Corona-Antigen-Schnelltest: Proband beschreibt den Ablauf

Helmstedt.  Wie läuft ein Test beim DRK-Kreisverband in Helmstedt ab? Der Reporter gibt zu: Es kommt ein mulmiges Gefühl auf.

Julija Miller simuliert nach dem eigentlichen Test noch einmal die Position von Kopf und Stäbchen. Hier nutzt sie übrigens ein Stäbchen für einen PCR-Test. Diese sind kürzer und haben einen "dickeren" Tupfer an einer Seite.

Julija Miller simuliert nach dem eigentlichen Test noch einmal die Position von Kopf und Stäbchen. Hier nutzt sie übrigens ein Stäbchen für einen PCR-Test. Diese sind kürzer und haben einen "dickeren" Tupfer an einer Seite.

Foto: Ellen Feldkeller

Wie beglückend kann doch ein negatives Ergebnis sein. Das gilt ganz besonders für das eines Corona-Tests. Unser Reporter hat sich in der Zentrale des DRK-Kreisverbandes Helmstedt der Prozedur eines Corona-Antigen-Schnelltests unterzogen. Hier sein Bericht:

Vorgenommen haben ihn zwei vom Gesundheitsamt des Landkreises geschulte Corona-Tester, Julija Miller und Patrick Gaddan. Ihr abgetrenntes Reich befindet sich im Erdgeschoss. Ihm schließt sich ein Zelt für die Tests auf dem Außengelände an. Zwei Tests führen die Beiden aus: den Schnelltest sowie den PCR-Test im Auftrage des Gesundheitsamts.

Ergebnis nach 15 Minuten

„Den Schnelltest machen wir vornehmlich bei unseren Mitarbeitern“, erklärt Geschäftsführer Mark-Henry Spindler. Er liefere nach spätestens 15 Minuten das Ergebnis. Genau den lasse ich nun an mir vornehmen. Obwohl mir eigentlich klar ist, dass er negativ ausfallen würde, macht sich ein Grummeln im Magen breit. Kontakte hatte es schon dienstbedingt reichlich gegeben, immer nach den Regeln, versteht sich.

Der Schnelltest ist ein kleines Kit, bestehend aus einem langem dünnen Stäbchen samt „Bürstenkopf“ aus Watte, einem Röhrchen mit Pufferlösung und die Schnelltestkassette. Das ist schon alles. Deutlich aufwändiger sieht das aus, was Julija Miller trägt: Schutzkleidung, Maske, Visier, Handschuhe.

Stäbchen mit Bürstenkopf

Ich darf mich auf einen Stuhl setzen, den Kopf nach hinten lehnen. Was nun folgt, nennt man Nasopharyngeal-Abstrich. Dafür schiebt Miller das lange dünne Stäbchen mit dem „Bürstenkopf“ in das Nasenloch entlang der Scheidewand bis zur Rachenwand, gefühlt bis zum Gehirn, aber das ist natürlich Quatsch. Angekommen, bleibt das Stäbchen ein paar Sekunden stecken, dann dreht Miller es immer wieder um die eigene Achse, während sie es ganz langsam wieder aus der Nase zieht. Das dauert einige Sekunden, gefühlt eine Ewigkeit.

Die Augen tränen und nach wenigen Sekunden möchte man dieses Ding einfach loswerden, den Kopf wegziehen. Doch das würde die Testerin behutsam mit ihrer freien Hand verhindern. Die hält sie nämlich am Hinterkopf. Es ist ein sehr unangenehmes Gefühl, kein heftiger Schmerz, wie Kopfschmerzen, sondern eine Form von Druck, Reibung, Zerren, was sich da ausbreitet.

Reibung unangenehm

Diese Reibung rührt vom Stäbchen: „Wir brauchen möglichst viel Material“, erklärt Julija Miller. Aber warum von so weit hinten? „Weil dort die höchste Virenkonzentration zu erwarten wäre“, ergänzt Mark-Henry Spindler. Das Grummeln macht sich bemerkbar.

Patrick Gaddan übernimmt. Er gibt das Stäbchen samt „Material“ aus meiner Nase in das Röhrchen mit der Lösung. Von dieser Mixtur landen fünf Tropfen in der Testkassette. Das Grummeln wird stärker. Auf der Kassette sind zwei Markierungen zu sehen: C und T. Bleibt das rote Band aus Lösung und Nasenmaterial, das sich nun von einer Seite zur anderen bewegt, beim „T“ hängen, wäre das ein positives Ergebnis.

Anzeige bei C = negativ

„In dem Fall müssten wir sofort einen PCR-Test machen, das Gesundheitsamt informieren und Sie in Quarantäne schicken“, erklärt Patrick Gaddan trocken. „Los, beweg dich“, geht mir beim Blick auf das Band in der Testkassette durch den Kopf. Tut es. Einmal durchgezogen, hinterlässt es einen feinen roten Strich beim „C“. Negativ, und das schon vor Ende der veranschlagten 15 Minuten. Erleichterung macht sich in mir breit. „Hab’ ich doch gesagt, na ja, gehofft.“

Etwa sieben Euro kostet das DRK ein Schnelltest im Einkauf. „Wer ihn selber kaufen würde, müsste mit etwa 20 Euro rechnen“, so Mark-Henry Spindler. Bislang sei noch kein Test beim DRK in Helmstedt positiv ausgefallen. Doch er sei nur eine Momentaufnahme. „Das kann schon am nächsten Tag ganz anders aussehen“, weiß auch der DRK-Geschäftsführer. Mitarbeiter von Seniorenhäusern müssen diesen Test zweimal pro Woche über sich ergehen lassen.

Möglichst gelassen bleiben

Ich verlasse das DRK-Haus mit einem positiven Gefühl im Bauch und einem unangenehmen in der linken Nasenhälfte. Letzteres sollte sich tatsächlich in Begleitung mit ein paar Tropfen Blut aus der Nase etwa 24 Stunden halten. „Das hängt von der Empfindlichkeit der Schleimhäute ab“, hatte Julija Miller beim Test erklärt und für Gelassenheit geworben, damit zum Beispiel Kinder nicht durch die eigenen Eltern nervös gemacht würden. Bei der möglichen Aussicht auf eine potenziell tödliche Virusinfektion ist das eine schwere Übung, aber eben nichts gegen die gesundheitlichen Folgen, die sich bei einem positiven Test offenbaren können.

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