Gastronomie

Markus Suchand setzt im „EQ Pier 4“ in Helmstedt auf Empathie

| Lesedauer: 6 Minuten
Markus Suchand betreibt das „EQ Pier 4“ in Helmstedt.

Markus Suchand betreibt das „EQ Pier 4“ in Helmstedt.

Foto: Henning Thobaben

Helmstedt.  Gastronom Markus Suchand scheut mutige Pläne nicht. In seiner Brasserie „EQ“ in Helmstedt hat er während der Pandemie ordentlich investiert.

Den ersten Schritt in die Selbstständigkeit wagte Markus Suchand mit einem Likörlädchen in Helmstedt, den er später gegen eine Fußballkneipe mit Bierausschank eintauschte. Seit fast zwei Jahren nun betreibt er das „EQ Pier 4“, direkt am Sternberger Teich in Helmstedt gelegen, mit schwimmendem Ponton-Zelt und neuem Strandabschnitt. Der Gastronom will mit seinem Konzept Gäste von Jung bis Alt anlocken, Hunde sind ebenfalls willkommen. Bei aller Arbeit mit Cocktailzubereitung und Burgerstapelei legt der 43-Jährige stets großen Wert auf persönliche Ansprache und harmonisches Miteinander.

Schon zweimal hat der gebürtige Helmstedter seinen Ponton komplett von Tischen und Stühlen befreit. Der Grund: Eine Frauengruppe hatte nach einem Platz gesucht, um „Lakeside Yoga“ zu betreiben – also meditative Entspannungsübungen mit Blick aufs Wasser. Markus Suchand überlegte nicht lange und überließ den Frauen gerne die hölzerne Schwimmplattform. Geld wollte er nicht dafür. Seine Philosophie: Sei nett zu anderen, dann bekommst du irgendwann auch etwas dafür zurück.

Suchand scheut Investitionen nicht

Überhaupt ist Suchand ein offener Typ, dem es sympathisch ist, wenn Menschen ihre Projekte verwirklichen. Er selbst hat das auch immer so gemacht. „Schimpfen oder meckern bringt einen nicht weiter. Ich habe viele Pläne gehabt und sie zumindest langfristig umgesetzt“, erklärt er.

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So scheute er im Herbst vergangenen Jahres auch nicht die Investition in ein stabiles Zelt mit optionalen Seitenwänden und Beheizung. Sein Ponton sollte wintertauglich gemacht werden. Dass wenig später der zweite Lockdown kam und der Schwimmkörper lange ungenutzt blieb, setzte dem Gastronom eine ganze Zeit lang zu.

Der Helmstedter betrieb einen Likörladen

Doch als der Frühling hereinbrach, fasste Suchand schon wieder ein neues, zunächst privates Projekt ins Auge: Er wollte sich den angestauten Frust von der Seele laufen. Die Jogging-Einheiten im Lappwald machten den Kopf frei, ließen bis heute sogar 15 Kilo Körpergewicht verschwinden. Mit neuer Energie machte er sich im Sommer an eine neue Idee: Einen Uferabschnitt nahe dem Lokal ließ er von wuchernder Vegetation befreien und gestaltete ihn mit einer 25-Tonnen-Sandlieferung zu einem etwa 350 Quadratmeter großen Strandbereich. Die Arbeit lohnte sich, die Gäste nahmen das neue Angebot sofort an.

Dass Suchand mit seinen gastronomischen Ideen so viel Erfolg hat, beruht einzig auf seinem guten Gespür für die Dinge. Gelernt hat er nichts dergleichen. Nach der Schule hatte der Helmstedter ursprünglich etwas ganz anderes vor. Bei den Braunschweigischen Kohlen-Bergwerken (BKB) machte er seinen Abschluss zum Energieelektroniker. Doch die Umbrüche in der Branche ließen ihn umdenken und eine Lehre als Informatikkaufmann in einem Baustoffhandel in Angriff nehmen. Als die Spekulationsblase des neuen Marktes der Internet-Technologie dann aber platzte, suchte er etwas Bodenständiges. In einem neu eröffneten Likörladen verkaufte er nicht nur aromatische Spirituosen, sondern auch feine Marmeladen, hochwertige Öle und Außergewöhnliches wie Schokolade mit Bergkäse oder Kekse mit Leberwurst.

„Mit Empathie lässt sich vieles hinbekommen“

Einige Jahre später wagte Suchand den Schritt in die Gastronomie, bewirtete im „Eingeschenkt“ in der Kornstraße viele Fußball-Fans, die in seinem Lokal mit der Braunschweiger Eintracht oder dem VfL Wolfsburg mitfieberten. Auf seiner Karte hatte Suchand auch das EKU-Pils einer Traditionsbrauerei aus dem bayrischen Kulmbach. Die beliebte Biersorte sollte später Namensinspiration für sein Lokal werden. Allerdings leicht abgewandelt: EQ ist die Abkürzung für Emotionale Intelligenz. Sie steht für die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle korrekt wahrzunehmen und zu verstehen.

„Genau diese Begabung ist in der Gastronomie unheimlich wichtig“, sagt der Selbstständige. Mit der nötigen Empathie lasse sich vieles hinbekommen, findet der Mann, der schon immer einen Job ausüben wollte, in dem er mit Menschen zu tun haben würde. Doch freundlich sein und zwischendurch ein paar nette Worte mit den Gästen wechseln, reicht alleine nicht aus. Deshalb setzt Suchand bei seinen Angeboten auf Qualität – eine Strategie, die er auch schon in seinem Likörladen verfolgte.

Qualität ist eine wichtige Zutat

„Unsere Burger sind sehr beliebt. Und bei den Schnitzeln schwärmen viele von dem guten Fleisch“, berichtet der „EQ“-Inhaber. Es stammt vom Susländer Schwein, das auf fünf Höfen in Schleswig-Holstein artgerecht gehalten, mit regionalem Futter versorgt und ohne Antibiotika-Zusatz großgezogen wird.

Dass der Deutsche immer noch den Ruf hat, für das Öl in seinem Auto gerne tiefer ins Portemonnaie zu greifen als für das Öl in seinem Salat, stört Suchand. Am Essen solle man nicht sparen, meint er. Bei seinen Gerichten setzt er auf qualitativ gute Zutaten, achtet aber auch darauf, dass sie noch für jedermann erschwinglich bleiben. Ab und zu greift er auch bei den Getränken zu Exklusivem: Als Suchand diese Woche bei einer Messe für Barkultur in Berlin war, orderte er bei einem Anbieter zwei Flaschen eines Korns, der 16 Jahre im Fass gelagert hat. „Davon gibt es insgesamt nur
500 Flaschen“, erzählt der 43-Jährige.

Kommen auch noch Tretboote?

Für seine Brasserie hat er noch so einige Pläne. Der Strandbereich soll im nächsten Jahr weiter aufgehübscht werden. Frühstück soll im „EQ“ ebenfalls bald serviert werden. „Mein Wunsch wäre, Tretboote für den Teich anzuschaffen“, erklärt Suchand. Irgendwie fällt es einem nicht schwer zu glauben, dass er auch diesen Plan über kurz oder lang verwirklichen wird.

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