IQ-Test mit Ingo Oschmann im Helmstedter Brunnentheater

Helmstedt.  Mit Stand-up-Co­me­di­an Ingo Oschmann startet das Helmstedter Brunnentheater nachdenklich-unterhaltsam in die Krisen-Spielzeit.

Endlich wieder vor Publikum: Stand-up-Co­me­di­an Ingo Oschmann feiert am Freitagabend im Brunnentheater die Zuschauer.

Endlich wieder vor Publikum: Stand-up-Co­me­di­an Ingo Oschmann feiert am Freitagabend im Brunnentheater die Zuschauer.

Foto: Markus Brich

Ist nach dem Lockdown vor dem Lockdown? Stand-up-Co­me­di­an Ingo Oschmann hofft das nicht: „Ich glaube, das Theater ist in Deutschland der sicherste Ort, den es zur Zeit gibt“, begrüßt er am Freitagabend rund 150 Zuschauer im Brunnentheater – und hätte am liebsten jeden persönlich umarmt.

Doch wegen Corona geht das natürlich nicht: Drei Stühle Abstand für jede Besuchergruppe zu den Nachbarn, eine leere Stuhlreihe nach vorn und hinten – das sind die Corona-Regeln für die erste Vorstellung im Helmstedter Schauspielhaus nach dem Lockdown im März.

So begrenzt der gebürtige Bielefelder und Wahl-Düsseldorfer seinen Aktionsradius brav auf die Bühne, feiert sein Publikum und liefert „Mit Abstand - Mein bestes Programm“. Oschmann, Jahrgang ‘69, präsentiert sich dabei ohne Allüren. Den TV-erfahrenen Comedy-Routinier lässt er nicht raushängen. Nein, er führt seinen Dialog mit dem Publikum auf Augenhöhe, genießt es sichtlich, „endlich wieder vor Menschen und nicht vor Autos“ spielen zu dürfen.

Auch für einen Comedian hört der Spaß irgendwann auf

„Es fehlt mir so das Normale“ gesteht er. In Zeiten von Corona vermisse er den gesunden Mittelweg: „Jeder kann ja seine Meinung dazu haben, selbst die krudeste lasse ich gelten. Aber was mich unglaublich ärgert, ist diese Aggressivität, mit der die Diskussionen geführt werden.“ Bei Argumenten wie „Die Alten sterben doch sowieso“ versteht auch der Comedian keinen Spaß. „Mich interessiert schon, ob meine Eltern, die mit 85 zur Risikogruppe gehören, heute oder morgen sterben. Und auch wenn mich jemand fragt – dieser eine Tag würde mich schon reizen!“

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Die Kurve vom bitteren Ernst zur leichten Comedy kriegt er dann doch noch: „Ich glaube, die Leute, die so drauf sind, haben alle keinen Sex mehr“ – und ist damit schon bei seinem Familienleben. Als Vater, als Ehemann, als Hobbykoch, als Kind der 80er und nun Mittfünfziger, der sich noch immer wie 30 fühlt, „nur längst nicht mehr so aussieht“.

Wie man als solcher in der sich digital-beschleunigenden Welt erhobenen Hauptes scheitert, daraus knüpft Oschmann den roten Faden seines gut zweistündigen Auftritts – gewagte Apfelsinenwürfe, verblüffende Zaubertricks und der ein oder andere Kalauer inbegriffen.

Ganz sicher kein Abend für Fans plump aneinandergereihter Lachsalven. Eher ein unterhaltsam-wohltuendes Seminar in Selbsterkenntnis. Das Plädoyer, das Seelen-Coach Ochmann seinem dankbaren Publikum mit auf den Heimweg gibt: „Wie wir miteinander umgehen, sollte uns mehr Sorge machen als Corona. Am Anfang hielten wir es für ein Virus, dann glaubten wir es ist eine Pandemie – ich bin überzeugt es ist ein IQ- und Empathie-Test für uns alle.“

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