. Hartmut Thieme hat Mitte der 90er Jahre in weiser Voraussicht alle Hölzer gesichert, die er finden konnte“, erklärt Archäologe Terberger. Über die als „Schöninger Speere“ international bekannten und ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit hinaus umfasst die Sammlung insgesamt rund 750 Holzartefakte. „Darunter gibt es viele weitere von Menschen bearbeitete, kleinere Fragmente. Unser Ziel ist es, diesen Gesamtfund nun detailliert zu analysieren, zu klassifizieren und in Zusammenhang zu bringen.“

Wie kamen die Speere an die Schöninger Fundstelle?

Das interdisziplinäre Wissenschaftler-Team erhofft sich, mehr über den Herstellungsprozess der einmalig erhaltenen Waffen, ihre Funktion und Nutzung zu erfahren. Zudem soll untersucht werden, in welchem Zustand die Hölzer auf den Fundplatz gelangten und welche Bearbeitungsschritte vor Ort erfolgt sind.

Dafür werden auch die rund 300.000 Jahre alten „Schöninger Speere“ nochmals genau unter die Lupe genommen. „Digitalmikroskope und weitere hochmoderne Bildgebungsverfahren gestatten uns heute, 25 Jahre nach den ersten Analysen der Funde, Einblicke in das Material, die uns Erkenntnisse offenbaren, die weit über die offensichtlichen Bearbeitungsspuren hinausgehen“, erläutert Terberger.

Schöninger Paläon soll zum „Schaufenster“ für das Forschungsprojekt werden

Die im Forschungsprojekt systematisch erschlossenen Ergebnisse sollen am Ende Fachwissenschaftlern wie auch interessierten Laien zugänglich gemacht werden. „Untersuchungen, die man vor Ort im Schöninger Forschungsmuseum zeigen und vornehmen kann, wollen wir nach Möglichkeit auch dort stattfinden lassen“, kündigt Terberger an, das Paläon kontinuierlich „als Schaufenster für das Forschungsprojekt“ nutzen zu wollen. „Aber ein Teil der Forschungsarbeit wird angesichts des fragilen Zustandes der Hölzer in Laboren an anderen Orten stattfinden müssen.“

„Ich freue mich und bin sicher, dass mit dem DFG-Projekt die Erforschung des Fundortes Schöningen einen großen Schritt vorankommen wird“, sagt der Schöninger Grabungsleiter Dr. Jordi Serangeli vom Senckenberg-Zentrum für menschliche Evolution und Paläoumwelt der Universität Tübingen. Er wie auch Professor Terberger sind überzeugt, dass das neue Forschungsprojekt die von Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) angestrebte Anerkennung der archäologischen Fundstelle als Unesco-Weltkulturerbe unterstreichen wird.

Die Entdeckung der ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen des Menschen im Braunkohletagebau von Schöningen geht auf Ausgrabungen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in den 1990er Jahren zurück. Seit 2008 wird die Grabung von der Universität Tübingen durchgeführt. Mehrere Speere und eine Lanze haben die wissenschaftlichen Vorstellungen zu den technisch-geistigen Fähigkeiten des frühen Menschen in Europa revolutioniert.

Die originalen Speere können im Forschungsmuseum Schöningen besichtigt werden. Weitere Informationen sind im Internet unter www.forschungsmuseum-schoeningen.de zu finden.

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