Schüsse auf Flüchtlinge in Schöningen – Verfahren ist eingestellt

Schöningen.  Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, konnten die Täter nicht hinreichend identifiziert werden – auch, weil es zur Tat im November 2019 zu dunkel war.

In der Schöninger Eichendorffstraße wurden im November 2019 Flüchtlinge mit Leuchtmunition beschossen. Der Vorfall sorgte für großes Aufsehen. (Archivbild)

In der Schöninger Eichendorffstraße wurden im November 2019 Flüchtlinge mit Leuchtmunition beschossen. Der Vorfall sorgte für großes Aufsehen. (Archivbild)

Foto: Markus Brich

Fast ein Jahr ist es her: Im November 2019 sollen vier Personen – so der Anfangsverdacht – aus einer Wohnung in der Eichendorffstraße mit Leuchtmunition einer Schreckschusspistole auf eine Gruppe von Passanten geschossen haben. Es handelte sich dabei um Flüchtlinge aus der Elfenbeinküste mit einem damals fünf Monate alten Kleinkind. Zwei Menschen kamen der Gruppe zu Hilfe – verletzt wurde laut Polizei niemand.

Der Vorfall schlug damals hohe Wellen in Schöningen – wenige Tage später versammelten sich etwa 200 Menschen in der Stadt, um gegen Fremdenhass zu protestieren. Bürgermeister Malte Schneider zum Beispiel sagte: „Wir müssen alle in Schöningen dafür einstehen, dass so etwas nicht wieder passiert.“

Neuer Zwischenstand: Staatsanwaltschaft stellte Verfahren gegen Beschuldigte im Juni ein

Nun äußert sich die Braunschweiger Staatsanwaltschaft zu dem Fall – mit einer neuen Wendung: Das Verfahren gegen die Verdächtigen sei zwischenzeitlich, nämlich im Juni, eingestellt worden, wie Staatsanwalt und Sprecher Sascha Rüegg unserer Zeitung mitteilt. „Nach dem Ergebnis der Ermittlungen konnte den Beschuldigten weder aufgrund der Angaben der Zeugen noch nach den Ergebnissen der kriminaltechnischen Untersuchungen eine strafbare Handlung mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden“, heißt es.

Identifizierung der Täter laut Staatsanwaltschaft nicht hinreichend möglich

Grund ist nicht, dass kein Vorsatz nachgewiesen, sondern dass die Täter schlicht nicht identifiziert werden konnten. Zur Tatzeit soll es dunkel und die Sichtbedingungen nicht besonders gut gewesen sein, wie Rüegg erklärt. „Das ist der Grund, warum eine Identifizierung der Täter nicht hinreichend sicher möglich gewesen ist.“ Allein, dass einer Person die Wohnung gehöre, sei kein Grund für eine Anklage.

Rüegg: „Man muss eine Tathandlung – in diesem Fall die Schüsse – konkret zuordnen und nachweisen können. Und nur dann kommt man zum hinreichenden Tatverdacht. Das war in diesem Fall nicht möglich. Auch nicht durch die kriminaltechnischen Untersuchungen.“

Der Vorwurf lautete damals nach Polizeiangaben: versuchte gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Auch letztgenannter Punkt bleibt ungeklärt, da der Schütze nicht identifiziert werden konnte.

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