Von Irrungen, Wirrungen und viel Fantasie

Königslutter Seit 2006 trifft sich die Schreibwerkstatt im Pförtnerhäuschen St. Marienberg in Helmstedt, um zusammen an ihren Texten zu feilen. Mit Erfolg – nach 2010 brachten die 14 Autoren 2012 ihre 4. Anthologie „Begegnungen“ auf den Markt. Am Freitagabend präsentierten sechs von ihnen im Museum Mechanischer Musikinstrumente (MMM) in Königslutter einen Querschnitt aus dem Werk.

Den Auftakt bestritt Eva Prüße aus Rottorf, die bereits einige Werke veröffentlicht hat. Ihre charmante und liebenswerte Geschichte „Schwein gehabt“ erzählt von den Irrungen und Wirrungen, zu denen der Mensch sich zuweilen hinreißen lässt, besonders dann, wenn es sich um Herzensangelegenheiten handelt.

Eine Herzensangelegenheit ist es für Sibylle Schulze, über das eigene Leben zu schreiben. Ihre biographischen Texte schildern wahre Begegnungen und Begebenheiten. Im MMM entführte sie ihre Zuhörer in das England der 60er-Jahre.

Auch bei den Beiträgen von Michael Steinig drängt sich die Frage auf: Selbst erlebt oder gut konstruiert? Seine einfühlsamen und detaillierten Beschreibungen attestieren dem Hobbyfotografen einen wachsamen Blick und die Kunst, das Gesehene in Worte zu kleiden. Zuweilen fast schon analytisch seziert.

Ein gefühlter Gegenpol zu den poetischen Texten von Anja Keddig, in denen die Autorin ihre Leidenschaft für das Reisen auslebt. Welche Macht die Fantasie hat, wurde in dem Beitrag „Der Durchgang“ deutlich.

Für Schmunzeln sorgte die Geschichte „Ein Märchen – abends am Bett erzählt“ von Anthologie-Herausgeberin Karin Bottke. Niedlich der kleine Junge, der stets noch einen Kommentar oder eine Frage einzuwerfen wusste, Mitleid mit der Mutter, die sich letztlich dem Schicksal fügen und noch eine Geschichte vorlesen musste.

Zu guter Letzt las Oliver Felske aus seiner Kurzgeschichte „Eli“, die von Zwang und dem Drang nach einem selbstbestimmten Leben erzählt.

Nach ihrer Buchpräsentation 2012 in St. Marienberg, überzeugten die Autoren auch im MMM ihre Zuhörer mit Wortkunst und Vielfältigkeit. Keine Selbstverständlichkeit, sondern Verdienst harter Arbeit, wie sie betonten. Diskutieren, reflektieren, korrigieren, redigieren. Nicht selten mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Doch ein Aufwand, der sich lohne.

„Der Augenblick, sein eigenes Buch in den Händen zu halten, ist einfach unglaublich“, stand für Karin Bottke fest, die am 24. Februar um 16 Uhr im Kreishaus Helmstedt ihr neustes Werk vorstellen wird.

Für den Erfolg am Freitagabend war auch Fredi Prüße verantwortlich. Mit seinem Akkordeon, sorgte er für die musikalischen Beiträge.

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